Arbeitskreis humaner

 

                    Tierschutz e.V.   (gegr.1991)

 
Startseite
Schächten
Jagd
Tierversuche
Massentierhaltung
Kirche und Tiere
Vegetarismus
Tierschutzunterricht
Weitere Themen
Links
Kontakt
Spenden
Mitgliedschaft
Impressum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zurück

Die ökologischen Auswirkungen der Intensiv-Massentierhaltung 

Edgar Guhde, Juni 2011
 

Unter Intensiv-Massentierhaltung wird die Haltung von Tieren in industriellen, weitgehend automatisierten Großbetrieben verstanden, in denen der Platz pro Tier nicht oder kaum das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß überschreitet.  Dabei werden weltweit jede Stunde rund sechs Mill. empfindungsfähige Wesen für den Fleischkonsum getötet – ohne die Fische.

Unter dem Druck der Gesetzmäßigkeiten der industriellen Güterproduktion wurde die Intensiv-Massentierhaltung  in den 60er Jahren zunächst in den USA eingeführt. (1965 Ruth Harrison, Buch „Tiermaschinen“). Sie kam dann über Großbritannien auch nach Deutschland. Es ging darum, so kostensparend wie möglich zu „produzieren“ um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es geht darum, möglichst viele Tiere (vor allem Geflügel, Schweine und Rinder) platz-, zeit- und arbeitssparend auszubeuten, mit wenig Personal in immer kürzerer Zeit und mit wenig Energieaufwand auf engem Raum in denaturierter Umgebung möglichst viele tierische Erzeugnisse hervorzubringen. Das Streben nach immer höheren Milch-, Fleisch- und Eierleistungen führte zur Technisierung und Rationalisierung der Viehhaltung ohne individuelle Betreuung des einzelnen Tieres bei Missachtung ihrer arteigenen Bedürfnisse. Die Tiere werden zur standardisierten Produktionseinheit und wie Industrieprodukte behandelt.

Hier nur zwei herausgegriffene Beispiele: Unter natürlichen Bedingungen werden Kühe bis zu 25 Jahre alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Milchkuh ist jetzt nur noch 5 Jahre. Die Milchleistung wurde in den letzten zehn Jahren von 4.800 l auf 9.000 l gesteigert, was eine enorme Belastung des Stoffwechsels bedeutet, weswegen schon geringste Fehler in Management und Fütterung zu Erkrankungen führen. 160 Tage währt das Leben eines Mastschweins. Die normale Lebenserwartung beträgt etwa 12 Jahre. 

Zahlreiche internationale Organisationen und wissenschaftliche Institutionen haben sich in den letzten Jahren vor allem mit den Auswirkungen der Viehwirtschaft und der steigenden Fleischerzeugung auf die Ökosysteme befasst, insbesondere bezüglich des Klimas: Kopernikus-Institut der Universität Utrecht, WWF Deutschland (2009), Max-Planck-Institut für terristrische Mikrobiologie (2007), der International Panel for Sustainable Resource Management des Umweltprogramms der UN, das National Centre for Epidemiology and Population Health der Universität Chicago (2007), das Institute for Food and Development Policy Oakland, der UN-Weltklimarat, American Association for the Advancement of Science, das Medical Institute der Stanford University, die National Academy of Science, Greenpeace Deutschland, Schweiz, Österreich und International (2008), Bundesämter für Umwelt und Landwirtschaft der Schweiz und andere im Folgenden genannte.

„Appell für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Positionspapier von über 100 niederländischen Professoren“, 27.04.2010. Ferner zahlreiche einzelne Autoren. Bahnbrechend bereits Jeremy Rifkin, Beyond Beef. The Rise and Fall of the Cattle Culture. New York 1992. (Dt. Das Imperium der Rinder, 1994) 

Die erste weltweit bekanntgewordene Studie ist die der Welternährungsorganisation FAO „Livestocks Long Shadow. Environmental Issues and Options“ aus dem Jahr 2006 mit ihren 400 Seiten. Die Viehwirtschaft sei mit 18 % der von Menschen verursachten CO2-Emissionen noch vor dem Verkehr der größte Emissionsfaktor. Die Treibhausgasemissionen der Viehhaltung seien um 40 % höher als der gesamte Verkehr mit seinen 14 % einschl. Flugzeug- und Schiffsverkehr. 8 % des global verfügbaren Trinkwassers würden von der Viehwirtschaft verbraucht, hauptsächlich für die Erzeugung der Futtermittel (nach anderen Studien bis zu 50 %. In den USA gehe fast die Hälfte des gesamten Wasserverbrauchs auf den Anbau von Futtergetreide zurück). Der direkte menschliche Verbrauch (Trinkwasser, Duschen, Industrie etc.) komme auf rund 1 %. 15.000 l Wasser für 1 kg Rindfleisch, die gleiche Menge Getreide benötige nur etwa 450 l. Knapp 50 % der globalen Getreideernte landeten in den Trögen der weltweit rund 20 Mrd. Nutztiere. 

Dennoch werde dies in den meisten Klimadiskussionen konsequent ignoriert. (Zusatz: Bei Interessenvertretern wie dem Deutschen Bauernverband und den Lebensmittelkonzernen fehlt das Problembewusstsein nach wie vor). Die Nutztierhaltung sei zugleich die wesentliche Ursache für Überweidung, Bodenverdichtung, Bodenerosion und Wasserverschmutzung, für den Rückgang der Artenvielfalt bei Flora und Fauna. Insgesamt gelten 15 von 24 wichtigen Ökosystemen als gefährdet, verschuldet durch die Nutztierhaltung. 

20 %  der weltweiten Weideflächen gelten als zerstört durch Überweidung, Erosion oder Verdichtung. Diese Zahl ist lt. FAO noch höher in Trockengebieten, wo ungenügendes Management zu voranschreitender Desertifikation beitrage.

Mehr als 1/4 der Landfläche werde von landwirtschaftlichen „Nutztieren“ beansprucht, 1/3 des verfügbaren landwirtschaftlich nutzbaren Landes für die Futtermittelerzeugung verwendet (so auch „Livestock in a Changing Landscape,International Report“ 2010 der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft). Nach anderen Studien wird auf etwa der Hälfte der weltweiten Ackerfläche Tierfutter angebaut und dazu oft Grünland zu Ackerland umgebrochen. Lt. Umwelt-Bundesamt 60 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.

70 % des abgeholzten Amazonas-Regenwaldes seien in Viehweiden  umgewandelt worden (nach einem Weltbank-Bericht aus 2003 bis zu 88 %) und der Großteil der restlichen 30 % für den Futtermittelanbau. 80 % der Welt-Soja-Ernte würden an das Vieh verfüttert. 

Nachfolgende Studien mehrerer Institutionen haben an der FAO-Veröffentlichung bemängelt, dass einige Daten nicht einbezogen worden seien, wie die Treibhausgas-Emissionen durch die Haltung von „Nutztieren“ nach der Regenwaldabholzung, durch Aquakulturen, die Transporte, den Bau von Massentierhaltungsanlagen, durch die zur Kühlung und Erhitzung von Fleisch notwendige Energie, durch die Herstellung von Medikamenten, die haltungsbedingte Krankheiten behandeln, schließlich die THG von Abfällen (Gülle, Knochen) und Nebenprodukten wie Leder und Federn, auch bei deren Verarbeitung.  

Das World Watch Institute („Livestock and Climate Change“, Washington 2009) errechnete, dass Herstellung und Verbrauch von Fleisch, Milch und Eiern für mindestens 51 % der weltweiten von Menschen verantworteten THG-Emissionen verantwortlich seien statt nur 18 % wie sie die FAO-Studie aussagte. (Höhere Werte berechnete auch der Weltklimarat und die Greenpeace-Studie „Amazon Cattle Footprint“ 2009). Das von den „Nutztieren“ ausgeatmete CO2 müsse in die THG-Rechnung einbezogen werden. Und der Ausstoß von einer Tonne Methan habe einen Effekt wie 23 t CO2.

Selbst wenn man weltweit auf alternative Energien umsteigen würde, alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzen und alle Autos und Flugzeuge verbieten würde, so das World Watch Institute, wäre der Effekt für das Klima kleiner als wenn man die Ernährung von tierischen auf pflanzliche Produkte umstellte.

Vor allem die Viehweiden bedeckten ca. 30-33 % der eisfreien Landfläche der Erde bei einer Nutzung durch 1,3 Mrd. Rinder (deren Gewicht zusammengenommen das der gesamten Erdbevölkerung übersteigt. Der deutsche Rinderbestand betrug 2010 12,7 Mill. Tiere). Um 1 kg tierisches Protein zu erzeugen, würden 6 kg pflanzliches Protein benötigt. 1 kg Rindfleisch verbrauchten 22-50.000 l Wasser je nach Art der Viehhaltung (die FAO-Studie gibt 15.000 l an), während für 1 kg Äpfel nur 50 l Wasser nötig seien, und zwar von der Bewässerung bis zur Verarbeitung. Für Salat 79 l.

Das Institut warnt seit Jahren vor den globalen Auswirkungen der Fleischproduktion. Der Fleischpreis müsste sich verdreifachen, wenn man die vollen ökologischen Kosten auf die Rechnung setzen würde.

Auch andere Institutionen wie das „Institut für angewandte Ökologie“ in Freiburg weisen auf die besonders verheerende Klimabilanz des Rindfleisches hin (13,3 kg CO2-Freisetzung pro 1 kg Fleisch) oder „Foodwatch“: Nach deren Studie ist die Fleischproduktion mit 71 % der gesamten agrarischen Produktionen der größte Klimasünder. In der Klimabilanz entspräche 1 kg Rindfleisch ca. 110 km Autofahrt. Nach einer japanischen Studie belastet die Herstellung von 1 kg Fleisch das Klima so stark wie 250 km Autofahrt. Ebenso das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie. 

Zu den „Klimawirkungen der Landwirtschaft in Deutschland“ schrieb das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung 2008: „Die Haltung von Milchkühen ist innerhalb der deutschen Rinderhaltung mit 57 % der Treibhausgasemissionen der bedeutendste Verursacherbereich. Rechnet man außerdem die weiblichen Rinder hinzu, die der Nachzucht von Milchkühen dienen, ergibt sich ein Anteil von zusammen 70 % der Treibhausgasemissionen der Rinderhaltung, die unmittelbar der Milcherzeugung zuzurechnen sind.“ (S. 16).

In einer Presseerklärung des Bayerischen Umweltministeriums aus 2007 heißt es, für die Erzeugung von 1 kg Rindfleisch würden 6,5 kg CO2 freigesetzt, für die gleiche Menge Obst hingegen nur ½ kg, Gemüse nur 150 g CO2.

(Lt. Statistischem Bundesamt wurde in Deutschland noch nie soviel Fleisch erzeugt wie 2010, nämlich 8 Mill. t, 302.000 mehr als im Rekordjahr 2009. Und die Bundesregierung will die  zunehmende Fleischerzeugung für den Export noch ausweiten. -  Der Pro-Kopf-Fleischverbrauch in Deutschland betrug 2010 88 kg (einschl. Geflügelfleisch). 

Allgemein ergibt sich aus den Untersuchungen, dass – je nach Region – 7-16 kg pflanzliches Futter wie Getreide oder Sojabohnen benötigt würden, um 1 kg Fleisch zu erzeugen. Dabei wird nur etwa die Hälfte der Tiere für den Verzehr verwendet. Die Masttiere fräßen 40-50 % der Welt-Getreideernte und 80-90 % der Sojabohnen. Das wäre somit die effektivste Form der Nahrungsmittelvernichtung! Mit dem Anbau von Getreide könne man auf 1 ha fünfmal mehr Eiweiß erzeugen als mit der Viehzucht, mit Hülsenfrüchten zehnmal mehr. Auf der Fläche eines Grundstücks, die benötigt wird, um 1 kg Fleisch zu erzeugen, könne man im selbem Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten. Fleisch ernährt wenige auf Kosten vieler.

Der Fleischverzehr hat sich außerdem als einer der Hauptverursacher des ökologischen Desasters erwiesen, auf das der Planet zusteuert. Umweltschutz und Fleischkonsum dieses Ausmaßes sind unvereinbar. 

Als bedeutende THG-Emission wird der Methanausstoß angesehen, weil 23x klimaschädlicher als CO2, der allerdings stark von der Art der Fütterung abhängt (z.B. Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich 2009; Max-Planck-Institut für terristrische Mikrobiologie 2007).

Methan (CH4) entsteht durch Wiederkäuen (Fermentation im Pansen), auch durch Gülle und Stallmist. 37-39 % aller landwirtschaftlichen Methanemissionen seien durch die Tierhaltung bedingt, größtenteils durch die Rinder (so auch FAO und Katalyse, Institut für angewandte Umweltforschung). Eine ernste Methanproblematik gibt es jedoch nur bei Hochleistungsfutter, vor allem bei Maissilage; bei durchgehender Weidehaltung der Rinder und strukturärmeren Futtermitteln wie Getreide und Leguminosen wäre das Methan kein großes Problem. Durch nachhaltige Beweidung wird auf Dauer Grünland erhalten und durch Bildung von Humus CO2 gebunden. Leider werden in Deutschland immer mehr Kühe vom Weideland verdrängt und mit Kraftfutter gefüttert. 

In den genannten Studien wurde verkannt, dass die ozonschädlichsten durch die Landwirtschaft verursachten Emissionen nicht vom Methan ausgehen sondern von der Stickstoff- Sauerstoffverbindung Lachgas (N2O), das durch die intensive und künstliche stickstoffhaltige Düngung und Überdüngung des Futtermittelanbaus wie Getreide, Mais und Soja entsteht sowie aus dem Stallmist. Lachgas ist 295-310x klimaschädlicher als CO2. Methan im Vergleich 23x. 65 % der Lachgasemissionen sollen aus der Viehzucht stammen (FAO).

Zu diesem Ergebnis kam auch eine Anhörung im Bundestag und eine Veröffentlichung des Umweltbundesamtes. Lachgas verweile bis zu 120 Jahre in der Atmosphäre, Methan nur bis zu 15 Jahre. Richtig wäre eine nachhaltige, auch die Lachgasemissionen eindämmende Weidehaltung statt Überweidung und Fütterung der Rinder mit den genannten Futterpflanzen.  

Weitere Auswirkungen der Viehwirtschaft: Hohe Nitratbelastung der Böden und des Grundwassers durch die Gülle (ein Rind produziert täglich 60 l Gülle), Überdüngung der Böden und Gewässer durch Stickstoff und Mist, Bodenübersäuerung. Mindestens 50 % der Wasserverschmutzung in Europa gingen auf die Intensiv-Massentierhaltung zurück; Phosphatbelastungen. Die Rückstände der als Leistungsförderer missbrauchten Antibiotika beeinträchtigen ebenfalls das Ökosystem.

Auch das Ammoniak (NH3) aus tierischen Fäkalien spiele beim sauren Regen eine verhängnisvolle Rolle: 64-68 % des weltweiten anthropogen bedingten Ammoniakausstoßes gingen zu Lasten der Viehwirtschaft (FAO).

Folgerungen 

Das Naheliegende forderten schon Pythagoras, Empedokles, Sokrates, Xenokrates, Horaz, Seneca, Plutarch, Porphyrios und andere in der Antike: fleischlose Ernährung. Vor Jahrzehnten Albert Einstein: „Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.“ Heute sind es Fachleute wie der Vorsitzende des UN-Weltklimarats Dr. Rajendra Pachauri: „Ich bin zum Vegetarier geworden. Dies, weil die Produktion eines einzigen kg Fleisch etliche kg CO2 freisetzt. ...  Wenn alle Belgier innerhalb eines Jahres an nur einem Tag in der Woche kein Fleisch verzehren würden, hätte das denselben Effekt auf den Treibhausgasausstoß wie eine Million Autos weniger auf den Straßen Belgiens für die Dauer eines Jahres.“ Oder Ralf Conrad, Direktor des Max-Planck-Instituts für terristrische Mikrobiologie: „Keine Rinder mehr essen, auf Milchprodukte verzichten.“ Der ehemalige Chefökonom der Weltbank und Klimafachmann Lord Nicholas Stern (2009): „Der einzige Weg, den Planeten zu retten, ist eine globale Bewegung hin zum Vegetariertum.“

Jeremy Rifkin schrieb bereits 1992: „Heute geht die lange Geschichte der Beziehung zwischen Mensch und Rind ihrer dritten Stufe entgegen. Indem wir uns bewusst dafür entscheiden, das Fleisch des Rindes nicht mehr zu essen, bekunden wir unseren Willen, mit dieser Kreatur ein neues Bündnis einzugehen, das über das Diktat des Marktwertes und des übertriebenen Konsums hinausgeht. Das Rind von den Qualen und der Erniedrigung zu erlösen, denen es in den modernen Mastfabriken und Schlachtbetrieben ausgesetzt ist, wäre als menschlicher Akt von weitreichender symbolischer und praktischer Bedeutung zu begreifen, und es wäre ein Symbol der Reue und Wiedergutmachung, wenn wir darauf verzichten, das Rind zu enthornen, zu kastrieren, mit Hormonen und Ötrusblockern, Antibiotika und Insektiziden zu behandeln und ihm einen würdelosen Tod an den vollautomatisierten Schlachtbändern zu bereiten. Es wäre dies alles ein Zeichen der Erkenntnis der Zerstörung, die wir der gesamten Schöpfung auf unserer Jagd nach der uneingeschränkten Macht über die Natur zugefügt haben. Die Überwindung der jetzigen sogenannten Rinderkultur ist gleichbedeutend mit dem Wandel unserer Vorstellung vom angemessenen Umgang mit der Natur. ...  Die Verminderung des Rinderbestandes auf eine ökologisch vertretbare Zahl wird eine Gesundung und Erneuerung der Natur auf allen Kontinenten fördern.“ (Rifkin, S. 252 f.)

Und die Organisation „Welthungerhilfe“ stellte schon vor Jahren fest: „Auch die Menschen in den Industrieländern können ihren Beitrag leisten. Wenn sie weniger Fleisch essen, muss weniger Getreide verfüttert werden.“ („Welternährung“, 1/1996). „Damit die Weltgetreideernte in Zukunft für alle reichen kann, werden die reichen Nationen ihren Fleischkonsum reduzieren müssen. Futtermittel für Masthühner, Zuchtfische, Industrieschweine und Intensivhaltungsrinder sind ein (EU-subventionierter) Luxus, den sich nicht mehr als 15 % der Weltbevölkerung leisten können.“ („Welternährung“, 1/1997)

Als der frühere Präsident Bill Clinton vor ca. 13 Jahren seinen Mitbürgern erklärte, dass 60 Millionen Menschen weniger hungern müssten, wenn die US-Amerikaner nur 10 % weniger Fleisch essen würden, wollte noch niemand diesen Zusammenhang verstehen.

2004 veröffentlichte das World Watch Institute einen Artikel: „Meat – Now, it’s not personal! But like it or not, meat-eating is becoming a problem for everyone on the planet.“

Nach der Foodwatch-Studie „Klimaretter Bio?“ (2009) spart eine vegetarische Ernährung 50-60 % aller Treibhausgasemissionen aus der Agrarwirtschaft, eine vegane 87 %. 

Unterstellt man die Abschaffung der Intensiv-Massentierhaltung und eine wesentliche Verbreitung des Vegetarismus in überschaubarer Zeit als irreal, so ist die Transformation zu einer sozial-ökologischen Landwirtschaft durchaus nicht nur ein notwendiges sondern auch realistisches Ziel. Konzepte dazu liegen seit Jahrzehnten vor.

Die aktuellen Zahlen für europäische Fleischexporte 2010 brechen alle Rekorde. Allein die Geflügelexporte stiegen um 25 % auf 1,3 Mill. t. Deutschlands Fleischexporte in Drittstaaten stiegen zwischen 8 % bei Geflügel und 17 % bei Schweinefleisch. Dahinter verbirgt sich auch die massenhafte und verantwortungslose Ausfuhr von Fleischresten nach Afrika.

Diese offensive Exportstrategie für lebende Tiere und tierische Nahrungsmittel ist zu unterbinden, stattdessen sind regionale Wirtschaftskreisläufe und die Förderung des extensiven ökologischen Landbaus zu forcieren. Einheimisches, möglichst betriebseigenes Futter verwenden, Förderung der Weide- und Freilandhaltungen. Verzicht auf synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel, zumindest deren Verminderung, geringerer Tierbesatz, keine weiteren Agrarfabriken, keine langen Tiertransporte. Verlängerung der Nutzungsdauer des Milchviehs. EU-weite Förderung mittelständischer bäuerlicher Strukturen. 

Bezogen auf unser Thema des Klimawandels und der anderen ökologischen Kosten ergibt sich aus dem Ausgeführten die Verminderung der „Nutztier“haltungen und der Fleischerzeugung. „Von allen Problemen der Welt ist die drastische Reduzierung der Fleischproduktion das Wichtigste und Dringendste“ (Prof. Patrick Brown, Stanford University, 2009. Ebenso das Howard Hughes Medical Institute und die National Academy of Science. Weniger Tierbestand desto weniger Emissionen (Bundesamt Landwirtschaft der Schweiz).

Durch weniger intensive Tierhaltung und nachhaltige Futtermittel ließen sich rund 65 % der in der Landwirtschaft klimawirksamen Treibhausgase einsparen. Durch den Abbau der Überschussproduktion bei Fleisch und Milch und den Einsatz von heimischem Futter statt Soja aus Übersee könnte die Klimabilanz der Tierhaltung deutlich verbessert werden. Weniger Fleisch zu erzeugen, hülfe dem Klima mehr als alles andere.

Instrumente wären entsprechende ökologische Steuern: Eine Fleischsteuer als Teil einer ökologischen Steuerreform, damit diese Kosten im Verbraucherpreis ihren Ausdruck finden. (Laut World Watch Institute müsste dann ein Rindfleisch-Hamburger das dreifache kosten). Naheliegend ist eine Mehrwertsteuer für Fleisch, Milch und Eier in Höhe von 19 % (wie Alkohol und Zigaretten) statt der 7 %. Pro Jahr sollen dadurch in Deutschland 23 Mrd. € für den Staat zustandekommen.

PAKT e.V. hatte bereits 2000 eine Fleischbesteuerung gefordert. Diese könne auch für den Fall als Steuerungsinstrument eingesetzt werden, dass eine kostenneutrale Neuorientierung der Agrarsubventionen nicht möglich sein sollte. Bedenkt man das Emissionsvolumen einer industrialisierten Intensivtierhaltung, müsse eine solche Fleischsteuer als Bestandteil einer ökologischen Steuerreform ohnehin als  obligatorisch betrachtet werden. Im Unterschied zur ökologischen Mineralölbesteuerung sollte sie jedoch budgetbezogen zur Reformierung bzw. Förderung einer extensiven Landwirtschaft verwendet werden. (PAKT, „Agrarpolitische Leitlinien“).

Die Tierrechtsorganisation PETA hatte am 20.12.2007 einen Fleischsteuer-Gesetzentwurf für den Bundestag veröffentlicht. Die FAO empfiehlt die Besteuerung der Fleischerzeugung in ihrem Jahresbericht vom 18. 02. 2010. Auch WWF Deutschland und Schweiz forderten eine Fleischsteuer.

Neuerdings wird Dänemark ab 01.10.2011 eine gegen die gesättigten Fettsäuren gerichtete „Fettsteuer“ einführen. Auch beim Fleisch sollen die Preise je nach Fettgehalt um 3-6 % steigen, die Sechserpackung Eier soll um 20 Cent teurer werden.

Also höhere Steuern auf tierische Erzeugnisse und Futtergetreide (vor allem Kraftfutter), dagegen steuerliche Begünstigung von Gemüse und Obst. Solche Steuern dienten der Verwirklichung des Artikels 20 a Grundgesetz: Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Tiere.

Eine Emissionssteuer für Lachgas, um diese Emissionen zu reduzieren, müsste sich anschließen. So z.B. gefordert im WWF-„Positionspapier klimaschädliche Landwirtschaft“, 2009. Greenpeace Deutschland und Österreich fordern Klima-Abgaben auf künstliche Dünger und Pestizide. Einführung einer Stickstoffabgabe auf einzelbetrieblicher Ebene.

Denn Aufklärung allein genügt nicht. Die Gier nach Fleisch benebelt den Verstand. Die Leute glauben, ohne Fleisch gehe ihnen etwas ab. 

Außerdem ist ein Werbeverbot für die tierischen Erzeugnisse durchzusetzen. 

Auf längere Sicht ist das Projekt des Fleisches aus Zellkulturen (Retortenfleisch, künstliches Fleisch, Laborfleisch, In-Vitro-Fleisch, kultiviertes Fleisch)  von Interesse. Aus Stammzellen sollen in Bioreaktoren Muskelzellen heranwachsen, aus denen Fleisch im Wesentlichen besteht. Dafür müssen die Forscher die Zellen dazu bringen, sich enorm zu vermehren. (Mit Gentechnik hat dieser Vorgang nichts zu tun, da keine Eingriffe in die DNA erfolgen). Bereits 1999 wurde ein weltweites Patent für die künstliche Fleischherstellung ausgestellt, und im April 2008 fand in Norwegen ein „Internationales In-Vitro-Fleisch-Symposium“ statt („When meat is not murder“), unterstützt von der US-Organisation New Harvest. Koordinierte Forschungen finden – von der niederländischen Regierung unterstützt - an den Universitäten Eindhoven, Utrecht und Amsterdam statt, ferner an der Medical University of South Carolina in Charleston, der University of Maryland, dem Touro College New York (NASA-Projekt) sowie in Australien. Das Projekt wird finanziell von PETA unterstützt, die auch ein Preisgeld von 1 Mill. Dollar auf ein marktfähiges Produkt ausgesetzt hat. Man hofft, dass es frühestens um 2020 so weit sein wird. 

 

 

 

Intensiv-Massentierhaltung.

Auswirkungen auf die Tiere, die Umwelt und die Welternährung

Edgar Guhde, Dez. 2007

Unter dem Druck der Gesetzmäßigkeiten der industriellen Güterproduktion wurde die Intensiv-Massentierhaltung  in den 60er Jahren zunächst in den USA eingeführt. (1965 Ruth Harrison, Buch „Tiermaschinen“). Sie kam dann über Großbritannien auch nach Deutschland. Es ging darum, so kostensparend wie möglich zu „produzieren“ um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es geht darum, möglichst viele Tiere (vor allem Geflügel, Schweine und Rinder) platz-, zeit- und arbeitssparend auszubeuten, mit wenig Personal in immer kürzerer Zeit und mit wenig Energieaufwand auf engem Raum in denaturierter Umgebung möglichst viele tierische Erzeugnisse hervorzubringen. Das Streben nach immer höheren Milch-, Fleisch- und Eierleistungen führte zur Technisierung und Rationalisierung  der Viehhaltung ohne individuelle Betreuung des einzelnen Tieres bei Vernachlässigung ihrer arteigenen Bedürfnisse. Die Tiere werden zur standardisierten Produktionseinheit und wie Industrieprodukte behandelt.

Der Lebensraum ist auf ein Minimum beschränkt, das Leben auf bloße Nah- rungsaufnahme, Verdauung und Wachstum reduziert. Für die oft hochentwickelten Sinne kein normaler Wechsel im Tages- und Jahreszeitenrhytmus, keine Nahrungs- suche. Es gibt nichts zu erkunden und zu erleben.

 Die Anpassungsfähigkeit der Tiere an die industriellen Produktionsbedingungen wird überfordert. Die Ausrichtung der Zucht auf maximale Produktionssteigerung bedeutet z.B. beim Geflügel: Übermäßiger Muskelzuwachs, Schnellwüchsigkeit, körperliche Schäden und extreme Leiden wie Gelenkprobleme, Knochendeformationen, Herz/Kreislauf-Beschwerden, Atembeschwerden, Blutarmut und Kannibalismus. Gewalt  an den Tieren wurde zur gängigen Praxis: Schnabelkürzen, Kupieren der Schwänze bei den Schweinen und Schafen,  Enthornen der Rinder ohne Betäubung – millionenfache Tierquälerei, um die Tiere an die tierfeindlichen Haltungssysteme anzupassen; äußerst schmerzhafte Kastrationen bei 20 Mill. Ferkeln jährlich, nur um den Ebergeruch zu verhindern.

„Diese Tierfabriken lassen ein Herabsinken der Humanität erkennen: in der Rücksichtslosigkeit gegenüber den uns anvertrauten Tieren und in der Zerstörung von Natur und Umwelt aus der Gewinnsucht einzelner. Dass dies von der Gesellschaft als ‚unternehmerisches Verhalten’ hingenommen wird, zählt zu den moralischen Abstumpfungen unserer Zeit.“ (Hermann Priebe, Die subventionierte Unvernunft, S. 16) 

§ 2 des Tierschutzgesetzes schreibt vor:

„Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1.  muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,

2.  darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,

3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.“

 Dem zuwiderhandelnd werden unter tierfeindlichen Bedingungen Jahr um Jahr Hunderten Millionen Tieren maximale Leistungen abgepresst. Das heißt: Der Rechtsstaat ist in Bezug auf die Tiere außer Kraft gesetzt.

 In seinem Werk „Das Imperium der Rinder“ schreibt der Wissenschaftspublizist Jeremy Rifkin:

„Das Rind von den Qualen und der Erniedrigung zu erlösen, denen es in den modernen Mastfabriken und Schlachtbetrieben ausgesetzt ist, wäre als menschlicher Akt von weitreichender symbolischer und praktischer Bedeutung zu begreifen, und es wäre ein Symbol der Reue und Wiedergutmachung, wenn wir darauf verzichteten, das Rind zu enthornen, zu kastrieren, mit Hormonen und Östrusblockern, Antibiotika und Insektiziden zu behandeln und ihm einen würdelosen Tod an den vollautomatisierten Schlachtbändern zu bereiten. Es wäre dies alles ein Zeichen der Erkenntnis der Zerstörung, die wir der gesamten Schöpfung auf unserer Jagd nach der uneingeschränkten Macht über die Natur zugefügt haben.“ (S. 252)

Websites:

www.provieh.de

www.tierschutz-landwirtschaft.de

www.masthuehner.de

www.tierschutzbilder.de

www.vegetarismus.ch/info/oeko.htm

 

Was bedeuten die Intensiv-Tierhaltungen für die einzelnen Tierarten?  (Auswahl)

Masthühner: Die ausschließlich wegen  ihres Fleisches gehaltenen Masthühner sind mit jährlich etwa fünf Milliarden in der EU geschlachteten Tieren die größte Gruppe der landwirtschaftlichen „Nutztiere“. (480 Mill. in Deutschland). Die Zucht auf hohe und schnelle Mastleistung und den unphysiologisch großen Brustmuskel hat zu einer Verlagerung des Körperschwerpunktes geführt mit der Folge, dass auf den Beinen und Hüften der Tiere erheblicher Druck und Spannung lasten. Auch Herz und Lunge können mit dem unnatürlich beschleunigten Wachstum nicht mithalten. 30 % der Masthühner humpeln, lahmen oder können sich aufgrund der Schmerzen nicht mehr fortbewegen. Häufige Kreislauferkrankungen, Leibeshöhlenwassersucht. Die Mortalität dieser Hochleistungshühner ist viermal so hoch wie die der langsam wachsenden Masthühner. Dazu kommt die tierquälerische Haltung in strukturlosen Hallen zum Teil ohne Tageslicht – etwa 22 Tiere gegen Ende der Mast auf einem qm zusammengepfercht mit der Folge weiterer schmerzhafter Erkrankungen.

Nachdem es bisher gar keine rechtlichen Haltungsvorschriften gab, beschloss der Agrar-Ministerrat der EU im Mai 2007 eine bis 2010 umzusetzende Richtlinie. Danach können bis zu 30 Masthühner auf einem qm Stallfläche zusammengepfercht werden, bei einem Maximum von 42 kg/qm. Die Tierschutzorganisationen hatten eine Besatzdichte von höchstens 15 Tieren pro qm gefordert, entsprechend dem Votum der Veterinärexperten des Fachausschusses der EU-Kommission. Mit dieser Richtlinie werden wissenschaftliche Erkenntnisse missachtet und viel zu hohe, tierschutz- widrige Besatzdichten festgeschrieben.

  Mastenten: Im Unterschied zur Hennen-Käfighaltung ist der Öffentlichkeit kaum bekannt, wie vergleichbar Enten (die Pekingente und die Moschusente, sog. „Flugente“, sowie Hybriden beider Arten) gehalten werden. Nicht weniger als 18 Millionen Enten werden in Deutschland in strukturlosen Ställen auf perforierten Böden zusammen- gepfercht meist zu Tausenden gehalten, ohne Tageslicht, Beschäftigungsmöglichkeiten, Auslauf oder Badegelegenheit. Das artgemäße Seihen, Gründeln und Tauchen wird völlig verhindert. Den Moschusenten werden ohne Betäubung die hochsensiblen Oberschnäbel amputiert, ebenso die Krallen an den Paddeln. Die Drahtgitterböden sind durch die Exkremente verdreckt und glitschig. Die in den oft dunklen Masthallen sich drängelnden Tiere, darunter sterbende, treten auf verwesen- de tote Artgenossen herum. Eine HaltungsVO gibt es nicht. Hinzu kommen tier- schutzwidrige Transporte der Küken zu den Mastbetrieben und der zu schlachtenden Tiere  zu den Schlachthöfen.

 Puten: Etwa 7,5 Mill. vegetieren jeweils zu Tausenden in deutschen Mastanlagen, d.h. in strukturlosen Ställen. Insbesondere die einseitige Zucht auf Brustmuskulatur führt zu tierschutzwidrigen Zuständen. Die Tiere sind dann zu schwer, und durch das häufige Liegen kommt es oft zu Brustblasen, die sich in feuchter Einstreu entzünden. Im Endstadium können die Knochen die Fleischmasse nicht mehr tragen, das Skelett verkrümmt sich; viele Tiere können dann nicht mehr laufen. Atemwegserkrankungen, Beinschwächen und Nierenblutungen gehören zum Alltag der Mastputen. Dazu kommt ein u.a. durch die hohe Besatzdichte ausgelöstes aggressives Verhalten. Etwa 10 % der Tiere überstehen die Strapazen nicht und sterben vorzeitig, wobei die Kadaver oft tagelang nicht herausgenommen werden.

Die Bundesregierung hat noch immer keine HaltungsVO erlassen, keinerlei detaillierte Anforderungen an die Putenmast. Artgerechte Haltung mit Beschäftigungsmöglichkeiten im Stall, Verringerung der Besatzdichte, Verbesserung der Belüftung, Verwendung ausschließlich trockener Einstreu, Auslauf im Freien und Verbot des Schnabelkürzens wären darin zu gewährleisten. Angesichts von 7,5 Mill. Puten, die auf unerträgliche Weise chronisch krank dahinvegetieren müssen, ist jede weitere Verzögerung unentschuldbar und ein weiterer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

 Schweinehaltung: Meistens Einzelhaltung der Zucht- und Muttersauen mit Saugferkeln in Kastenständen. Verletzungen im Bein-, Rücken- und Schulterbereich, bedingt durch das Liegen und Stehen auf dem harten, z.T. durchbrochenen Boden.

Mastschweine: Häufige Verletzungen der Sprung-, Karpal- und Schultergelenke wegen der einstreulosen Spaltenböden. Liegeschwielen und Gelenkverdickungen, Klauenverletzungen und Lahmheiten. Tierärztliche Kontrollen bei der Schweineschlachtung haben  ergeben, dass mehr als die Hälfte der  26 Mill. Tiere krankheits- bedingte Schädigungen haben, z.B. deformierte Gliedmaßen und Magengeschwüre sowie Lungenschäden wegen der schlechten Belüftung der Ställe. 57 % wiesen pathologische Veränderungen der Leber auf. Nach Prof.Dr. K. Bickhardt, Tierärztliche Hochschule Hannover, sterben in Deutschland jährlich etwa 1 Mill. Schweine auf qualvolle Weise an den Folgen von Belastungsmyopathie (entzündlichen, degenerativen Muskelerkrankungen).

Die nach jahrzehntelanger Verzögerung im April 2006 beschlossene neue SchweinehaltungsVO auf der Grundlage der Mindestanforderungen der EU-Richtlinie enthält einige, jedoch nicht hinreichende Verbesserungen. So sind Spaltenböden weiterhin die Regel, kaum  Beschäftigungsmöglichkeiten, zu wenig Platz, zu lange Übergangsfristen. Notwendig: Änderung des Tierschutzgesetzes hinsichtlich der betäubungslosen Kastrationen von Ferkeln, der Schwanzamputationen und des Kürzens der Eckzähne. 

 Nerze: In Deutschland gibt es etwa 30 Nerz“farmen“, eine Fuchshaltung  sowie eine unbekannte Zahl von Chinchilla-Zuchten. In diesen Anlagen werden jährlich etwa 300.000 Tiere gehalten und umgebracht. Massive Verhaltensstörungen und auch Selbstverstümmelungen der Tiere sind die Folge der extrem tierschutzwidrigen Unterbringungen.

Mit 15jähriger Verzögerung nach ersten Forderungen der Länder beschloss der Bundesrat am 3. November 2006 erstmals eine Verordnung mit Haltungsvorgaben, ohne die Haltung als solche in Frage zu stellen, obwohl für die Erzeugung eines Luxusartikels kein „vernünftiger Grund“ (Tierschutzgesetz) vorliegt, der völlig artwidriges Einsperren und Töten von Wildtieren wie Nerzen und Füchsen rechtfertigen könnte, und obwohl die Mehrheit der Bevölkerung die Pelztierhaltung ablehnt. Nach einer zehnjährigen Übergangsfrist stehen einem Fuchs drei qm, einem Nerz und einem Iltis je ein qm Grundfläche zu. Nerze und Iltisse müssen ein Wasserbecken erhalten. Drahtgitterböden  bleiben erlaubt, Forderungen, den Tieren Naturboden, größere Käfige und tiergerechte Fütterung zu gewähren sowie die Übergangsfristen für bestehende Betriebe von zehn auf ein Jahr zu verkürzen, wurden verworfen. In zehn Jahren müssen die Käfige mit Plattformen, Klettervorrichtungen oder Arealen zum Graben ausgestattet sein.

Einige Länder wie Großbritannien und Italien haben die Pelztierhaltung bereits verboten, andere wie Österreich und die Schweiz haben so hohe Auflagen verordnet, dass die Haltungen wegen Unwirtschaftlichkeit aufgegeben wurden. Bei vorhandenem Willen wäre das auch in Deutschland möglich. Züchten und Töten von Pelztieren sind gesetzlich zu verbieten! Darüber hinaus ist die Bundesregierung zu drängen, sich auch auf EU-Ebene dafür einzusetzen.

 Mastkaninchen:  In ca. 450 Nebenerwerbs-Mastbetrieben vegetieren  allein in Deutschland jährlich etwa 21 Millionen dieser Tiere in Drahtkäfigen mit Draht- oder Kunststoffböden. Durch die enge Haltung leiden sie an Wirbelsäulenerkrankungen und Geschwüren an den Pfoten, an Magen-Darm-Erkrankungen wegen der einseitigen Ernährung mit Fertigfutter-Pellets. Die Weibchen werden durch künstliche Besamung gezwungen, alle 4-6 Wochen Junge zu gebären – eine enorme Belastung, die oft zum Tode führt. Sterberate lt. Bundestierärztekammer bis zu 50 %. Alle Regierungen der vergangenen Jahrzehnte haben dieses Verbrechen an den Kaninchen geduldet und somit gefördert. Zu den Haltungsbedingungen gibt es weder  auf EU-Ebene noch auf nationaler Ebene spezielle Rechtsvorschriften. Die Tiere vegetieren in einem rechts- freien Raum.  Weder in der EU noch in Deutschland ist die Einführung einer Registrierung der  landwirtschaftlichen Kaninchenhaltungen geplant. 

Weltweite Dimension:

Um das Ausmaß der weltweiten Tiertötungen zu verdeutlichen, ist es wichtig, sich die grundlegenden Zahlen vor Augen zu führen:

Weltweit werden etwa 45 Milliarden Tiere pro Jahr für den menschlichen Verzehr als Schlachtvieh umgebracht (Fische und sonstige Kleintiere nicht eingerechnet).

 Davon entfallen allein auf Deutschland ca. 510 Millionen „Nutztiere“. Hinzu kommen die Millionen Tiere in den Heimtierhaltungen, die „Pelztiere“ und „Versuchstiere“ sowie die ca. 5,5 Millionen Wildtiere, die Opfer der Jagd in Deutschland werden. 

Ökologische Auswirkungen der Intensiv-Tierhaltungen

Zu den schwerwiegenden Belastungen des globalen Naturhaushalts gehören Boden-, Gewässer- und Luftverschmutzungen, vor allem durch den hohen Gülleanfall mit den entsprechenden Nitratüberschüssen. (Ein Rind produziert täglich 60 l Gülle). Die industrielle „Nutztier“-Haltung produziert mehr klimawirksame Gase als das gesamte Transportwesen zu Lande. Sie verursacht 18 % der klimaschädlichen Gase, Fischerei und Tiertransporte nicht eingerechnet. Die 18 % sind mehr als die 12-15% der klimaschädlichen Gase aus dem Verkehr.

  Auf der Fläche eines Grundstücks, die benötigt wird, um ein kg Fleisch zu erzeugen, könnte man im selben Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten.

Etwa 30 % der Landfläche der Erde wird für Viehweiden benutzt.

Seit 1960 wurden fast 30 % der südamerikanischen Wälder abgeholzt, um Weideflächen Platz zu machen. Waldrodung, Landkonzentration und Vertreibung der ländlichen Bevölkerung haben das Ziel, die Festlandmasse eines halben Kontinents zur Weidefläche zu machen, um die fleischreiche Kost der wohlhabenden Europäer und Nordamerikaner zu sichern. Das durch das Abbrennen der Wälder freigesetzte CO2 bewirkt den Treibhauseffekt mit, ferner  das noch schädlichere Methangas ( 23x schädlicher als CO2 ) ebenfalls bedingt durch das Abbrennen von Tropenwäldern, Grasflächen und Stoppelfelder sowie durch den Verdauungsvorgang der Rinder. Der Anteil der Rinder am weltweiten Methanausstoß wird mit 12 % angegeben. (Jahresberichte des WorldWatch Institute, denen auch die anderen Angaben entstammen).

Innerhalb von acht Jahren schließen die Viehbetriebe, weil die Böden durch Überweidung und Erosion ausgelaugt sind mit der Folge weiterer Waldzerstörungen mit dem damit verbundenen Rückgang der Tier- und Pflanzenarten.

Hinzu kommt der hohe Wasserverbrauch: In den USA geht fast die Hälfte des gesamten Wasserverbrauchs auf den Anbau von Futtergetreide zurück. Auf 1 kg Rindfleisch aus einem Mastbetrieb kommen 2.000 l Wasser für die Bewässerung der nötigen Getreidemenge. Die Erzeugung eines kg Getreide erfordert einen Bruchteil der Wassermenge, die für 1 kg Rindfleisch aufzubringen ist.

Gleich mehrere Forschungsinstitute kamen zu dem Ergebnis, dass 40 % der klimarelevanten Emissionen, die in der Viehwirtschaft entstehen, durch Verzicht auf die Fleisch- und Futtermittelproduktion eingespart werden könnten. Es sei möglich und notwendig, den Anteil der Intensivtierhaltungen an den Treibhausgasen durch eine drastische Reduzierung der Viehbestände  um die Hälfte zu vermindern.

Doch die ökologischen Kosten (wie Verbrennung fossiler Brennstoffe, Absenkungen des Grundwassers, chemische Verseuchung der Böden, Erzeugung von Ammoniak und Methangas, Kosten für das Gesundheitswesen) fließen nicht in die Fleisch-Verbraucherpreise ein. Nach Angaben des WorldWatchInstitute müsste dann ein Rindfleisch-Hamburger mindestens 220 Dollar kosten.

 In seinem Buch „Das Imperium der Rinder“ über Aufstieg und Fall der Viehzuchtkultur gibt Jeremy Rifkin einen eindrucksvollen Überblick und eine Bilanz der rücksichtslosen Angriffe auf die Ökosysteme der Erde durch die Viehzucht und deren Landverbrauch für Viehfutter. Er nennt die Viehzucht „eine der am meisten umweltzerstörenden Bedrohungen der modernen Zeit.“

  „Eine Zeitlang glaubten wir in Deutschland, das Umweltproblem der Rinderhaltung sei bloß ein Gülleproblem. Weit gefehlt. Wenn wir die Waldrodung für Weideflächen und Futtermittel einbeziehen, ist der Beitrag der Rinderhaltung zum Treibhauseffekt ähnlich groß wie der des gesamten Autoverkehrs. Die Verwandlung von Savannen in Wüsten, die Erosion in Berggebieten, der übermäßige Wasserbedarf der Rinder, der gigantische Energiebedarf der Mastviehhaltung sind einige weitere Gründe dafür, dass wir mit jedem Pfund Rindfleisch der Umwelt schwer zusetzen.“ (Aus dem Vorwort von Ernst U. von Weizsäcker)

 Hierzu ferner: Josef H. Reichholf, Der Tanz um das goldene Kalb. Der Ökokolonialismus Europas. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2004, 217 S.  

Auswirkungen der Intensiv-Tierhaltungen auf die Welternährung 

Der  Zusammenhang mit dem Hunger in der Welt ergibt sich bereits daraus, dass ca. 65 % der gesamten Anbaufläche für die Viehhaltung und die Futterproduktion verwendet werden.

  Allein 1,4 Milliarden Rinder bevölkern heute die Erde. Sie grasen auf 25 % der gesamten Landmasse des Planeten, und die Getreidemenge, die sie zusätzlich verbrauchen, würde reichen, um einige hundert Millionen Menschen zu ernähren.

Für die Erzeugung von 1 kg Fleisch müssen – je nach Tierart – 7-11 kg Getreide und andere Pflanzen aufgewendet werden. Mehr als 1/3 der gesamten Getreideernte wird an die Rinder und anderes Vieh verfüttert. Da die Weltbevölkerung und auch ihr Verlangen nach Fleisch weiter zunimmt, ist eine noch größere weltweite Ernährungskrise vorprogrammiert.

64 % der Futtermittelimporte der EU stammen aus den Entwicklungsländern. Die EU holt rund eine halbe Mill. t Futtermittel allein aus Westafrika, um ihre Überschussrinder zu füttern. Für die Gewinnung einer einzigen tierlichen Kalorie werden rund zehn pflanzliche benötigt.  Die Importe der Getreideberge und Sojabohnen, die Millionen von Rindern, Schweinen, Puten vorgeworfen werden, entziehen den armen Ländern eine Lebensgrundlage – das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen.

  Außerdem werden den Ländern der 3. Welt wichtige Rohstoffe entzogen, indem man sie mit finanziellen Anreizen dazu verleitet, ihre Agrarflächen für die Produktion von Futtermitteln für die Viehwirtschaft der Industriestaaten stat für die Deckung des Nahrungsbedarfs der einheimischen Bevölkerung zu nutzen.

In den USA werden mehr als 70 % der Getreideernte als Viehfutter verwendet.

Angesichts der wachsenden Bevölkerung und der ebenso fortschreitenden Bodenerosion und Wüstenbildung kann der Fleischkonsum nur ein Verbrechen genannt werden. Ohne den exzessiven Verbrauch an tierischem Eiweis, könnte man mit den noch vorhandenen Flächen die mehrfache Zahl an Menschen ernähren, und zwar gesünder und umweltschonender und ohne die Tierschinderei. Umweltschutz, Menschenrechte und Tierschutz gehören zusammen.

Daher meinte die Organisation „Welthungerhilfe“: „Auch die Menschen in den Industrieländern können ihren Beitrag leisten. Wenn sie weniger Fleisch essen, muss weniger Getreide verfüttert werden.“ („Welternährung“, 1/1996). „Damit die Weltgetreideernte in Zukunft für alle reichen kann, werden die reichen Nationen ihren Fleischkonsum reduzieren müssen. Futtermittel für Masthühner, Zuchtfische, Industrieschweine und Intensivhaltungsrinder sind ein (EU-subventionierter) Luxus, den sich nicht mehr als 15 % der Weltbevölkerung leisten können.“ („Welternährung“, 1/1997)

  

Die Subventions-Problematik

Die jährlichen 45 Milliarden Euro Agrar-Subventionen der EU  sind seit Jahr- zehnten umstritten und in einer Legitimationskrise. Denn fast die Hälfte der Ausgaben der EU geht in die Landwirtschaft, ohne dass klar ist, wohin die Gelder konkret fließen und wie sie wirken. Das trifft insbesondere für Deutschland zu. Welcher Landwirt wie viele Subventionen wofür erhält, ist nicht bekannt. („Förderdschungel“)

Hauptempfänger sind multinationale Konzerne, weltmarktfähige rationalisierte Großbetriebe. 77 % der Betriebe erhalten an Direktzahlungen weniger als 5.000 Euro im Jahr.

Ca. 18 % der gesamten EU-Agrarbeihilfen gehen in die Subventionierung der sog. Rindfleischerzeuger, Direktzahlungen, um ihre teuren Produkte auf dem Weltmarkt billig anbieten zu können.

Immerhin hat die EU-Kommission insofern einige Missstände beseitigt, als Schlachtviehexporte nicht mehr gefördert werden; allerdings wird weiterhin der Export von Zuchtrindern subventioniert (und damit indirekt der Stierkampf unterstützt). Große Agrarunternehmen bekommen künftig deutlich weniger Unterstützung als kleine Betriebe. Produktbezogene Direktzahlungen an die Bauern werden ab 2008 um jährlich 2 % gekürzt. Die Einsparungen sollen für Landschaftspflege und Umweltschutz verwendet werden.  Geplant ist auch die Förderung von Landwirten, die freiwillig Tierschutzverpflichtungen eingehen, die über die  vorgeschriebenen Vorschriften zur Tierhaltung hinausgehen. Doch sind diese Maßnahmen nicht genauer definiert.

Subventionen sind also verstärkt als Lenkungsinstrumente zugunsten einer mehr ökologischen Landwirtschaft einzusetzen (Ökozuschläge; auch Fleischsteuer).

36 Organisationen aus den Bereichen Entwicklung, Umwelt, Verbraucherschutz, Tierschutz, bäuerliche Landwirtschaft und Demokratie & Transparenz haben sich zur „Initiative für Transparenz bei EU-Agrarsubventionen“ zusammengeschlossen.

Schlussbemerkung

In den letzten Jahren der Regierungskoalition hat sich die Situation für die Tiere in Deutschland nicht signifikant verändert. Stellenweise sind einige Verbesserungen im Detail  zu verzeichnen, insgesamt aber herrscht Stagnation vor; die Zahl der gequälten Tiere, vor allem bei den Tierversuchen, ist sogar weiter angestiegen.

Tierschutz hat nur eine Chance, wenn dabei keine wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigt werden. Und die Politiker fragen auch in diesem Bereich zunächst danach, inwieweit ihr Engagement Stimmen bringt und die Karriere fördert – was beim Tierschutz mit am wenigsten der Fall ist.

„Fortschritte sind in Bezug auf die Härte des Leidens und die immense Zahl der betroffenen Tiere unzureichend. Mechanismen wie fest verwurzelte Traditionen, Gleichgültigkeit der meisten, politische Manöver und ökonomische Zwänge sowie der sehr zögerliche ethische Wandel im Mensch-Tier-Verhältnis behindern die Verbreitung von Haltungsverbesserungen. Im ‚Nutztier’bereich werden Tierschutz aspekte stets gegen Aspekte der Preispolitik, Lebensmittelsicherheit, Produktqualität sowie Ansprüche der Bevölkerung abgewogen. Die Wirtschaft ist der Faktor, der den Fortschritt in der ‚Nutztier´haltung am stärksten behindert, da Haltungsverbesserungen oft die Produktionskosten erhöhen. Im Laborbetrieb kommt zu höheren Kosten der Widerstand gegen hygienische und experimentelle Veränderungen.

Weitere Probleme sind der mangelnde Informationsfluss zwischen Forschenden, Industrie, Politikern und der Öffentlichkeit sowie widersprüchliche Forschungsergebnisse aufgrund großer qualitativer Unterschiede bezüglich Material  und Methoden.

Fortschritte im Tierschutz ergeben sich meist dann, wenn die Veränderungen wirtschaftliche Vorteile bringen.“ (Pia Baumann, Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung)