Stoppt das Wildschweinmassaker in Feld und
Flur!
Nov. 2009
(von RA Dominik Storr)
In dieser Jahreszeit werden wieder unsere
Mitgeschöpfe in Wald und Flur von der
Jägerzunft massenhaft dahingerafft. Es
werden den Wildtieren die Köpfe und
Gliedmaßen weggeschossen, Sozialstrukturen
werden auseinandergesprengt und vernichtet,
Jungtiere verlieren ihre Eltern, Geschwister
ihre Brüder und Schwestern, mit dem Tod
ringende Tiere werden auf der panischen
Flucht zurückgelassen und verbluten einsam
im Gebüsch. Es herrscht derweil wieder
Krieg, Terror und Trauer im Wald, Tiere
flüchten tagsüber über die stark befahrenen
Straßen, öffentliche Wege sind gesperrt
wegen Treib- und Drückjagden, überall rennen
Tiere um ihr Leben, erdröhnen Schüsse und
die Jäger nennen das Dienst an der Schöpfung
Gottes. Ungeheuerlich!
Gerade die Jagd auf Wildschweine hat mit den
sogenannten revierübergreifenden Treib- und
Drückjagden eine völlig neue Dimension
angenommen, die nicht hingenommen werden
darf. Der Arbeitskreis humaner Tierschutz
e.V. möchte zusammen mit dem Politischen
Arbeitskreis für Tierrechte in Europa (PAKT)
e.V., der Initiative zur Abschaffung der
Jagd und der Hans-Rönn-Stiftung den
Wildschweinen eine Stimme geben. Lesen Sie
hierzu bitte meine nachfolgende
Pressemitteilung:
P R E S S E M I T T E I
L U N G
Revierübergreifende Jagd auf Wildschweine rechtswidrig?
Bayerischer Landwirtschaftsminister Brunner gerät ins
Kreuzfeuer der Kritik
Der bayerische Landwirtschaftsminister Brunner
bezeichnet die Wildschweinzunahme als „dramatisch“ und
plädiert für "mehr revierübergreifende Jagden, bei denen
auch Hunde und Treiber zum Einsatz kommen sollen" (ddp,
23.11.2009). Doch zahlreiche Natur- und
Tierschutzorganisationen schlagen dagegen Alarm: „Die
Jagd hat mit den sogenannten revierübergreifenden Treib-
und Drückjagden unter Teilnahme einer oder mehrerer
Hundertschaften von Jägern und Treibern, der Absperrung
ganzer Landstriche zulasten von Spaziergängern, Joggern,
Mountainbikefahrern, Reitern sowie der damit
einhergehenden Gefährdung der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung völlig neue Dimensionen angenommen, die
nicht mehr hinnehmbar sind“, sagt Prof. Dr. Wolfgang
Karnowsky von der Hans-Rönn-Stiftung.
Erweiterung der bisher revierbezogenen Jagdausübung ist
rechtlich fragwürdig
Die Natur- und Tierschützer haben Staatsminister Brunner
im Visier. Dieser ziehe die Rechtfertigung für die neue
Jagdmethode aus der Schädlingsbekämpfung. „Die
Erweiterung der gesetzlich vorgesehenen revierbezogenen
Jagdausübung darf daher nur zu diesem - konkret
nachgewiesenen - Zweck ausgeübt werden“, erklärt
Rechtsanwalt Dominik Storr, der von der
Hans-Rönn-Stiftung und von weiteren Natur- und
Tierschutzorganisationen beauftragt wurde, um den
Wildschweinen in Deutschland gemeinsam eine Stimme zu
geben.
„Minister Brunner wird den Beweis der notwendigen
Schädlingsbekämpfung nicht führen können“, ist sich
Rechtsanwalt Storr sicher: Zum einen würden in Bayern
die überwiegende Anzahl der Wildschäden nicht behördlich
erfasst (vgl. Niels Hahn, Evaluierung der Empfehlungen
zur Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände in
Bayern, S. 50 u. 51). Von behördlich nicht erfassten
Schäden könne nicht auf eine notwendige
Schädlingsbekämpfung geschlossen werden. Zum anderen sei
anhand einer jüngst im renommierten „Journal of Animal
Ecology“ veröffentlichten Langzeitstudie, die auf
zahlreiche weitere universitäre Arbeiten und
Untersuchungen Bezug nimmt, wissenschaftlich erwiesen,
dass der hohe Jagddruck hauptverantwortlich ist für die
hohe Wildschweinpopulation. Je mehr Jagd auf
Wildschweine gemacht wird, um so stärker vermehren sie
sich (Journal of Animal Ecology 2009, 78, 1278-1290).
Wissenschaft und Innovation - nur nicht bei der Jagd
„Bayern möchte überall modern, fortschrittlich und
innovativ sein. Nur bei der Jagd verschließt sich Bayern
willentlich den wissenschaftlichen Fakten“, sagt der
Biologe Kurt Eicher von der „Initiative zur Abschaffung
der Jagd“.
Rechtliche Klärung des Wildschweinproblems wird
angestrebt
Die Natur- und Tierschützer wollen das bundesweite
Massaker an Wildschweinen, welches das (angebliche)
Wildschweinproblem nur noch verschärft, nicht hinnehmen
und einer rechtlichen Klärung zuführen. Ihr Anwalt hält
die revierübergreifenden Treib- und Drückjagden nicht
von der revierbezogenen Gesetzeslage gedeckt. Auch
entspreche diese Form der Jagd nicht den anerkannten
Grundsätzen der „deutschen Weidgerechtigkeit“. „Das Tor
zu strafbewährten Verstößen gegen das Tier-,
Naturschutz- und Umweltstrafrecht sei somit durch den
Jagdfrevel geöffnet“, erklärt Rechtsanwalt Storr.
In einem öffentlichen Brief wurde der bayerische
Landwirtschaftsminister Brunner aufgefordert, die
Ausübung revierübergreifender Treib- und Drückjagden in
Bayern sofort zu untersagen. |