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Intensiv-Massentierhaltung.
Auswirkungen auf die Tiere,
die Umwelt und die Welternährung
Edgar
Guhde, Dez. 2007
Unter dem Druck der
Gesetzmäßigkeiten der industriellen Güterproduktion wurde die
Intensiv-Massentierhaltung in den 60er Jahren zunächst in den USA
eingeführt. (1965 Ruth Harrison, Buch „Tiermaschinen“). Sie kam dann über
Großbritannien auch nach Deutschland. Es ging darum, so kostensparend wie
möglich zu „produzieren“ um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es geht darum,
möglichst viele Tiere (vor allem Geflügel, Schweine und Rinder)
platz-, zeit- und arbeitssparend auszubeuten, mit wenig Personal in
immer kürzerer Zeit und mit wenig Energieaufwand auf engem Raum in denaturierter
Umgebung möglichst viele tierische Erzeugnisse hervorzubringen. Das Streben nach
immer höheren Milch-, Fleisch- und Eierleistungen führte zur Technisierung
und Rationalisierung der Viehhaltung ohne individuelle Betreuung des einzelnen
Tieres bei Vernachlässigung ihrer arteigenen Bedürfnisse. Die Tiere werden
zur standardisierten Produktionseinheit und wie Industrieprodukte behandelt.
Der Lebensraum ist auf ein
Minimum beschränkt,
das Leben auf bloße Nah- rungsaufnahme, Verdauung und Wachstum reduziert. Für
die oft hochentwickelten Sinne kein normaler Wechsel im Tages- und
Jahreszeitenrhytmus, keine Nahrungs- suche. Es gibt nichts zu erkunden und zu
erleben.
Die
Anpassungsfähigkeit der Tiere an die industriellen Produktionsbedingungen wird
überfordert.
Die Ausrichtung der Zucht auf maximale Produktionssteigerung bedeutet z.B. beim
Geflügel: Übermäßiger Muskelzuwachs, Schnellwüchsigkeit, körperliche Schäden und
extreme Leiden wie Gelenkprobleme, Knochendeformationen,
Herz/Kreislauf-Beschwerden, Atembeschwerden, Blutarmut und Kannibalismus.
Gewalt an den Tieren wurde zur gängigen Praxis: Schnabelkürzen, Kupieren der
Schwänze bei den Schweinen und Schafen, Enthornen der Rinder ohne Betäubung –
millionenfache Tierquälerei, um die Tiere an die tierfeindlichen Haltungssysteme
anzupassen; äußerst schmerzhafte Kastrationen bei 20 Mill. Ferkeln jährlich, nur
um den Ebergeruch zu verhindern.
„Diese Tierfabriken lassen
ein Herabsinken der Humanität erkennen: in der Rücksichtslosigkeit gegenüber den
uns anvertrauten Tieren und in der Zerstörung von Natur und Umwelt aus der
Gewinnsucht einzelner. Dass dies von der Gesellschaft als ‚unternehmerisches
Verhalten’ hingenommen wird, zählt zu den moralischen Abstumpfungen unserer
Zeit.“ (Hermann Priebe, Die subventionierte Unvernunft, S. 16)
§ 2 des Tierschutzgesetzes
schreibt vor:
„Wer ein Tier hält,
betreut oder zu betreuen hat,
1. muss das Tier
seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernähren, pflegen und
verhaltensgerecht unterbringen,
2. darf die
Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm
Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
3. muss über die für
eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des
Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.“
Dem zuwiderhandelnd
werden unter tierfeindlichen Bedingungen Jahr um Jahr Hunderten Millionen Tieren
maximale Leistungen abgepresst. Das heißt: Der Rechtsstaat ist in Bezug auf
die Tiere außer Kraft gesetzt.
In
seinem Werk „Das Imperium der Rinder“ schreibt der Wissenschaftspublizist Jeremy
Rifkin:
„Das Rind von den Qualen
und der Erniedrigung zu erlösen, denen es in den modernen Mastfabriken und
Schlachtbetrieben ausgesetzt ist, wäre als menschlicher Akt von weitreichender
symbolischer und praktischer Bedeutung zu begreifen, und es wäre ein Symbol der
Reue und Wiedergutmachung, wenn wir darauf verzichteten, das Rind zu enthornen,
zu kastrieren, mit Hormonen und Östrusblockern, Antibiotika und Insektiziden zu
behandeln und ihm einen würdelosen Tod an den vollautomatisierten
Schlachtbändern zu bereiten. Es wäre dies alles ein Zeichen der Erkenntnis der
Zerstörung, die wir der gesamten Schöpfung auf unserer Jagd nach der
uneingeschränkten Macht über die Natur zugefügt haben.“ (S. 252)
Websites:
www.provieh.de
www.tierschutz-landwirtschaft.de
www.masthuehner.de
www.tierschutzbilder.de
www.vegetarismus.ch/info/oeko.htm
Was bedeuten die
Intensiv-Tierhaltungen für die einzelnen Tierarten?
(Auswahl)
Masthühner:
Die ausschließlich wegen ihres Fleisches gehaltenen
Masthühner sind mit jährlich etwa fünf Milliarden in der EU geschlachteten
Tieren die größte Gruppe der landwirtschaftlichen „Nutztiere“. (480 Mill.
in Deutschland). Die Zucht auf hohe und schnelle Mastleistung und den
unphysiologisch großen Brustmuskel hat zu einer Verlagerung des
Körperschwerpunktes geführt mit der Folge, dass auf den Beinen und Hüften der
Tiere erheblicher Druck und Spannung lasten. Auch Herz und Lunge können mit dem
unnatürlich beschleunigten
Wachstum
nicht mithalten. 30 % der Masthühner humpeln, lahmen oder können sich aufgrund
der Schmerzen nicht mehr fortbewegen. Häufige Kreislauferkrankungen,
Leibeshöhlenwassersucht. Die Mortalität dieser Hochleistungshühner ist
viermal so hoch wie die der langsam wachsenden Masthühner. Dazu kommt die
tierquälerische Haltung in strukturlosen Hallen zum Teil ohne Tageslicht – etwa
22 Tiere gegen Ende der Mast auf einem qm zusammengepfercht mit der Folge
weiterer schmerzhafter Erkrankungen.
Nachdem es
bisher gar keine rechtlichen Haltungsvorschriften gab, beschloss der
Agrar-Ministerrat der EU im Mai 2007 eine bis 2010 umzusetzende Richtlinie.
Danach können bis zu 30 Masthühner auf einem qm Stallfläche
zusammengepfercht werden, bei einem Maximum von 42 kg/qm. Die
Tierschutzorganisationen hatten eine Besatzdichte von höchstens 15 Tieren pro qm
gefordert, entsprechend dem Votum der Veterinärexperten des Fachausschusses der
EU-Kommission. Mit dieser Richtlinie werden wissenschaftliche Erkenntnisse
missachtet und viel zu hohe, tierschutz- widrige Besatzdichten festgeschrieben.
Mastenten:
Im Unterschied zur Hennen-Käfighaltung ist der Öffentlichkeit kaum bekannt, wie
vergleichbar Enten (die Pekingente und die Moschusente, sog. „Flugente“,
sowie Hybriden beider Arten) gehalten werden. Nicht weniger
als 18 Millionen Enten werden in
Deutschland in strukturlosen Ställen auf perforierten Böden zusammen- gepfercht
meist zu Tausenden gehalten, ohne Tageslicht, Beschäftigungsmöglichkeiten,
Auslauf oder Badegelegenheit. Das artgemäße Seihen, Gründeln und
Tauchen wird völlig verhindert. Den Moschusenten werden ohne Betäubung die
hochsensiblen Oberschnäbel amputiert, ebenso die Krallen an den Paddeln. Die
Drahtgitterböden sind durch die Exkremente verdreckt und glitschig. Die in den
oft dunklen Masthallen sich drängelnden Tiere, darunter sterbende, treten auf
verwesen- de tote Artgenossen herum. Eine HaltungsVO gibt es nicht.
Hinzu kommen tier- schutzwidrige Transporte der Küken zu den Mastbetrieben und
der zu schlachtenden Tiere zu den Schlachthöfen.
Puten:
Etwa 7,5 Mill. vegetieren jeweils zu Tausenden in deutschen Mastanlagen, d.h. in
strukturlosen Ställen. Insbesondere die einseitige Zucht auf Brustmuskulatur
führt zu tierschutzwidrigen Zuständen. Die Tiere sind dann zu schwer, und
durch das häufige Liegen kommt es oft zu Brustblasen, die sich in feuchter
Einstreu entzünden. Im Endstadium können die Knochen die Fleischmasse nicht mehr
tragen, das Skelett verkrümmt sich; viele Tiere können dann nicht mehr laufen.
Atemwegserkrankungen, Beinschwächen und Nierenblutungen gehören zum Alltag der
Mastputen. Dazu kommt ein u.a. durch die hohe Besatzdichte ausgelöstes
aggressives Verhalten. Etwa 10 % der Tiere überstehen die Strapazen nicht und
sterben vorzeitig, wobei die Kadaver oft tagelang nicht herausgenommen
werden.
Die
Bundesregierung hat noch immer keine HaltungsVO erlassen, keinerlei detaillierte
Anforderungen an die Putenmast. Artgerechte Haltung mit
Beschäftigungsmöglichkeiten im Stall, Verringerung der Besatzdichte,
Verbesserung der Belüftung, Verwendung ausschließlich trockener Einstreu,
Auslauf im Freien und Verbot des Schnabelkürzens wären darin zu gewährleisten.
Angesichts von 7,5 Mill. Puten, die auf unerträgliche
Weise chronisch krank
dahinvegetieren müssen, ist jede weitere Verzögerung unentschuldbar und ein
weiterer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.
Schweinehaltung:
Meistens Einzelhaltung der Zucht- und Muttersauen mit
Saugferkeln in Kastenständen. Verletzungen im Bein-, Rücken- und
Schulterbereich, bedingt durch das Liegen und Stehen auf dem harten, z.T.
durchbrochenen Boden.
Mastschweine:
Häufige Verletzungen
der Sprung-, Karpal- und Schultergelenke wegen der einstreulosen Spaltenböden.
Liegeschwielen und Gelenkverdickungen, Klauenverletzungen und Lahmheiten.
Tierärztliche Kontrollen bei der Schweineschlachtung haben ergeben, dass mehr
als die Hälfte der 26 Mill. Tiere krankheits- bedingte Schädigungen haben, z.B.
deformierte Gliedmaßen und Magengeschwüre sowie Lungenschäden wegen der
schlechten Belüftung der Ställe. 57 % wiesen pathologische Veränderungen der
Leber auf. Nach Prof.Dr. K. Bickhardt, Tierärztliche Hochschule Hannover,
sterben in Deutschland jährlich etwa 1 Mill. Schweine auf qualvolle Weise an den
Folgen von Belastungsmyopathie (entzündlichen, degenerativen
Muskelerkrankungen).
Die nach
jahrzehntelanger Verzögerung im April 2006 beschlossene neue SchweinehaltungsVO
auf der Grundlage der Mindestanforderungen der EU-Richtlinie enthält einige,
jedoch nicht hinreichende Verbesserungen. So sind Spaltenböden weiterhin die
Regel, kaum Beschäftigungsmöglichkeiten, zu wenig Platz, zu lange
Übergangsfristen. Notwendig: Änderung des Tierschutzgesetzes hinsichtlich der
betäubungslosen Kastrationen von Ferkeln, der Schwanzamputationen und des
Kürzens der Eckzähne.
Nerze:
In Deutschland gibt es etwa 30 Nerz“farmen“, eine Fuchshaltung sowie
eine unbekannte Zahl von Chinchilla-Zuchten. In diesen Anlagen werden
jährlich etwa 300.000 Tiere gehalten und umgebracht.
Massive Verhaltensstörungen und auch Selbstverstümmelungen der Tiere sind die
Folge der extrem tierschutzwidrigen Unterbringungen.
Mit
15jähriger Verzögerung nach ersten Forderungen der Länder beschloss der
Bundesrat am 3. November 2006 erstmals eine Verordnung mit Haltungsvorgaben,
ohne die Haltung als solche in Frage zu stellen, obwohl für die Erzeugung eines
Luxusartikels kein „vernünftiger Grund“ (Tierschutzgesetz) vorliegt, der völlig
artwidriges Einsperren und Töten von Wildtieren wie Nerzen und Füchsen
rechtfertigen könnte, und obwohl die Mehrheit der Bevölkerung die
Pelztierhaltung ablehnt. Nach einer zehnjährigen Übergangsfrist stehen einem
Fuchs drei qm, einem Nerz und einem Iltis je ein qm Grundfläche zu. Nerze und
Iltisse müssen ein Wasserbecken erhalten. Drahtgitterböden bleiben erlaubt,
Forderungen, den Tieren Naturboden, größere Käfige und tiergerechte Fütterung zu
gewähren sowie die Übergangsfristen für bestehende Betriebe von zehn auf ein
Jahr zu verkürzen, wurden verworfen. In zehn Jahren müssen die Käfige mit
Plattformen, Klettervorrichtungen oder Arealen zum Graben ausgestattet sein.
Einige Länder wie
Großbritannien und Italien haben die Pelztierhaltung bereits verboten, andere
wie Österreich und die Schweiz haben so hohe Auflagen verordnet, dass die
Haltungen wegen Unwirtschaftlichkeit aufgegeben wurden. Bei vorhandenem Willen
wäre das auch in Deutschland möglich. Züchten und Töten von Pelztieren sind
gesetzlich zu verbieten! Darüber hinaus ist die Bundesregierung zu drängen, sich
auch auf EU-Ebene dafür einzusetzen.
Mastkaninchen:
In ca. 450 Nebenerwerbs-Mastbetrieben vegetieren allein in Deutschland
jährlich etwa 21 Millionen dieser Tiere in
Drahtkäfigen mit Draht- oder Kunststoffböden. Durch
die enge Haltung leiden sie an Wirbelsäulenerkrankungen und Geschwüren an den
Pfoten, an Magen-Darm-Erkrankungen wegen der einseitigen Ernährung mit
Fertigfutter-Pellets. Die Weibchen werden
durch künstliche Besamung gezwungen, alle 4-6 Wochen Junge zu gebären – eine
enorme Belastung, die oft zum Tode führt. Sterberate lt. Bundestierärztekammer
bis zu 50 %. Alle Regierungen der vergangenen Jahrzehnte haben dieses Verbrechen
an den Kaninchen geduldet und somit gefördert. Zu den Haltungsbedingungen gibt
es weder auf EU-Ebene noch auf nationaler Ebene spezielle Rechtsvorschriften.
Die Tiere vegetieren in einem rechts- freien Raum.
Weder in der EU noch in Deutschland
ist die Einführung einer Registrierung der
landwirtschaftlichen Kaninchenhaltungen geplant.
Weltweite
Dimension:
Um das
Ausmaß der weltweiten Tiertötungen zu verdeutlichen, ist es wichtig, sich die
grundlegenden Zahlen vor Augen zu führen:
Weltweit
werden etwa 45 Milliarden Tiere pro Jahr für den menschlichen Verzehr als
Schlachtvieh umgebracht (Fische und sonstige Kleintiere nicht eingerechnet).
Davon
entfallen allein auf Deutschland ca. 510 Millionen „Nutztiere“. Hinzu kommen die
Millionen Tiere in den Heimtierhaltungen, die „Pelztiere“ und „Versuchstiere“
sowie die ca. 5,5 Millionen Wildtiere, die Opfer der Jagd in Deutschland werden.
Ökologische
Auswirkungen der Intensiv-Tierhaltungen
Zu den schwerwiegenden
Belastungen des globalen Naturhaushalts gehören Boden-, Gewässer- und
Luftverschmutzungen, vor allem durch den hohen Gülleanfall mit den
entsprechenden Nitratüberschüssen. (Ein Rind produziert täglich 60 l Gülle).
Die industrielle „Nutztier“-Haltung produziert mehr klimawirksame Gase als das
gesamte Transportwesen zu Lande. Sie verursacht 18 % der klimaschädlichen
Gase, Fischerei und Tiertransporte nicht eingerechnet. Die 18 % sind mehr als
die 12-15% der klimaschädlichen Gase aus dem Verkehr.
Auf der Fläche eines
Grundstücks, die benötigt wird, um ein kg Fleisch zu erzeugen, könnte man im
selben Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten.
Etwa 30 % der Landfläche
der Erde wird für Viehweiden benutzt.
Seit 1960 wurden fast 30 %
der südamerikanischen Wälder abgeholzt, um Weideflächen Platz zu machen.
Waldrodung, Landkonzentration und Vertreibung der ländlichen Bevölkerung haben
das Ziel, die Festlandmasse eines halben Kontinents zur Weidefläche zu machen,
um die fleischreiche Kost der wohlhabenden Europäer und Nordamerikaner zu
sichern. Das durch das Abbrennen der Wälder freigesetzte CO2 bewirkt den
Treibhauseffekt mit, ferner das noch schädlichere Methangas ( 23x schädlicher
als CO2 ) ebenfalls bedingt durch das Abbrennen von Tropenwäldern, Grasflächen
und Stoppelfelder sowie durch den Verdauungsvorgang der Rinder. Der Anteil der
Rinder am weltweiten Methanausstoß wird mit 12 % angegeben. (Jahresberichte des
WorldWatch Institute, denen auch die anderen Angaben entstammen).
Innerhalb von acht Jahren
schließen die Viehbetriebe, weil die Böden durch Überweidung und Erosion
ausgelaugt sind mit der Folge weiterer Waldzerstörungen mit dem damit
verbundenen Rückgang der Tier- und Pflanzenarten.
Hinzu kommt der hohe
Wasserverbrauch: In den USA geht fast die Hälfte des gesamten Wasserverbrauchs
auf den Anbau von Futtergetreide zurück. Auf 1 kg Rindfleisch aus einem
Mastbetrieb kommen 2.000 l Wasser für die Bewässerung der nötigen Getreidemenge.
Die Erzeugung eines kg Getreide erfordert einen Bruchteil der Wassermenge, die
für 1 kg Rindfleisch aufzubringen ist.
Gleich
mehrere
Forschungsinstitute kamen zu dem Ergebnis, dass 40 % der klimarelevanten
Emissionen, die in der Viehwirtschaft entstehen, durch Verzicht auf die Fleisch-
und Futtermittelproduktion eingespart werden könnten. Es sei möglich und
notwendig, den Anteil der Intensivtierhaltungen an den Treibhausgasen durch eine
drastische Reduzierung der Viehbestände um die Hälfte zu vermindern.
Doch die ökologischen
Kosten (wie Verbrennung fossiler Brennstoffe, Absenkungen des Grundwassers,
chemische Verseuchung der Böden, Erzeugung von Ammoniak und Methangas, Kosten
für das Gesundheitswesen) fließen nicht in die Fleisch-Verbraucherpreise ein.
Nach Angaben des WorldWatchInstitute müsste dann ein Rindfleisch-Hamburger
mindestens 220 Dollar kosten.
In seinem Buch „Das
Imperium der Rinder“ über Aufstieg und Fall der Viehzuchtkultur gibt
Jeremy Rifkin einen eindrucksvollen Überblick und eine Bilanz der
rücksichtslosen Angriffe auf die Ökosysteme der Erde durch die Viehzucht und
deren Landverbrauch für Viehfutter. Er nennt die Viehzucht „eine der am
meisten umweltzerstörenden Bedrohungen der modernen Zeit.“
„Eine Zeitlang glaubten
wir in Deutschland, das Umweltproblem der Rinderhaltung sei bloß ein
Gülleproblem. Weit gefehlt. Wenn wir die Waldrodung für Weideflächen und
Futtermittel einbeziehen, ist der Beitrag der Rinderhaltung zum Treibhauseffekt
ähnlich groß wie der des gesamten Autoverkehrs. Die Verwandlung von Savannen in
Wüsten, die Erosion in Berggebieten, der übermäßige Wasserbedarf der Rinder, der
gigantische Energiebedarf der Mastviehhaltung sind einige weitere Gründe dafür,
dass wir mit jedem Pfund Rindfleisch der Umwelt schwer zusetzen.“ (Aus dem
Vorwort von Ernst U. von Weizsäcker)
Hierzu
ferner: Josef H. Reichholf, Der Tanz um das goldene Kalb. Der Ökokolonialismus
Europas. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2004, 217 S.
Auswirkungen
der Intensiv-Tierhaltungen auf die Welternährung
Der Zusammenhang mit dem
Hunger in der Welt ergibt sich bereits daraus, dass ca. 65 % der gesamten
Anbaufläche für die Viehhaltung und die Futterproduktion verwendet werden.
Allein 1,4 Milliarden
Rinder bevölkern heute die Erde. Sie grasen auf 25 % der gesamten Landmasse des
Planeten, und die Getreidemenge, die sie zusätzlich verbrauchen, würde reichen,
um einige hundert Millionen Menschen zu ernähren.
Für die Erzeugung von 1 kg
Fleisch müssen – je nach Tierart – 7-11 kg Getreide und andere Pflanzen
aufgewendet werden. Mehr als 1/3 der gesamten Getreideernte wird an die Rinder
und anderes Vieh verfüttert. Da die Weltbevölkerung und auch ihr Verlangen
nach Fleisch weiter zunimmt, ist eine noch größere weltweite Ernährungskrise
vorprogrammiert.
64 % der
Futtermittelimporte der EU stammen aus den Entwicklungsländern. Die EU holt rund
eine halbe Mill. t Futtermittel allein aus Westafrika, um ihre Überschussrinder
zu füttern. Für die Gewinnung einer einzigen tierlichen Kalorie werden rund zehn
pflanzliche benötigt. Die Importe der Getreideberge und Sojabohnen, die
Millionen von Rindern, Schweinen, Puten vorgeworfen werden, entziehen den armen
Ländern eine Lebensgrundlage – das Vieh der Reichen frisst das Brot der
Armen.
Außerdem werden den
Ländern der 3. Welt wichtige Rohstoffe entzogen, indem man sie mit finanziellen
Anreizen dazu verleitet, ihre Agrarflächen für die Produktion von Futtermitteln
für die Viehwirtschaft der Industriestaaten stat für die Deckung des
Nahrungsbedarfs der einheimischen Bevölkerung zu nutzen.
In den USA werden mehr als
70 % der Getreideernte als Viehfutter verwendet.
Angesichts der wachsenden
Bevölkerung und der ebenso fortschreitenden Bodenerosion und Wüstenbildung kann
der Fleischkonsum nur ein Verbrechen genannt werden. Ohne den exzessiven
Verbrauch an tierischem Eiweis, könnte man mit den noch vorhandenen Flächen die
mehrfache Zahl an Menschen ernähren, und zwar gesünder und umweltschonender und
ohne die Tierschinderei. Umweltschutz, Menschenrechte und Tierschutz gehören
zusammen.
Daher meinte die
Organisation „Welthungerhilfe“: „Auch die Menschen in den Industrieländern
können ihren Beitrag leisten. Wenn sie weniger Fleisch essen, muss weniger
Getreide verfüttert werden.“
(„Welternährung“, 1/1996). „Damit die Weltgetreideernte in Zukunft für alle
reichen kann, werden die reichen Nationen ihren Fleischkonsum reduzieren müssen.
Futtermittel für Masthühner, Zuchtfische, Industrieschweine und
Intensivhaltungsrinder sind ein (EU-subventionierter) Luxus, den sich nicht mehr
als 15 % der Weltbevölkerung leisten können.“ („Welternährung“, 1/1997)
Die
Subventions-Problematik
Die jährlichen 45
Milliarden Euro Agrar-Subventionen der EU sind seit Jahr- zehnten umstritten
und in einer Legitimationskrise. Denn fast die Hälfte der Ausgaben der EU geht
in die Landwirtschaft, ohne dass klar ist, wohin die Gelder konkret fließen und
wie sie wirken. Das trifft insbesondere für Deutschland zu. Welcher Landwirt wie
viele Subventionen wofür erhält, ist nicht bekannt. („Förderdschungel“)
Hauptempfänger sind
multinationale Konzerne, weltmarktfähige rationalisierte Großbetriebe. 77 % der
Betriebe erhalten an Direktzahlungen weniger als 5.000 Euro im Jahr.
Ca. 18 % der gesamten
EU-Agrarbeihilfen gehen in die Subventionierung der sog. Rindfleischerzeuger,
Direktzahlungen, um ihre teuren Produkte auf dem Weltmarkt billig anbieten zu
können.
Immerhin hat die
EU-Kommission insofern einige Missstände beseitigt, als Schlachtviehexporte
nicht mehr gefördert werden; allerdings wird weiterhin der Export von
Zuchtrindern subventioniert (und damit indirekt der Stierkampf unterstützt).
Große Agrarunternehmen bekommen künftig deutlich weniger Unterstützung als
kleine Betriebe. Produktbezogene Direktzahlungen an die Bauern werden ab 2008 um
jährlich 2 % gekürzt. Die Einsparungen sollen für Landschaftspflege und
Umweltschutz verwendet werden. Geplant ist auch die Förderung von Landwirten,
die freiwillig Tierschutzverpflichtungen eingehen, die über die
vorgeschriebenen Vorschriften zur Tierhaltung hinausgehen. Doch sind diese
Maßnahmen nicht genauer definiert.
Subventionen sind also
verstärkt als Lenkungsinstrumente zugunsten einer mehr ökologischen
Landwirtschaft einzusetzen (Ökozuschläge; auch Fleischsteuer).
36 Organisationen aus den
Bereichen Entwicklung, Umwelt, Verbraucherschutz, Tierschutz, bäuerliche
Landwirtschaft und Demokratie & Transparenz haben sich zur „Initiative für
Transparenz bei EU-Agrarsubventionen“ zusammengeschlossen.
Schlussbemerkung
In den letzten Jahren der
Regierungskoalition hat sich die Situation für die Tiere in Deutschland nicht
signifikant verändert. Stellenweise sind einige Verbesserungen im Detail zu
verzeichnen, insgesamt aber herrscht Stagnation vor; die Zahl der gequälten
Tiere, vor allem bei den Tierversuchen, ist sogar weiter angestiegen.
Tierschutz hat nur eine
Chance, wenn dabei keine wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigt werden. Und
die Politiker fragen auch in diesem Bereich zunächst danach, inwieweit ihr
Engagement Stimmen bringt und die Karriere fördert – was beim Tierschutz mit am
wenigsten der Fall ist.
„Fortschritte sind in Bezug auf die Härte des Leidens und die immense Zahl der
betroffenen Tiere unzureichend. Mechanismen wie fest verwurzelte Traditionen,
Gleichgültigkeit der meisten, politische Manöver und ökonomische Zwänge sowie
der sehr zögerliche ethische Wandel im Mensch-Tier-Verhältnis behindern die
Verbreitung von Haltungsverbesserungen. Im ‚Nutztier’bereich werden
Tierschutz aspekte stets gegen Aspekte der Preispolitik, Lebensmittelsicherheit,
Produktqualität sowie Ansprüche der Bevölkerung abgewogen. Die Wirtschaft ist
der Faktor, der den Fortschritt in der ‚Nutztier´haltung am stärksten behindert,
da Haltungsverbesserungen oft die Produktionskosten erhöhen. Im Laborbetrieb
kommt zu höheren Kosten der
Widerstand gegen hygienische und experimentelle Veränderungen.
Weitere Probleme sind der mangelnde Informationsfluss zwischen Forschenden,
Industrie, Politikern und der Öffentlichkeit sowie widersprüchliche
Forschungsergebnisse aufgrund großer qualitativer Unterschiede bezüglich
Material und Methoden.
Fortschritte im Tierschutz ergeben sich meist dann, wenn die Veränderungen
wirtschaftliche Vorteile bringen.“
(Pia Baumann, Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung)
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