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Neue Wege in der Rinderhaltung
Nicht erst seit der BSE-Krise gibt es immer mehr
tierhaltende Landwirte, welche den heute üblichen Umgang
mit den „Nutz“tieren artgerechter gestalten wollen. Sie
sind meist Organisationen wie Neuland, Bioland, Demeter
usw. angeschlossen und halten sich an deren Richtlinien.
Andere suchen nach völlig neuen Wegen.
Wir Tierrechtler sind realistisch genug um zu erkennen,
dass zumindest auf absehbare Zeit nicht alle Menschen
bereit sind, Vegetarier oder sogar Veganer zu werden.
Deshalb sollten wir uns ähnlich wie beim Thema
Tierversuch nicht nur mit einer Ablehnung des
Fleischkonsums begnügen und auf fleischlose Alternativen
hinweisen, sondern auch neue Ansätze in der Tierhaltung
begrüßen.
Mit solchen Verbesserungen der Tierhaltung verbauen wir
keinesfalls ein Umdenken „weg vom Fleisch“; aus unserer
Sicht wäre es sogar unterlassene Hilfeleistung für die
Tiere, wenn wir Verbesserungen ablehnend gegenüber
stehen würden.
Aus diesem Grund lassen wir hier einen Bauern zu Wort
kommen, der nicht nur um eine wirklich artgerechte
Rinderhaltung bemüht ist, sondern seinen Tieren einen
sanften Tod auf der Weide ohne angstvollen Transport zum
Schlachthof gewähren will. Wegen jahrelanger Widerstände
seitens der Behörden ging er sogar vor Gericht und
gefährdete seine Existenz. Denn er wollte keinem Tier
mehr einen Transport zum Schlachthof zumuten, den er
selbst als Vorhof zur Hölle bezeichnet.
Seine Rinder werden zwischenzeitlich in einer Herde auf
der Weide gehalten und vermehren sich dort nach Lust und
Laune. In der Anfangszeit passierten ihm Fehler, die er
in einer 24seitigen Broschüre über seine Tierhaltung
auch nicht verschweigt.
Die Tötung darf seit kurzem auf der Weide mittels
Gewehrschuss aus dem den Tieren vertrauten Traktor beim
liegenden Rind erfolgen, so dass einerseits die
Betäubung des Tieres gleich eintritt und es schmerzlos
stirbt und andererseits die anderen Tiere nicht verstört
werden.
URIA®
Wildrinder - Neue Wege in der Tierhaltung
Ernst Hermann Maier
Vorwort
Seit vielen tausend Jahren hält die Menschheit
sogenannte Nutztiere. Freie Wildtiere sind von Menschen
gefangen, domestiziert und zu den verschiedensten
Zwecken genutzt worden.
Leider müssen wir bei eingehender Betrachtung aber
feststellen, dass diese Tiere in den allermeisten Fällen
missbraucht worden sind und bis zum heutigen Tage
missbraucht werden.
Die Liste dieses Missbrauchs ist lang.
Es würde den Rahmen des Vorworts sprengen, wollte man
alle Schandtaten aufzählen, welche der Mensch an seinen
Mitgeschöpfen begangen hat.
Neben so extremen Fällen wie z. B. Pferde, Elefanten und
Delphine zu Kriegszwecken einzusetzen, Affen in den
Weltraum zu schießen sowie bei allen möglichen Versuchen
Tiere aller Art grausam zu misshandeln, ist die ganz
normale Nutztierhaltung in fast allen Fällen nichts
anderes als schlichtweg Sklaverei.
Unterschiedlich sind lediglich die jeweiligen
Haftbedingungen der Tiere. Es gibt neben ausgesprochen
sadistischen Varianten so gut wie alle Formen bis hin zu
einigermaßen humaner Tiersklaverei.
Als Sklavenhaltung müssen wir eine Tierhaltung
bezeichnen, wenn der Mensch aus Eigennutz und
egoistischen Motiven die elementarsten Grundgefühle der
ihm anvertrauten Tiere willkürlich missachtet.
Der Mensch, als sogenannte Krone der Schöpfung, hat sich
gegenüber seinen Mitgeschöpfen den ihm anvertrauten
Tieren, unermessliche Schuld aufgeladen.
Fast immer sind die Aktivitäten der Menschen gegenüber
den Tieren ausschließlich von Eigennutz bestimmt
gewesen.
Erst in jüngster Zeit mehren sich die Bemühungen,
Nutztieren ein artgemäßes Dasein zu ermöglichen. Über
diese Entwicklung besteht Grund zur Freude.
Ehe wir uns aber näher damit befassen, gilt es
abzuklären, was wir unter dem Begriff „artgemäß“ zu
verstehen haben.
Dazu müssen wir uns vergegenwärtigen, wie die Tiere
ursprünglich als Wildform gelebt und wie sie sich
verhalten haben. Welches die elementarsten Grundgefühle
der Tiere sind, die nicht verletzt werden dürfen, damit
sie wieder normale Verhaltensweisen entwickeln können
und nicht mehr verhaltensgestört sein müssen.
Dazu gilt es zu überlegen, in wieweit es möglich ist,
den Tieren die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu
schaffen.
Am Beispiel einer sich inzwischen entwickelten
Rinderhaltungsform, welche wir in Anlehnung an den
leider ausgestorbenen Urvater unserer heutigen Haus und
Nutzrinder, dem Auerochsen oder Ur mit dem Namen „URIA“
bezeichnet haben, wollen wir verdeutlichen, wie dies
möglich ist.
Es soll auch aufgezeigt werden, welche Verhaltensweisen
und Fähigkeiten Rinder innerhalb eines vierzehnjährigen
Langzeitversuches wieder entwickelt haben, als ihnen
entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten gewährt wurden.
Und dann beschreibt Ernst Hermann Maier seine Wege
und Irrwege seit seiner Kindheit auf dem elterlichen
Bauernhof. Er schildert alles so lebendig, dass man am
liebsten ein ganzes Buch darüber lesen möchte: Wie er
als Kleinkind aus dem Hühnertrog einen Brei aus frisch
geschrotetem Getreide, Milch und Wasser aß oder als
älteres Kind mit Vorliebe zu den Pferden in die
Futterkrippe stieg.
Er berichtet, wie die Stallkühe bereits früher an einer
Kette gehalten wurden: Nur sonntags durften sie nach dem
Füttern und vor dem Kirchgang eine Weile im Dorf an viel
zu kurzen Stricken herumgeführt werden. Die
„losgelassenen Kettensklaven“ verhielten sich dabei
äußerst tollpatschig. Wenn sie zu schnell vorwärts
stürmten oder Bocksprünge machten, schlug ihr Führer
nach Kräften auf Nase und Hörner. Als Junge machte er
dabei die Erfahrung, dass es besser sei, statt des
Prügels ein längeres Seil zu benützen. Dies war das
erste Mal, dass er feststellen konnte, wie man mit
Rindern besser zurecht kommt, wenn man ihnen weniger
Gewalt antut und dafür ein kleines Stückchen Freiheit
einräumt.....
Viktoria
Viktoria wurde am 29.03.1983 bei uns auf der Weide
geboren.
Nachdem wir die Jungtiere nicht mehr von den Müttern
trennen konnten und sie auch nicht unbedingt wegen
Platzmangels verkaufen mussten, wurde unsere Tierzahl
größer. Diese Entwicklung kam uns nicht ungelegen.....
Der Monat Mai des Jahres 1984 war kühl, und der
Graswuchs geriet ins Stocken. Unsere Tiere hatten sich
in der Freiheit vermehrt, die Weidefläche wurde knapp
und wir bekamen Probleme. Die Rinder wollten weiden und
waren nicht mehr bereit, Heu zu fressen, statt dessen
drückten sie laufend die vorhandenen Stacheldrahtzäune
um oder sprangen einfach darüber hinweg, um das Gras
anderer Bauern zu verzehren.
Dies gab natürlich Ärger und wir mussten Abhilfe
schaffen.
Ein Kollege im ca. 20 km entfernten Dorf Laufen suchte
Rinder für seine Weide und so verkauften wir ihm 6
Tiere, darunter auch Viktoria.
Drei Monate später, an einem Sonntagabend, war ich mit
meiner Familie auf der Heimfahrt mit dem Auto. Ich habe
die Angewohnheit, stets bei der Weide vorbeizufahren und
nach den Tieren zu sehen. Als wir in die Nähe unserer
Weide kamen, sahen wir zu unserem Erstaunen einen
Polizisten mit Sprechfunkgerät und schussbereiter
Maschinenpistole herumlaufen.
Ich fragte: „Was ist denn hier los?“ Er erklärte: „Im
Balinger Schlachthof ist ein Stück Vieh ausgerissen und
soeben in dieses Tal hinuntergelaufen. Mein Kollege ist
ihm nach und wird es gleich erschießen.“ Ich sagte
aufgeregt: „Bitte funken Sie Ihrem Kollegen, er darf da
unten auf keinen Fall schießen, dort sind unsere Rinder,
nicht dass er ein falsches erschießt. Ich gehe gleich
hinunter und sehe nach, wo sich das Tier befindet.“
Der Beamte tat mir den Gefallen und ich begab mich ins
Tal hinunter zu unseren Tieren. Inmitten der Herde fand
ich ein ganz nassgeschwitztes Rind, welches ein
Strickhalfter um den Kopf hatte und das Strickende auf
dem Boden nachzog.
Es war Viktoria!
Später erfuhr ich, dass der Kollege in Laufen krank
wurde und die Rinder einem Viehhändler verkauft hatte,
welcher sie in den Schlachthof brachte. Dort riss sich
Viktoria los, rannte aus der Stadt hinaus, überquerte
zweimal eine stark befahrene Bundesstraße und eine
Bahnlinie. Suchte in einer Weide im 4 km entfernten
Nachbarort Engstlatt kurz Schutz, floh dort wieder,
kehrte zielstrebig auf die Heimatweide zurück und
versteckte sich in der Herde.
Ich brachte es nicht übers Herz, dieses kluge und treue
Tier erneut seinen Häschern auszuliefern und habe es vom
Viehhändler zurückgekauft.
Auf Grund der Erfahrungen mit Viktoria und Alex (Anm.
der Red.: Das ist eine weitere Tiergeschichte) werden
bei uns keine Tiere mehr lebend verkauft, von der Weide
abtransportiert und der Willkür anderer Menschen
ausgeliefert.....
Und so beschreibt Ernst Hermann Maier noch weitere
erschütternde Tierschicksale, wie das von Anna und ihrem
fröhlichen, zutraulichen Kälbchen Aline. Die
Geschichte trug sich zwei Jahre vorher zu.
Als man glaubte, dass Aline ohne ihre Mutter zurecht
kommen würde, wurde diese an einen Schlachter verkauft.
Aline stand dabei und musste zusehen, wie ihre Mutter
fortgenommen wurde und nicht mehr zurückkam. Seit jener
Zeit war Aline verhaltensgestört, ließ sich nicht mehr
streicheln, nicht einmal mehr berühren und zeigte tiefe
Trauer. Erst nach Jahren ist ihr Zustand besser
geworden; ein Ausdruck von Gram ist dennoch verblieben.
Seitdem wird bei Ernst Hermann Maier niemals mehr eine
Mutterkuh geschlachtet, solange das Jungtier noch nicht
geschlechtsreif ist.
Millionen von Kälbchen werden jedoch bereits ganz klein
von ihren Müttern getrennt es sind alles traurige
Einzelschicksale! Jede einzelne Kuh ruft und trauert um
ihr Kälbchen wie auch umgekehrt.
Auch hierzu hat Ernst Hermann Maier erschütternde
Tierschicksale aber auch solche mit gutem Ausgang
festgehalten. Es ist ihm ein großes Anliegen, dass die
Menschen mehr über die Gefühle von Tieren erfahren und
darüber nachdenken, was sie den Tieren antun
Quelle: www.tierrechte.de |
Milchwirtschaft
Modernes Kuhleben
"Milch"-Kühe werden nur noch zur
Milchproduktion gehalten. Reproduktion und Laktation
sind daher auf das effizienteste durchrationalisiert.
Denn jeder Tag, an dem eine Kuh keine Milch gibt, ist
ein unnötiger Kuhtag, ein unnötiger Kostenfaktor, denn
so ein Tier muss fressen, ca. 50 kg Futter täglich.
Eigentlich ist sie keine Kuh mehr, welch altmodischer
Begriff aus ferner Zeit, sondern eine
Produktionseinheit. Das Leben dieser Produktionseinheit
verläuft heute im Schnitt so:
Geben wir ihr, aus alter
Sentimentalität einmal einen Namen, z.B. Helene.
Ihre Geschlechtsreife tritt im Alter
von 7 - 8 Monaten ein. Helenes erste Besamung findet im
Alter von etwa 15 Monaten statt, der Trend geht zu immer
früheren Besamungen. Ausschlaggebend dafür ist ihr
Lebendgewicht von etwa 400 kg. Anschließend ist Helene
etwa neun Monate trächtig. Ungefähr mit 24 Monaten kalbt
sie das erste Mal. Das Kälbchen - Anni wird ihr sofort
genommen; es darf nicht einmal an ihrem Euter saugen.
Die erste Kolostralmilch1
erhält es aus dem Nuckeleimer. Anni wird zukünftig über
sog. Milchaustauscher ernährt. Würde sie nämlich die
Milch der eigenen Mutter aus ihrem Euter sauen, würde
sie möglicherweise krank, bekäme Durchfälle und
Infektionen. Denn ihre Verdauungsorgane sind auf den
hohen angezüchteten Milchfettgehalt ihrer Muttermilch
nicht eingerichtet. Deshalb kann sie nur mit einer
entfetteten Milch ernährt werden. Und wenn sie am Euter
saugte, müsste man Angst haben, dass Mutter und Tochter
sich Infektionen zuzögen, und Helene würde für die von
ihr erwartete Milchleistung zu wenig Futter fressen.
Zudem bräuchte sie länger bis sie wieder brünstig würde,
was ihre Anschlussbesamung verzögern würde. Solch
kostenträchtige Risiken werden von vornherein
ausgeschaltet, indem Anni unnatürlicherweise nicht ihre
Muttermilch erhält. Aber auch die Molkerei bekommt von
der Kolostralmilch nichts ab, denn die erste Milch, die
Helene 5 Tage lang nach dem Kalben gibt, darf nicht an
die Molkerei abgegeben werden, weil sie zum menschlichen
Genuß (Hormone!) ungeeignet ist. Endlich, am 6. Tag nach
dem Kalben darf Helenes Milch für den menschlichen
Verzehr genutzt werden. So beginnt Helene nach etwa 24
Lebensmonaten ihre Milchproduktion für uns Menschen.
Ca. 310 Tage gibt sie Milch, dann ist
eine durchschnittliche Laktationsperiode heutzutage zu
Ende. Wäre Helene nicht bald nach ihrer ersten Geburt
wieder besamt worden, dann stünde sie nach Ende der
Laktation ohne wirtschaftlichen Nutzen im Stall herum,
was selbstverständlich nicht sein darf. Deshalb wird sie
nach einer Wartezeit von 6 bis 8 Wochen, auf Annis
Geburt folgend, erneut besamt. Bei Helene gelingt die
neue Befruchtung, was bedeutet, dass sie während der
weiteren Zeit ihrer Laktation gleichzeitig schwanger
ist. Während ihr Körper "Milch gibt", entwickelt sich in
ihm gleichzeitig ein neuer Embryo zum Kalb. Das 2.
Kälbchen wächst innerhalb weiterer 9 Monate in ihrem
Körper heran. Ca. 6 Wochen vor dem errechneten
Geburtstermin für das 2. Kälbchen, genannt Hubert, wird
Helene vor der Geburt "trockengestellt", so der
Fachausdruck, was i.d.R. medikamentös (Antibiotika oder
Hormone) geschieht. Denn diese Milch, die sie bis kurz
vor der Niederkunft geben würde, wäre ebenso wenig wie
die Kolostralmilch für den menschlichen Verzehr
geeignet. Deshalb kann man auf diese letzte Milch vor
der Geburt leicht verzichten. Nachdem Hubert, Helenes 2.
Kalb zur Welt gekommen ist, beginnt der Kreislauf von
Neuem. Helene ist jetzt etwa 36 Monate alt. Erneut wird
ihr das Kalb genommen, ab dem 6. Tag produziert sie
wieder Milch für uns, darf 6 - 8 Wochen frei von
Schwangerschaft sein um dann erneut besamt zu werden;
sie gibt wieder Milch während sie gleichzeitig trächtig
ist, wird vor dem Abkalbungstermin wieder mit
Medikamenten trockengestellt, kalbt erneut und ein neuer
Zyklus beginnt. Mit der 3. Laktation hat Helene ihren
Milchlieferungszenit erreicht und schon überschritten.
Ihre Kräfte lassen nach. Schwangerschaft und
gleichzeitige Laktation, Trockenstand, Geburt, während
der Laktation erneute Besamung und Schwangerschaft. Eine
solche Nutzung hält kein Tier auf Dauer aus. So beginnt
die Milchleistung meist schon in der 4.
Laktationsperiode abzunehmen. Und nach der 5. Laktation
wird sie unökonomisch So kommt Helene, die den Stress
von insgesamt 6 Schwangerschaften und Geburten, 5
Laktationsperioden mit 5 parallelen Schwangerschaften
überlebt hat, mit ca. 7 Jahren ins Schlachthaus. Helene
war nach heutigen Maßstäben eine gute Kuh, ihr Leben hat
sich für den Erzeuger mehr als gelohnt im Gegensatz zu
vielen ihrer Kolleginnen. Sie kommen ihre Erzeuger
nämlich teuer zu stehen, wenn ihre Körper zu wenig Milch
gegeben haben oder sie in den Befruchtungsstreik
getreten sind. Sie mussten früher ins Schlachthaus als
Helene, weil eine neue Anschlussbefruchtung sich nicht
gelohnt hätte oder gescheitert war. Und das hat die
Kosten für ihre Aufzucht als Milchkuh im Verhältnis zu
ihrer späteren Milchleistung, sprich Ausbeute, erheblich
erhöht. Da war Helene eine richtige Musterschülerin.
Ihre per se
befruchtungsschwachen Kolleginnen findet man am
häufigsten in den großen Betrieben, die auf extreme
Milchleistung durch Hochleistungskühe setzen. Ihr, im
Verhältnis zu Helene, kurzes Leben machen sie durch eine
höhere Milchleistung wett. Hier tragen sie keine Namen
mehr, sondern sind die Nummern auf ihren Ohrmarken:
17007 DE 72- 092. Sie sehen den Schlachthof meist schon
nach 2 Laktationen, wenn die Anschlussbefruchtung nicht
mehr glückt, andernfalls sind sie nach der 3. Laktation
völlig ausgelaugt. Auf 8000 - 10.000 kg Milch pro
Laktation muss eine solche Kuh schon kommen, was
bedeutet, dass sie in den Wochen ihrer
Hauptmilchleistung 45 bis 50 kg Milch täglich geben
muss. Eine Kuh, die während ihrer ersten Laktation keine
7000 kg erreicht, wird anschließend ebenfalls gleich ins
Schlachthaus geführt. Eine weitere Laktation wäre nicht
"sinnvoll", ihre geschätzte Milchleistung läge zu
niedrig. In manchen Betrieben werden 17007 und ihre
Kolleginnen sogar dreimal am Tag gemolken - üblich sind
zweimal - und geben durchschnittlich 35 - 45 Liter Milch
täglich. Apropos "melken", auch das ist ein
sentimentaler Begriff, "Milchentzug" heißt das heute. In
anderen EU Staaten, z. B. Schweden, Finnland, Dänemark,
Niederlande und Großbritannien, sowie in den USA,
Kanada, Japan2
und Israel sind weitaus höhere Mengen, 50 Liter und mehr
täglicher Milchentzug auf dem Zenit einer Laktation
keine Seltenheit. Um diese Milchmengen zu produzieren
und wenigstens einmal gleichzeitig schwanger zu sein,
müssen 17007 und ihre Kolleginnen eine schier
unglaubliche Stoffwechselleistung erbringen. Um einen
Liter Milch zu produzieren, fließen über 500 Liter Blut
durch das Euter! Sie haben richtig gelesen: Riesige
Milchmengen führen zu riesigen Stoffwechselumsätzen in
den Körpern der Tiere. Das entsprechende Kraftfutter
kann ihnen keine Futtermittelindustrie und auch nicht
das ausgeklügelste Futtermanagement zur Verfügung
stellen. Die notwendigen Nährstoffe müssen sie ihrem
eigenen Körper entziehen. Genau darin liegt dann der
Profit der Milcherzeuger. Sie sagen dazu, die
Kapitalkosten pro Kuh ändern sich ab einem bestimmten
Haltungsniveau nicht mehr oder der Erhaltungsaufwand je
Kuh bleibt gleich oder die Futtereffektivität steigt mit
zunehmender Milchleistung. Im Klartext: Eine Kuh die in
2 Laktationen 20.000 kg Milch gibt, ist profitabler als
eine Kuh, die dafür 4 Laktationen benötigt. Das
bedeutet, dass die Körper von 17007 und ihrer
Kolleginnen mehr und mehr auslaugen. Sie leiden an
Pansenübersäuerungen, Stoffwechselstörungen, magern ab
und Kalzium wird aus ihren Knochen heraus geschwemmt.
Gegen Ende ihres nur kurzen 4- bis 5-jährigen Lebens
brechen sie meistens schon häufig zusammen. Zum Schluss
bewegen sie sich kaum noch, weil sie sich sonst alle
Knochen brechen würden. Nachdem 17007 endlich von ihrem
Leben erlöst und ihr Fleisch von den Knochen entfernt
ist, sehen die Metzger im Schlachthof, was sie häufig
sehen und woran sie sich schon lange gewöhnt haben, die
Knochen einer Kuh, die zum Brechen porös sind.
1Kolostral-
oder Biestmilch wird die Milch der ersten 5 Tage nach
der Kalbung genannt. 2Japan, traditionell
kein Milchland, nähert sich in seinen städtischen
Zentren westlicher Lebens- und Ernährungsweise teilweise
an. Daher gibt es in Japan mittlerweile eine
beachtliche, industrielle Milchproduktion. Allerdings
nähern sich seit Endes des 2. Weltkriegs die
Erkrankungsarten und -raten denen der westlichen Welt
an. Der durchschnittliche japanische Milchverbrauch
liegt jedoch weit unter dem westlicher Industriestaaten.
Quelle: www.milchlos.de |
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