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Kalbsbraten und Grillen, Würzburg im Mai und der „fröhliche Protestantismus“

im Hause einer „grünen“ Theologin

Am heutigen 02. Mai 2009 wurde die Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Bundestages Katrin Göring-Eckardt an die Spitze der neuen Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als „Präses“ berufen. Sie setzte sich in Würzburg gegen den früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) durch. Von den 126 Kirchenparlamentariern stimmten 72 für Frau Göring-Eckardt, 50 für Beckstein.

Die Rheinische Post (Ausgabe Düsseldorf, Kulturteil) berichtete am diesjährigen Karsamstag (11.04.2009) über die Fastenzeit und die österlichen Freunden im Hause einer Abgeordneten: Frau Göring-Eckardt MdB. In dem Interview führte diese aus, dass sie in der vorösterlichen Fastenzeit auf Süßigkeiten, Alkohol und Fleisch – in dieser schmerzlichen Reihenfolge wörtlich so von mir zitiert - verzichte und sich nun freue, den von ihr vorbereiteten Kalbsbraten „am Ostersonntag mit der Familie zu essen“.

Auch esse sie am Abend des Ostersonntages beim dörflichen Osterfeuer (wohl in Friedrichsroda) die dort gebratenen Würstchen. Offenbar meinte die neue Synodalpräsidentin als Ausgleich zur Fastenzeit die bekannten Thüringer Grill-Spezialitäten. Darauf freue sie sich auch schon. Kein noch so kleiner Hinweis erfolgte auf die Problematik von Fleischkonsum wie Tierhaltung und Transport- und Schlachtvorgänge unter zu Ostern ethischen und Umwelt-Aspekten. Ja, nur (vermeintliche) Gaumenfreuden wurden von dieser Bundestagabgeordneten und „Theologin“ der Düsseldorfer Zeitung gegenüber ausgemalt. Jeder kann das im Archiv der Rheinischen Post nachlesen.

Die 42 Jahre alte Thüringerin wird die Synode für die Dauer von sechs Jahren leiten; als sogenannter Präses ist sie ab sofort Mitglied des Rates der EKD. Frau Göring- Eckardt ist mit einem Pfarrer verheiratet. Als Gründungsmitglied von „Demokratie jetzt“ gab sie 1989 ihr Theologiestudium auf, um in die Politik zu gehen.

In ihrer Würzburger Bewerbungsrede vor dem größten mir bekannten Kirchenparlament kündigte sie an, sie wolle innerhalb und außerhalb der Kirche auch einen – so wörtlich – „fröhlichen“ Protestantismus“ vertreten. Ja, mit dem Lustprinzip beim Kalbsbraten, auf den sie sich schon nach der Fastenzeit für Ostersonntag freute, begann sie ja schon. Lautstark werde sie - so heute in Würzburg - die „Forderung nach Bewahrung der Schöpfung“ aus der Synode nach außen (?) tragen – und das beim thüringischen Grillfest neben dem Osterfeuer? Nachdem die EKD-Synode zuvor 24 Jahre lang durch SPD-Politiker geleitet wurde, steht nun erstmals eine Politikerin der Grünen an ihrer Spitze. Na ja, wieder kein Grund zur Freude für uns Tierrechtler!

Für mich ist der heutige Tag in Würzburg ein weiteres Indiz für beschämendes Amts-Christentum, das mich an Karlheinz Deschners Ausführungen zum Fleischessen und Kirche denken lässt! Aber das wird uns ja nun neuerdings als „fröhlicher Protestantismus“ auf dem Markt der Möglichkeiten von Spiritualität verkauft!

Auch nimmt diese Abgeordnete es mit der politischen Wahrheit wohl nicht sehr ernst. Als hauptberuflich in der Sozialarbeit tätiger Dozent habe ich von niederländischen und deutschen Sozialarbeitern bisher keine Belege dafür bekommen können, dass Katrin Göring-Eckardt mit folgender TV-Talk-Show-These in der ARD/bei Anne Will am Sonntag, den 11.01.2009 recht hatte: Wegen der angeblich ausufernden „Euthanasie“ in unserm Nachbarland „fliehen“ dortige Bürger in unsere deutschen Altersheime, um sich so vor der „Sterbehilfe“ in ihrem Heimatstaat, den Niederlanden in Sicherheit zu bringen. Uns in NRW ist kein Fall einer solchen Motivation bekannt. Es konnte von mir überhaupt kein Niederländer in den einschlägigen Altersheimen gefunden werden.

Diese Abgeordnete sollte sich in ihrem von NRW doch so fernen MdB-Wahlkreisbüro Lutherstraße 5, 99084 Erfurt vor oder nach ihrem TV-Auftritt zur Sterbehilfe durch unser Düsseldorfer Sozialministerium informieren lassen. Auch dort wartet man auf Post aus Erfurt mit Namen von Heimen mit den „Hollandflüchlingen“ - bis heute.

Ärzte aus den Niederlanden haben der ARD auf die böse Behauptung von Frau Göring-Eckardt sofort mit Protest geantwortet: Sterbehilfe in den Niederlanden sei für den Patienten kein Recht und für den Arzt keine Pflicht. Die Angst dazu gezwungen zu werden, sei vollkommen außerhalb jeder niederländischen Realität, da viele rechtliche und soziale Hürden bestehen (z. B. zwei externe medizinische Gutachten, absoluter Vorrang der Sedierung bei Schmerzen i. S. einer fortschrittlichen Palliativmedizin). Dazu hat das niederländische Ministerium für Volksgesundheit auf seinen Internetseiten wichtige Hinweise gegeben, die ich als kompetente Antwort auf Frau Göring-Eckardts Angriff lese. minvws.nl (niederl.)

Wenn ich dann mit wachsendem Befremden auf der Bundestags-Homepage dieser Frau gar als Nebentätigkeit lese: Hermann Kunst-Stiftung zur Förderung der neutestamentlichenTextforschung, Münster, Mitglied des ehrenamtlichen Kuratoriums, dann weiß ich, dass hier auf uns Tierrechtler im Umgang mit den Vertretern der (amts-) christlichen Botschaft noch einige Aufklärungsarbeit wartet.

 

Prof. Dr. iur. Wolfgang Karnowsky

Politischer Arbeitskreis Tierrechte in Europa, e. V., (PAKT) Düsseldorf

12. Mai 2009