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Unter welchen Bedingungen diese Geschöpfe
gehalten werden, wissen nur wenige:
Die Intensivtierhaltung hat auch vor den Kaninchen nicht
Halt gemacht: Sie müssen ihr Dasein in unstrukturierten,
engen und reizarmen Käfigen meist ohne Einstreu auf
Metall- oder Kunststoffrosten ohne Beschäftigungs- und
Rückzugsmöglichkeiten fristen. Mastkaninchen bis 3,3 kg
Lebendgewicht stehen in der Regel ganze 20 x 40 cm bei
einer Käfighöhe von 30-40 cm zur Verfügung. Oft sind es
nur 500 qcm (mit Ausnahme der Schweiz mit meist 6.000
qcm).
So hocken die Tiere lebenslänglich in den
Käfigen, die ihnen nicht einmal artgemäßes Sitzen
erlauben, und das „Männchen machen“ und Hoppeln schon
gar nicht.
Die Folgen: Entzündungen und Verletzungen
an den Hinterpfoten, verursacht durch die Drahtroste,
pathologische und schmerzhafte Skelettveränderungen, die
u.a. zu Spontanfrakturen führen, Krallenverletzungen,
Ballengeschwüre, schwere Verdauungsstörungen,
Darmerkrankungen, hervorgerufen durch nicht artgerechte
Fütterung, mangelnder Abrieb der Nagezähne durch
pelletiertes Futter, Verhaltensstörungen wie
Gitternagen, endloses Kreisen um die eigene Achse,
Kannibalismus und Selbstverstümmelungen durch
Langeweile.
Bis zu 30 % sterben aufgrund der
schlechten Haltung und an Infektionskrankheiten.
Im Unterschied zu den kommerziellen
Kaninchenmast-Betrieben werden die Tiere bei den
privaten Haltern zwar meistens in traditionellen
Holzställen gehalten und bekommen oft wenigstens eine
Unterlage aus Stroh, doch ansonsten bietet der
Holzverschlag nicht mehr als der Drahtgitterkäfig.
Auch hier können die Kaninchen ihren
ausgesprochenen Bewegungsdrang nicht ausleben und haben
keinerlei Möglichkeit zum Rückzug oder zum Graben. Dabei
sind sie körperlichen Höchstleistungen ausgesetzt: Bei
den Häsinnen sind bis zu 11 Würfe pro Jahr mit je 8-10
Jungen keine Seltenheit. Sogenannte Wurfsynchronisation,
herbeigeführt durch hormonelle Behandlung und künstliche
Besamung, sind auch in der Kaninchenhaltung längst
üblich.
Die Säugezeit wird auf drei bis vier
Wochen verkürzt. Bereits nach 10-12 Wochen erreichen die
jungen Kaninchen ihr Schlachtgewicht.
Kaninchen leiden stumm und von der
Öffentlichkeit unbemerkt, können sich ihrer Lage nicht
entziehen, sind ihr hilflos ausgeliefert.
In Freiheit leben Kaninchen in Gruppen
mit enger sozialer Bindung. Das Revier eines
Familienverbandes beträgt abhängig vom Futterangebot
einige Hundert Quadratmeter. Die Tiere graben
ausgedehnte unterirdische Bauten mit weit verzweigten
Röhrensystemen. Gruppenaktivitäten und Sozialkontakte
wie gemeinsames Graben und Weiden, gegenseitige
Körperpflege und Ruhen mit Körperkontakt nehmen einen
großen Teil des Tages ein. Die geselligen Wesen hoppeln
und springen vorwiegend in der Dämmerung und wollen sich
verstecken können.
All diese Verhaltensweisen sind ihnen in
der Mast lebenslang verwehrt. Auch die „Hauskaninchen“
haben sich nahezu das gesamte Verhaltensrepertoire ihrer
wilden Vorfahren erhalten. Auch sie graben Gänge, wenn
sie die Möglichkeit dazu haben.
Deutschland und die EU haben es in einem
halben Jahrhundert nicht für nötig gehalten, bindende
gesetzliche Vorschriften zur Kaninchenhaltung zu
erlassen. In einem Schreiben des damaligen
Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten vom 29. September 2000 heißt es lapidar: „Auf
Ihre Anfrage teile ich Ihnen mit, dass derzeit ein
dringender Regelungsbedarf im Bereich der
Kaninchenhaltung durch Erlass einer entsprechenden
Verordnung nicht gesehen wird.“
Man darf gespannt sein, wann endlich die
neue, dafür zuständige Ministerin eine Verordnung
erlässt, die den millionenfachen Qualen dieser Geschöpfe
ein Ende bereitet.
Bis dahin bleibt nur der Appell an die
Bevölkerung, sich über die Kaninchenmast zu informieren,
kein Kaninchenfleisch und keine Kaninchenfelle zu
kaufen, die Vertreter der Politik, der Landwirtschaft
und des Handels an ihre Pflicht zu erinnern, das
Tierschutzgesetz bei den Kaninchen einzuhalten.
Merke: „Grausamkeit gegen Tiere ist eines
der kennzeichnendsten Merkmale eines niederen und
unedlen Volkes. Diese Rohheit kann selbst durch alle
Zeichen des Reichtums und der Pracht nicht überdeckt
werden." (Alexander von Humboldt)
Edgar Guhde/PAKT |