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Putenmast mit Verbraucher- und Tierschutz
unvereinbar
Angesichts der vielfachen Fleischskandale
ist die Nachfrage nach Putenfleisch derartig
angestiegen, dass das Angebot nicht mehr nachkommt.
Puten gelten als scheinbar gesunde Alternative. Erstmals
in der Geschichte des traditionellen Münchner
Weißwurst-Geburtstags am Rosenmontag wurden sogar
Weißwürste aus Putenfleisch angeboten. Bereits 7,5
Millionen Puten leben in deutschen Mastanlagen.
„Leben?“ Wer solche Massenstelle, vollgepfercht mit
Tausenden dieser Geschöpfe, gesehen hat, wird das Grauen
einer wahren Putenhölle nicht mehr los:
Wurden
bis Mitte der sechziger Jahre die Puten vorwiegend
extensiv, also mit Freilauf, gehalten, werden sie
seitdem intensiv in strukturlosen Ställen mit
Bodenhaltung gemästet, nach nur 22 Wochen bis zu einem
Endgewicht von 21 kg bei den Hähnen (Wildtruthähne sind
höchstens 7-8 kg schwer).
Die
Haltung einer größeren qualgezüchteten Tierzahl in einem
geschlossenen Haltungssystem führt zu einem ansteigenden
Infektionsdruck, und der Organismus ist durch die
züchtungsbedingte enorme Leistungssteigerung der Tiere
überfordert. Im Endstadium können die Knochen die
Fleischmasse nicht mehr tragen, das Skelett verkrümmt
sich; viele Tiere können dann überhaupt nicht mehr
laufen.
Allein
die hohe Besatzdichte (pro qm 55-60 kg „Tiermasse“ in
der Mastendphase, wie es im Jargon der
Geflügelwirtschaft heißt) verstößt laut Feststellung des
Instituts für Tierhygiene und Tierschutz der
Tierärztlichen Hochschule Hannover gegen das
Tierschutzgesetz. Die ausgewachsenen Tiere stehen so
eng, dass sie sich kaum bewegen können.
Aufgrund solcher Haltungsbedingungen kommt es immer
wieder zu schweren Atemwegserkrankungen, Federpicken
oder Kannibalismus, zu Erkrankungen des Skelettsystems
(insbesondere Beinschwäche), verbunden mit Schmerzen,
Mattigkeit, Lahmheiten, Beinverdrehungen,
Gelenkentzündungen, Muskeldystrophie und
Zehenverkrümmungen; zu Erkrankungen des
Herz-Kreislaufsystems und zu pathologischen
Veränderungen der Brustblase. Die Puten haben ständig
Kontakt mit dem Kot, der am Federkleid hängen bleibt.
(„Wer je gesehen hat, wie verängstigte Puten
zusammengepfercht auf blutig-krüppeligen Füßen in ihrer
eigenen Scheiße stehen, der kriegt kein
Stück
Putenfleisch mehr runter“, schrieb Elke Heidenreich).
Kotpartikel werden eingeatmet. Staub- und Keimemissionen
aus Putenställen sind bis zu fünfzigmal höher als aus
Rinderställen.
10 %
der Tiere überstehen die Strapazen nicht und sterben
vorzeitig, wobei die Kadaver oft tagelang nicht
herausgenommen werden.
(Dabei
ist Deutschland noch nicht einmal das größte
Putenfleisch-Erzeugerland in Europa. Das ist Frankreich
mit einer Jahresproduktion von rund 800.000 Tonnen).
„Putenfleisch dürfte es nur auf Rezept geben“
So ein
Fachmann angesichts all der Antibiotika, Impfstoffe und
anderen Medikamente als Wachstumsbeschleuniger und
Krankheitssymptombekämpfer. Ein Teil der Antibiotika
gelangt beim Verzehr denn auch in den menschlichen
Körper. Der Cholesteringehalt ist ebenso hoch wie beim
Schweinefleisch. Der Salmonellenbefall ist vergleichbar
mit dem der Hähnchen. Veterinäre fanden in 60 % der
Putenleber Fäkalbakterien.
Gesundheitskontrollen finden nur wenige statt, obwohl
bei Stichproben immer wieder Gesundheitsgefahren durch
Tierarzneirückstände und Bakterien festgestellt werden.
Ein
weiterer Skandal ist, dass für die Putenmast keine
nationale, rechtsverbindliche konkrete Vorgabe in Form
einer Halteverordnung erlassen wurde.
Am
Ende dieses Dahinvegetierens erwartet die Tiere der
rücksichtslose Transport zum Schlachthof mit weiteren
„Ausfällen“, die Akkord-Schlachtung am laufenden Band –
aufgehängt an den Beinen.
Zwar
gibt es auch artgerechtere Freiland-Putenhaltungen (z.B.
Gut Kappel, 34454 Arolsen-Mengeringhausen), doch deren
Marktanteil weist ganze 0,2 % auf, teils, weil die
Konsumenten nicht den höheren Preis zahlen wollen, teils
aus Unkenntnis über den Horror der
Intensiv-Putenhaltung. Oder weil er ihnen egal ist. Nur
lässt sich dieser Marktanteil nicht derart erweitern,
dass alle Putenverzehrer bei gleichem Konsum auf
Freiland-Puten „umsteigen“ können, denn soviel
zusätzliche Bodenflächen stehen - für 7,5 Millionen
Tiere! - gar nicht zur Verfügung. Zudem: Auch
„Bio-Puten“ erleiden den Transport und werden im Akkord
geschlachtet.
Der
Ausweg: Abkehr vom Verzehr tierischer Erzeugnisse,
zumindest entschieden weniger davon. Viele sind bereits
wirklich umgestiegen, also nicht lediglich von einer
Tierart auf die andere. Sie haben die Vorzüge einer
fleischlosen Ernährung als abwechslungsreich, gesund und
preisgünstig kennen gelernt.
EDGAR GUHDE
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