Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.                                                                             gegründet: 1991    

      

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Veröffentlichte Leserbriefe

 

Wildschweine

Wenn noch nicht einmal die Empfehlungen zur Reduktion eines überhöhten Wildschweinbestandes des Wildbiologen und Jägers N. Hahn von vielen Jägern ernst genommen werden - nachzulesen in der Evaluierung zu seinen Empfehlungen -, so wundert es nicht, dass Ratschläge von Jagdgegnern erst recht ins Leere laufen.

Nachdem Hahn, wie gesagt frönt auch er der Jägerei, sich und seinen Kollegen die Freude am Beute machen wohl nicht ganz vermiesen möchte, argumentiert er kurzerhand mit ökologischen Halbwahrheiten und verfährt bezüglich vorbildhafter jagdfreier Gebiete leider ebenso. Beispiel: Wildschweine zählt er zu den Reproduktions-Strategen (r-Strategen). Typische Vertreter dieser Gruppe sind Bakterien, Insekten oder auch Mäuse, also Arten mit sehr hoher Wachstumsrate. Die Tatsache, dass aber erst durch den immensen Jagddruck, Dauerstress und der Zerschießung intakter sozialer Rotten-Strukturen das den Kapazitäts-Strategen (K-Strategen) zugehörige Wildschwein zu einem r-Strategen gemacht wird, sozusagen degradiert wird, verschweigt Hahn. Doch genau dies versuchen Jagdgegner seit Jahren immer wieder deutlich zu machen. (Anmerkung zu den K-Strategen: Typischer Vertreter sind große Säugetiere; Eigenschaften u.a.: Elterliche Fürsorge).

Wer durch die Podiumsdiskussion eine vernünftige Lösung zur Wildschweinproblematik erwartet hatte, wurde enttäuscht. Vernunft und Jagd passen halt nicht zusammen. So ähnlich formulierte es auch der Jäger und Philosoph Ortega Y. Gasset: "Die Gefahr für den Fortbestand der Jagd ist die menschliche Vernunft!"

Roland Dunkel

 

„Wildschweine: eine Riesensauerei“ 

Die „Riesensauerei“ zieht weite Kreise! Sie fordert heraus und fördert die dringend notwendige Diskussion zum Thema Jagd grundsätzlich. Dank an dieser Stelle an Ihre Redaktion!

Dass Jäger ihr Hobby, nämlich das Töten von Tieren,  gerne ausüben, dafür auch Zeit und Geld investieren und mit Augenwischerei und viel Brimborium versuchen es zu verteidigen, ist verständlich – objektiv betrachtet jedoch infam!

Fakt ist: Die Jagd, die einst zur Nahrungs- und Fellbeschaffung diente, ist zu einem perfiden, gesetzlich legitimierten Feizeitvergnügen verkommen.

Das Jagderlebnis und der damit im Zusammenhang stehende „besondere Kick“, den Jägerinnen und Jäger  während des Tötungsaktes erleben, ist  der Grund dafür.

Gäbe es diesen bedauernswerten Umstand nicht, lebten wir heute  in einer Landschaft, in der Mensch und Tier friedlich nebeneinander existieren könnten. Es gäbe ganz sicher mehr Lebensraum für Tiere, weniger Monokulturen und intensive Landbewirtschaftung, weniger Pestizideinsatz und Straßenbau usw.

Von dieser Entwicklung sind wir heute weit entfernt. Die Frage darf also  nicht lauten, wie wir die Jagd fördern, Jungjäger rekrutieren oder Jagdgesetze noch jägerfreundlicher gestalten, sondern Programme aufstellen, die aus der lebensfeindlichen eine lebensfreundliche Restnatur entstehen lassen. Allzuschwer sollte dies nicht sein, denn jagdfreie Gebiete und unabhängige, nichtjagende  Wissenschaftler zeigen eindrucksvoll gangbare Wege.

Im Übrigen würde doch kein vernünftiger Mensch die Kriege, die heute irgendwo auf dieser Welt stattfinden, als vernünftige Geburtenreglung bezeichnen, nur weil es zu viele Menschen auf diesem Planeten gibt.

Roland Dunkel

 

Wildschweine/Jagd und Jäger sorgen selbst für eine steigende Population Abo

"Sauenplage" — was für eine aggressiv dramatische Sprache. Aber — , welch ein Glück, dass wir unsere schießgewaltigen Jäger und Jägerinnen haben, die uns vor dieser Sauenplage retten. Was wir täten, wenn wir die tollen Jäger nicht hätten? Nichts — und das wäre gut so. Denn nicht die milden Winter und auch nicht der reich gedeckte Tisch voller Eicheln oder Kartoffeln sind schuld daran, dass sich die Wildschweine übermäßig vermehren. Nein, es sind die Jäger selbst, die sich in einer Art permanenter Beschäftigungsmaßnahme unersetzlich machen, indem sie ihren Wildschweinnachwuchs selbst "züchten" und ihn dann erschießen. Auch unter der Jägerschaft gibt es kritische Stimmen, die wissen, was die massenweise Zufütterung durch die Jäger selbst und der permanente Jagddruck für die Vermehrung der Wildschweine bedeuten. Dass die nährstoffreiche Zufütterung kontraproduktiv für eine natürliche Vermehrungsrate ist, leuchtet wohl noch jedem ein. Schwieriger zu verstehen wird es hier: Gerade weil die Jäger die Wildschweine permanent jagen und erschießen, tritt das Paradoxe ein:

Je mehr Wildschweine geschossen werden, umso mehr Wildschweine gibt es. Die Natur und unsere Mitgeschöpfe verhalten sich nicht immer so logisch geradlinig: einfach noch mehr abschießen und das Problem ist gelöst, sondern man muss Ursache, Verhalten und Wirkung schon genauer betrachten. Ein entscheidender Teil der ganzen Wahrheit ist: Durch das Verfolgen und Töten einzelner Tiere bringen die Jäger permanent Stress, Panik und Chaos in das Sozialgefüge einer Wildschweinrotte.

Dadurch verändert sich auch das Fortpflanzungsverhalten der überlebenden Wildschweine. Sie versuchen, die Verluste auszugleichen und sorgen für noch mehr Nachwuchs. Die Folge: Trotz erhöhter Abschusszahlen erhöht sich ihre Population.

Was müssten wir also tun? Was die Tiere betrifft, im Wesentlichen nur beobachten und staunen — und statt den Todesräumen müssten Lebensräume geschaffen werden. Mit den Jägern hätten wir mehr zu tun: Die völlige Entmachtung und Entwaffnung. Leider sind wir von solchen Einsichten und dem wiederum vorausgesetzten Mitgefühl unseren Mitgeschöpfe gegenüber, immer noch weit entfernt.

Stefan Klippstein

 

Wer macht hier die Tiere scheu?

In ihrem Märchenrucksack tragen Jäger scheinbar für alles ein passendes Kapitel mit sich herum. Nun will man uns erzählen, dass wir mit unseren diversen Freizeitaktivitäten in freier (Wald-)Natur die Tiere scheu machen, sie somit in den Wald zwingen und Verbissschäden an jungen Bäumchen zu verantworten haben. Das ist infam, denn die Jäger selbst haben die Tiere durch den immensen Jagddruck zu scheuen und nachtaktiven Tieren gemacht!

So ergreifen die Tiere besonders beim Anblick oder bei der Witterung eines Jägers panikartig die Flucht. Prof. Reimoser vom Wiener Forschungsinstitut für Wildtierkunde führt dazu aus, dass in 50 beobachteten Vergrämungsfällen beim Rehwild 94 % von Jägern, vier Prozent von Touristen und zwei Prozent durch forstwirtschaftliche Aktivitäten ausgelöst wurde.

Auch jagdfreie Gebiete, in denen Wildtiere keinem Jagddruck ausgesetzt sind, sprechen eine ganz andere Sprache. Hierzu der aus Thüringen stammende Tierfilmer Andreas Kieling: „Selbst in Nationalparks, wo keine Rehe und keine Hirsche etc. gejagt werden, sind die Tiere innerhalb kurzer Zeit sehr vertraut, weil sie einfach wissen, dass von diesen Wesen keine Gefahr ausgeht.“ 

Bemerkenswert ist, dass auch Tier- und Naturfreunde fehlende Ruhezonen bemängeln. Allerdings geht es ihnen dabei um echte Ruhezonen für die Tiere! Was hier aber von den Weidmännern gewünscht wird, sind Bereiche, in denen sie sich in aller Ruhe ihrem blutigen Hobby hingeben können. 

Roland Dunkel

 

Die Jagd im Allgemeinen

Ja, es ist schon schlimm welch arge Fehler der liebe Gott begangen hat und all die böse tierische Jagdkonkurrenz, wie Fuchs und anderes "Raubzeug" erschuf, was die edle Jägerschaft mit viel Pulver und über 700 Tonnen (!) Blei und Eisen jährlich, nun mühsam ausbügeln muß.

„Viele Politiker sind passionierte Jäger“. Dieser Satz von Rober Lücke ist der Knackpunkt.

Im Politikalltag meistens nicht mit allzu vielen Erfolgserlebnissen gesegnet, finden sie archaische Selbstverwirklichung im Jagdgeschehen: "Gewehr in der Hand, Hund an der Seite, dies verleiht dem Waidmann das Gefühl der Macht über Leben und Tod. Jäger haben im Gegensatz zu nicht jagenden Menschen ein großes Machtstreben, sie sind aggressiver und sadistischer. In Ermangelung anderer Bestätigungen findet der Jäger im Jagen persönlichen Stolz, Erfüllung und Selbstbestätigung" - so nachzulesen in der Dokumentation "Die Sache mit dem Waidwerk" von Dr. Horst Hagen.

Jagd ist ein ständiger, schwerer Eingriff in das Gleichgewicht der Natur - ein die Umwelt schädigendes, schlimmes Überbleibsel unbewältigter Neandertal-Mentalität, das Bundespräsident Theodor Heuss, als eine "Nebenform menschlicher Geisteskrankheit" bezeichnete. Der seinen Killerinstinkt mittlerweile beherrschende Normalbürger steht verständnislos wie einst der Altbundespräsident, vor dieser mit viel Brimborium verbrämten (Jagd-)Lust und Freude am Töten. Eine ökologisch begründete Jagd besteht nicht. Die Evolution hat die Natur über Millionen Jahre hinweg befähigt, eigene Regelmechanismen für das Gleichgewicht in Tier- und Pflanzenwelt zu entwickeln. Der Wildbestand reguliert sich auch heute ohne große Beutegreifer wie Wölfe auf normale Populationsgrößen ein. Das zeigen Nationalparks - man muß der Natur nur die Zeit einräumen diese normalen Regulationsmechanismen aufzubauen.

Ulrich Dittmann

 

Jagd im Naturschutzgebiet

"Tierkinder in der Rhön"

Nach dem Lesen des Beitrags über die „ganzjährige Kinderstube Lange Rhön“, eine kurze Internetrecherche und siehe da: Der Autor ist ein Jäger!

Also, warum nicht ein wenig jägerische Grausamkeit – Jungwild muss erlegt werden – mit jener in der Natur rechtfertigen. Schließlich werden in der Natur sogar Tierkinder gefressen!

Dass Jungwild von Jägern erschossen werden soll, damit die Natur nachgeahmt wird, ist  Blödsinn. Oder hat die Natur viele Jungtiere mit einem „Tarnkleid“ versehen, damit sie möglichst schnell gefunden und gefressen werden?

Da wird auf die fehlenden Fressfeinde Luchs, Wolf und Bär verwiesen und gleichzeitig wird der Fuchs, dieser verhasste Jägerkonkurrent, auf das Hinterhältigste und Schonungsloseste bejagt. Wie soll man das seinen Kindern erklären, wie soll das alles zusammenpassen, wenn man es nicht durch die Jägerbrille sieht?

Und wenn mit dem seltenen Birkhuhn, der Jägerbeute von einst, argumentiert wird, so könnte man angesichts der für die Vermehrung dieses Tieres in Kauf genommenen Grausamkeiten anderen Geschöpfen gegenüber, vielleicht auch mal daran denken, es in Würde aussterben zu lassen. Denn wenn Füchse oder Wildschweine die letzten Birkhühner töten oder ihre Eier fressen, so vollenden sie doch nur das Werk von uns Menschen. Wir haben den Birkhühnern die Lebensgrundlagen genommen, nicht die Tiere!

Roland Dunkel

 

Zur Zwangsbejagung

Sind Jägersleut gleicher als andere gleiche und dürfen sich echauffieren und schon benachteiligt sehen, wenn sie nicht bevorteilt werden ?

"Da nutzt nu alles weinerliche Aufjaulen nuscht", hätte mein seliger Grossvater - einst begnadeter Nimrod in ostpreußischen Wäldern - geseufzt. Deutschland ist nun mal in Europa eingebunden und übergeordnetem  EU-Recht (siehe Urteilsspruch des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte) unterworfen, demnach auch Jäger nicht nach Manier eines James Bond eine Lizenz zum Töten auf fremdem Grund und Boden beanspruchen können. Für den Tierschutz ist so der Gang in die nächste Instanz mit großem Optimismus vorgezeichnet.

Ulrich Dittmann

 

"Zwangsbejagung" 

Brief an die Jagdzeitschrift "Wild und Hund"

Welcher Jäger möchte schon gerne per Zwangsmitgliedschaft einer Organisation /Jagdgenossenschaft zugehörig sein, um dann noch dulden zu müssen, dass seine “Vereinsfreunde” durch seinen Garten trampeln, dort putzige Schießstürme errichten und Haushund und Mieze erschießen? Kaum ein Trost für die Betroffenen, wenn dafür freundlicherweise auch ein paar Sträucher gepflanzt werden.

So und nicht anderes stellt sich dem “normalen” Bürger das Verhalten der Hobby-Jäger dar, die wünschen auf Privatgrundstücken ihre Outdoor-Selbstverwirklichkeitsgelüste auszuleben.

In Anlehnung der alten juristischen Weisheit “Der größte Feind des Rechts ist das Vorrecht” (M. von Ebner-Eschenbach) ist die Entscheidungsfindung der Europäischen Gerichtsbarkeit in dieser Sache absolut nachvollziehbar: Das Beanspruchen von Nutzungsrechten in Feld und Flur, nach anachronistischer Feudalherrenmanier, hat heute keine Berechtigung mehr.

U. Dittmannn

 

Jagd auf Füchse

Wenn in nahezu jedem Bühler Hausgarten Füchse anzutreffen sind und dort für Ärger sorgen, sollte nach den Gründen für die "Fuchsinvasion" gesucht werden. Am Besten mit Unterstützung der Bühler „Hobby-Trapper“ nach alter Trapper-Manier: Die Natur erleben, sehen wie sie ist, Ursachen und Wirkungen kennen lernen und sich entsprechend verhalten! Um Zeit zu sparen, sollte man sich einen Blick auf das kleine Einmaleins der Fuchspopulation unter dem Druck der Jäger gönnen: Müssen die ebenso schlauen wie schönen Tiere Verluste durch die Jäger hinnehmen, gleichen sie diese durch ihre soziale Organisation binnen kürzester Zeit wieder aus. Anders als in intakten Familienstrukturen – etwa in jagdfreien Gebieten - bekommen selbst die Fähen, die bislang kinderlos geblieben waren, jetzt Nachwuchs. Zudem werden statt drei bis fünf Welpen bis zu zwanzig (!) Jungtiere großgezogen. Beobachtungen zeigen außerdem, dass starker Jagdruck dem Familienzusammenhalt enorm schadet. In solchen Fällen zieht der Rüde gleich nach der Paarung weiter, um beim nächsten Weibchen sein Glück zu versuchen. Das Ergebnis sind schwangere Füchsinnen in unnatürlich hoher Zahl! In wissenschaftlichen Kreisen spricht man deshalb von der Kontraproduktivität der Jagd. Was allerdings nicht heißen soll, dass im Falle einer ganzjährigen Schonzeit für Füchse, effektivere Sicherungsmaßnahmen als Elektrozäune für Gärten mit Hühnerbeständen getroffen werden sollten.

Roland Dunkel, 20.5.08

 

Blutiges Hobby“ - In mondheller Nacht geht’s dem Fuchs an den Kragen“

Wieder mal versuchen die Jäger ihr blutiges Hobby zu rechtfertigen. Jedes Argument ist ihnen recht, um dieses Verbrechen salonfähig zu machen. Die Behauptung der Jäger, dass eine Regulierung durch sie not­wendig sei, ist längst widerlegt. Die Ausführungen bezüglich der Tollwut und dem Fuchsbandwurm sind geradezu lächer­lich, denn Sorgen machen sollten sich die Jäger und Mediziner vielmehr über, z. B. die drama­tische Zunahme der Wohlstands­krank­heiten mit den ent­sprechenden Folgen!

Das Bild mit den Jagdhornbläsern und der zur Schau gestellten Beute verdeutlicht übrigens ein­drucksvoll die Unglaub­würdig­keit der Jäger!

Schon Theodor Heuss sagte: „Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Jagd ist eine Neben­form menschlicher Geisteskrankheit.“

Rosmarie Zähringer

 

Jägerinnen

Immer mehr Frauen sind von der Jagd fasziniert und haben einen Jagdschein

Heutzutage liegt der einzige Grund zum Jagen im ganzen besonderen „Kick“, den Jäger und Jägerinnen in ihrem Jagdfieber erleben („Wenn es so weit ist, rast das Herz, pocht der Puls. Adrenalin pur“). Einzig allein dieser Tatsache haben wir Jagdgesetze zu verdanken, die die Lust am Töten legalisieren. Ein Skandal, der von (jagenden) Medienvertretern  und (jagenden) Politkern als verharmlosend, ja sogar als notwendiges Übel zum Erhalt eines natürlichen Gleichgewichts, unters Volk gebracht wird.

Zur Märchenliste der Grünröcke gesellen sich stets neue Argumentationen. Ihre Tötungslust einerseits und die immer lauter werdenden kritischen Stimmen andererseits, treiben sie in Erklärungsnotstand. Jägerin Halla rechtfertigt ihr blutiges Hobby mit der Feststellung: „Lieber frisches Wildbret aus natürlicher Umgebung als Fleisch aus brutaler Massentierhaltung“. Hätten die vielen Qualen (angeschossene Tiere) und Leiden (ständig werden Familienbanden zerstört – alle 6 Sekunden stirbt ein Tier durch Jäger/innen-Hand - , oder die Reh-Mutter, die zusehen  musste, wie man ihrem  Kind den Bauch aufschlitzte, hätte diese zu Herzen gehenden Situation  nicht auch bei Frau Halla den Gedanken nahe legen müssen, gänzlich auf Tierleichen zu verzichten? Als Frau, vielleicht auch als Mutter, sollte diese Erkenntnis nicht allzuschwer sein.

Roland Dunkel, 23.09.07

 

Hubertusmesse

„Ehrfurcht vor dem Tier hegten selbst schon kirchliche Kreise. Zumindest behauptet Lichtenberg, dass Mönche der Gascogne eine Maus für heilig hielten, die eine Hostie gefressen hatte“, soweit der Schriftsteller und Träger des International Humanist Award Karlheinz Deschner.

Jäger erfüllen den "Auftrag Gottes“, soweit Pfarrerin Weichert zur Einleitung der Zeitlofser Hubertusmesse. Jetzt versuche ich mir Jesus als Jäger vorzustellen: Hinterhältig auf einem Hochsitz lauernd. Dann das Rohr seiner Flinte zwischen die Augen eines friedlichen, unschuldigen Tieres gerichtet. Ich kann es nicht, lese weiter und verdächtige die Geistlichkeit in enger Verwandtschaft zur Ambivalenz unserer Wald- und Wiesenmetzger zu stehen.

Seit der Zeit, als die Erde noch eine Scheibe war, hat sich vieles verändert – die Kirche kaum. Die glaubt noch immer die Wahrheit alleine zu besitzen. Erklärungsnotstände bewältigt sie mittels Erbsünde und der Hoffnung auf das Jenseits. Entsprechend lautete die wesentliche Botschaft in Zeitlofs: Gelitten wird so und anders, also helfen wir der Ökologie mit Waffengewalt auf die Sprünge! Außerdem dienen die Tiere, die sich ja einander auch auffressen, dem Menschen als Nahrung! 

Ob sich der Hl. Hubertus im Grabe gedreht hat?

Zugegeben, das Leid kommt in dieser Welt nicht zu kurz. Abgesehen von Krieg und Terror sterben tagtäglich tausende Menschen den Hungertod. Aber sollten wir nicht alles versuchen, um Leid zu reduzieren, wenn möglich es zu vermeiden? Sollten wir uns nicht, Bezug nehmend auf die Tiere, um Reformen zur Jagd bemühen, anstatt das elendliche Verrecken unserer Mitgeschöpfe vor unseren Haus- und Kirchtüren mit salbungsvollen Worten schön zu reden?

Schade, dass auch diese Hubertusmesse kein Licht ins Dunkel brachte. Wie sinnvoll wäre es doch gewesen, anstelle des Zeichens der Heimatliebe, ein Zeichen der Tierliebe zu setzen (Tiere habe genau wie wir Menschen ein schmerzempfindliches Nervensystem – die heimatlichen Jagdgefilde nicht!).

Ich Fachkreisen besteht schon lange kein Zweifel mehr darüber, dass die Jagd dem natürlichen Gleichgewicht, auch in unserer Kulturlandschaft, eher schadet als nützt. Aber warum hegt und pflegt die Kirche weiterhin die ins Gegenteil verkehrte Legende vom Hl. Hubertus? Nun, das Recht des Stärkeren hat auch in der Kirche eine lange Tradition. Die Blutspur, die dieses Unrecht hinterlässt, scheint leider Gottes eine nicht enden wollende zu sein!

Ingeborg Schollmeyer

 

 „Jäger sorgen sich wegen Wildunfälle“

Leider wurden in der Ursachenforschung zu den gestiegenen Wildunfällen die exorbitanten Wildbestände als wesentlicher Grund für die gestiegenen Wildunfälle verschwiegen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass dafür die jagenden Heger und Pfleger selbst im hohen Maße verantwortlich sind.

In unserer Kulturlandschaft haben es bestimmte Tierarten besonders schwer, denn unter dem Deckmantel der Hege werden sie als Objekt der Begierde auf einem immer kleiner werdenden Lebensraum regelrecht herangezüchtet! Man füttert sie, man tötet sie – ein künstlicher Kreislauf des Tötens ist längst entstanden!

Die Folgen beschreibt U. Wotschikowsky, Forstwissenschaftler und selbst Jäger, wie folgt: „Fütterung von Wild mit dem perversen Ziel letztmöglich viel davon totschießen zu können, ist leider ein ganz wesentlicher Bestandteil unseres heutigen Jagdwesens.“ Auch H. Wölfel, ein anderer Jäger bringt es auf den Punkt: „Wenn es überhaupt ein ehrliches Argument zur Fütterung der Rehe gibt, ist es nicht im Bereich der Wildschadenverhütung sondern in der Sparte Trophäenvergrößerung zu suchen.“

Heute haben die Bestände des gerne bejagten „Schalenwildes“ Rekordzahlen erreicht. 1936 bis 1939 betrug die Rehstrecke auf der Fläche der alten Bundesländer etwa 376.000. Im Jagdjahr 1983/84 waren es schon 686.000, und heute werden bereits über eine Million Rehe gezählt! Die Wildschweinbestände sind besonders in den letzten Jahren explosionsartig angestiegen. Wurden 1982/83 in Deutschland (mit DDR) noch knapp 169.000 Wildschweine erlegt, waren es im Jagdjahr 2001/2002 über 531.000, ein Anstieg auf knapp 316%.

Neben der Zunahme von Wildschäden sind auch Wildunfälle in höherer Zahl die logische Folge. Ein Grund mehr, um das Jagdrecht endlich zu reformieren – den Tieren und der Menschen wegen!

Roland Dunkel