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Das
Wellnesspaket kann für die besser Hälfte zur äußeren
Schönheit gewählt werden, der Mann kann oder soll
währenddessen die einheimischen Jäger beim Jagen und
Töten begleiten und z. B. mit einem Jäger auch einen
Teil der Nacht auf dessen Hochsitz verbringen, ehe der
begeisterte Jagdvoyeurist sehr spät zur zwischenzeitlich
sicher dank Bad Driburg verschönten Partnerin ins
Wellnesshotel zurückkehren wird. (Quelle: Bad Driburg
Touristik GmbH oder www.bad-driburg.com: dort auf der
ersten Seite den Suchbegriff Waidmannsheil eingeben).
Diese kleine, freundliche Kurstadt im Teutoburger Wald
hat sich für die Messe einen makabren Marketing-Satz
einfallen lassen, um gleich noch die Gäste auf die
kommende 2000-Jahrfeier der hiesigen Varus- und
Cherusker-Schlacht – also jetzt in 2009 - einzustimmen:
„Vor
2000 Jahren vertrieben germanische Stammesverbände die
Römer aus dem Teutoburger Wald. Heute wird in den
Wäldern Bad Driburgs nur noch das Wild gejagt.“
Im
zweiten Teil meines Beitrages werde ich den Messebogen
vom Teutoburger Wald sehr weit noch nach Kamtschatka in
Sibirien ziehen.
Das
Messespektakel mag geprägt sein von Zuwächsen: Mehr
Besucher, mehr Aussteller und mehr vermietete
Nettofläche als je zuvor in der Geschichte von JAGD &
HUND. Aber davon unbeeindruckt kämpfen wir alle hier und
in Zukunft weiter für eine jagd- und jägerfreie Natur.
Schon an der ersten jagdkritischen Kundgebung hier in
Dortmund 1988 - damals von der Partei „Die Grünen“
mitgetragen, ja noch aktiv mitgestaltet; diese Partei
fehlt hier seit langer Zeit - nahm ich als Dortmunder
Mitbürger und Jurist teil und lasse mich von den 640
Ausstellern und den rund 75.000 Besuchern auch nach
meinem nun schon 21 Jahre währenden Protest gegen diese
Messe in Dortmund nicht entmutigen. Denn es gibt für
mich noch immer keine ethische und ebenso keine
ökologische Begründung der Jagd. In einem naturnahen
Wald, gibt es keine Schäden. Tiere stören nicht und ihre
sog. Schäden gehören zum Ökosystem; wirkliche Fachleute
sagten mir: zur natürlichen Waldentwicklung.
Im
letzten Jahr wurde ich hier auf der Kundgebung gegen
diese Messe wegen unserer vielen Heuss-Plakate von
Jägern nach der Quelle für das bekannte Zitat von
Theodor Heuss gefragt. Ich habe die genaue Quellen
kürzlich dank Studiendirektor Kurt Eicher aus Heilbronn
im Original nachlesen können. Das Zitat ist wirklich
korrekt.
Der
erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor
Heuss, schrieb am 1.12.1955 an seine Briefpartnerin Frau
Toni Stolper in New York:
„Zur
`Jagd´ dies: Jägerei ist eine Nebenform von menschlicher
Geisteskrankheit, von der ich nie befallen war. .....
Auch Diplomaten und Staatsmänner, die dafür gelten, die
sich dafür halten, sind davon befallen. Ich habe nie
eine Flinte in die Hand genommen…………“
Theodor Heuss: Tagebuchbriefe 1955-1973, hg. von
Eberhard Pikart, Tübingen/Stuttgart 1970, Seite 106.
Theodor Heuss hatte vorige Woche seinen 125. Geburtstag
(31.01.1884). An dessen Geburtsort in der Nähe von
Heilbronn erinnerte Bundespräsident Köhler kürzlich an
diesen sensiblen, klugen Politiker. Noch besser wäre es,
wenn das Bild von Theodor Heus in der Öffentlichkeit in
weiten Kreisen auch um diesen jagdkritischen Akzent
erweitert wird!
Einige Anmerkungen heute über das hier schon Gesprochene
hinaus: Die JAGD & HUND feiert sich in dieser Woche am
Messeportal als „ein Erlebnis- und Einkaufsparadies für
Jäger, Angler und Naturfreunde“; man höre und staune
über diesen Zynismus.
A. Mein erstes Stichwort heute: Naturfreunde?
Ich
verweise heute wie schon vor 22 Jahren auf die 1986
unter Berufung auf eine Studie von Wissenschaftlern der
Universität Bonn, was noch immer nachgelesen werden
kann, in der Nähe von Köln gegründete„Initiative
jagdgefährdeter Haustiere“ (Internet: www.ijh.de), die
mir kürzlich mitteilte, es habe sich in 22 Jahren nichts
geändert.
Die
Zahlen der von Jägern getöteten Hunde und die der
getöteten Katzen sind schockierend und das alles, weil
sich diese Tiere angeblich gem. § 25 Abs. 4
Landesjagdgesetz NRW 200 m vom nächsten Haus bewegten
und deshalb als Jagdkonkurrenten einfach beseitigt
werden durften oder noch dürfen.
Heute fordere ich hier wieder wie jedes Jahr in Dortmund
eine „Natur ohne Jagd“, und zwar aus mindestens vier
Gründen:
1.
weil die Jagd nie ein Mittel zum „artenreichen
Wildbestand“ ist (so aber irrtümlich jener unbewiesene §
1 Abs. 2 Bundesjagdgesetz), ferner
2.
weil, die Hege und Ökologie von Fauna und Flora nie
diese Form der Regulierung von möglichen
Überpopulationen durch die Jagd fordern (Verbissschäden
sind eher die Folge der Jagd; viele Fachwissenschaftler
urteilen so) und
3.
weil, nie Jagdgegner unter den Grundeigentümern, die
ihre Flächen nicht bejagen lassen wollen, gegen ihr
Gewissen gesetzlich zur Jagd-Duldung gezwungen werden
dürfen. Die §§ 7 ff BJagdG verstoßen gegen die
Menschenwürde (Art. 1 GG), die Eigentumsgarantie (Art.
14 GG) und den neuen Art. 20 a GG. Das BJagdG ist in
weiten Teilen nichtig. - und jetzt schließt sich der
Kreis zu der schon genannten Initiative jagdgefährdeter
Haustiere -
4.
weil nie wieder Hunde und Katzen, die sich etwas vom
Haus entfernt haben, allein deswegen abgeschossen werden
dürfen. § 25 Landesjagdgesetz NRW über das Töten von
Haustieren durch Jäger ist zu überarbeiten. Seit ca. 25
Jahren existiert der für tausende Bürger existentiell
notwendige Tiernotruf TASSO in Frankfurt für vermisste
Tiere. Was schreiben Jäger auf Ihre Homepage (Z. B.
www.suew-jaeger.de):
Es
werde davon abgeraten, an eine so nützliche und
effizient arbeitende Organisation wie TASSO zu spenden,
nur weil TASSO auf ihrer website (www.tiernotruf.org)
als erstes auch uns hier von der "Abschaffung der Jagd"
verlinkt hat.
Sind
Jagdhunde nicht gechipt oder tätowiert und gehen mal
verloren?
Es
ist ja wohl mehr als verständlich, dass jede mitdenkende
verantwortungsvolle Tierschutzorganisation gegen die
Jagd eingestellt ist. Was bei einem Zentralen
Haustierregister wie TASSO überdies nicht verwundert,
wenn man bedenkt, wie viele Tiere, z. B. Katzen
tagtäglich verschwinden (300 000 jährlich), verzweifelt
von ihren Besitzern gesucht werden und wovon ein
Großteil sicher auf das Konto der Jägerschaft geht.
Katzen, die erschossen werden, in Fallen sterben oder
wie die Jäger verharmlosend sagen „verenden“ und dann
von den Jägern dann sang- und klanglos klammheimlich als
unnützes Raubzeug (so schon das Unwort bei
Reichsjägermeister Hermann Göring!) verscharrt, als
Luder ausgelegt, an Greifvögel verfüttert werden oder
denen das Fell abgezogen und als Rheumadecke
verscherbelt wird: Tätowierung und Mikrochip hin oder
her. Gnadenlos!
B. Mein zweites Stichwort heute: Das Groß-Reisebüro
Westfalenhallen
1. Auslandsjagd
Einer der perversesten, dekadentesten und fragwürdigsten
Auswüchse der Hobby- und Spaßjagd ist der Jagdtourismus,
der das oft gebrauchte Wort vom "Heger und Pfleger" ins
Licht der Realität rückt oder zur Kenntlichkeit
entstellt. Bei derartigen Auslandsjagden, sei es in
Afrika, Südamerika oder osteuropäischen Ländern wird
finanziell potenten Jägern die Möglichkeit geboten, im
Ausland teils artengeschützte Tiere zu töten. Diese Form
der Jagd entbehrt jeglicher auch nur annähernd
moralischer Rechtfertigung wie Bestandskontrolle und
Nahrungsbeschaffung. Sie dient ausschließlich dem
Trophäenkult, der Befriedigung der Jagdlust, kurz der
Lust am gezielten Tiermord und der Befriedigung
niederer, allerniederster Tötungsinstinkte!
Nach
wie vor werden in Deutschland solche Jagdreisen für den
organisierten Tiermord zum Vergnügen angeboten: Einige
wenige Preisbeispiele aus Halle 5: So kostet bei
Jagdreisen nach Afrika der Abschuss: Zebra EUR 565,00 -
Streifengnu EUR 785,00 - Warzenschwein EUR 335,00
Schakal EUR 30,00 Pavian EUR 265,00 Stachelschwein EUR
265,00 Leopard EUR 2.500,00 Gepard EUR 2.050,00 usw.
Beispiele für Russlandreisen :
a)
Erster Braunbär in Kamtschatka (Sibirien) - mal nicht
nur nach Bad Driburg in den Teutoburger Wald - pro Jäger
inklusive aller Lizenzen und Genehmigungen für die Jagd;
Rohpräparation der Trophäen sowie Verpackung für
Rücktransport; Getränke und Spirituosen (begrenzt) im
Jagdrevier; plus Abschuss von 1 Elch (unlimitiert in
Größe und Gewicht) US $ 8.450,00 b) Der zweite getötete
Braunbär nur noch: US $ 4.000,00 Zweiter Elch US $
4.000,00 oder : c) 15 Tage Braunbärenjagd Frühjahr oder
Herbst US $ 11.500,00.
Das
war der geographische Bogen zu dem Eingangsbericht über
Bad Driburgs neue Jagdtouristen.
2. Ausländische Jäger in Deutschland oder Jagdtourismus
nach Deutschland
Im
Gegenzug ist auch der Jagdtourismus nach Deutschland zu
unterbinden. Sinnvolle Jagdeinschränkungen und -verbote
in anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden,
Belgien, Luxemburg und der Schweiz (Beispielhaft einige
Kantone) , haben zu einem massiven Jagdtourismus nach
Deutschland geführt. So können beispielsweise
Niederländer in Gebieten von Rheinland-Pfalz immer öfter
bei organisierten Jagden gegen Bezahlung ihrem Hobby
nachgehen. Der beispielsweise aus Antwerpen angereiste
Belgier hat bei einer derartigen Jagd in der Eifel oder
im Sauerland in der Regel keinerlei Interesse an einem
selektierenden ökologischen Vorgehen, sondern möchte für
seine Euros ein kapitales Tier erlegen und zu Hause
vorzeigen.
Verwerflich ist aber insbesondere die Tatsache, dass
auch staatliche Stellen um des Geldes willen solche
Jagden ausschreiben, wobei die Tötung der Tiere ohne
ökologische Grundlage nur nach dem Prinzip der
Trophäenjagd stattfindet und die Behörde wiederum
billigend in Kauf nimmt, dass gerade unsere ökologischen
Strukturen aus fehlendem Interesse und auch fehlender,
ungeprüfter Sachkenntnis der ausländischen Jäger
zerstört werden.
So
wird Töten zum Urlaubshobby und bleibt es noch dank
starker Lobby!
Ich
fordere heute:
- Verbot der Werbung und des Angebots von
Auslandsjagden!
- Untersagung des Jagdtourismus nach Deutschland!
- Bei Teilnahme an Auslandsjagden auch die Möglichkeit
einer Bestrafung wegen aller Verstöße gegen das
Tierschutzgesetz wie bei allen anderen Straftaten
deutscher Staatsangehöriger im Ausland (§§ 4 ff. StGB)! |