Arbeitskreis humaner

 

                    Tierschutz e.V.   (gegr.1991)

 
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Neue Wege in der Rinderhaltung

Nicht erst seit der BSE-Krise gibt es immer mehr tierhaltende Landwirte, welche den heute üblichen Umgang mit den „Nutz“tieren artgerechter gestalten wollen. Sie sind meist Organisationen wie Neuland, Bioland, Demeter usw. angeschlossen und halten sich an deren Richtlinien. Andere suchen nach völlig neuen Wegen.

Wir Tierrechtler sind realistisch genug um zu erkennen, dass zumindest auf absehbare Zeit nicht alle Menschen bereit sind, Vegetarier oder sogar Veganer zu werden. Deshalb sollten wir uns ähnlich wie beim Thema Tierversuch nicht nur mit einer Ablehnung des Fleischkonsums begnügen und auf fleischlose Alternativen hinweisen, sondern auch neue Ansätze in der Tierhaltung begrüßen.
Mit solchen Verbesserungen der Tierhaltung verbauen wir keinesfalls ein Umdenken „weg vom Fleisch“; aus unserer Sicht wäre es sogar unterlassene Hilfeleistung für die Tiere, wenn wir Verbesserungen ablehnend gegenüber stehen würden.

Aus diesem Grund lassen wir hier einen Bauern zu Wort kommen, der nicht nur um eine wirklich artgerechte Rinderhaltung bemüht ist, sondern seinen Tieren einen sanften Tod auf der Weide ohne angstvollen Transport zum Schlachthof gewähren will. Wegen jahrelanger Widerstände seitens der Behörden ging er sogar vor Gericht und gefährdete seine Existenz. Denn er wollte keinem Tier mehr einen Transport zum Schlachthof zumuten, den er selbst als Vorhof zur Hölle bezeichnet.

Seine Rinder werden zwischenzeitlich in einer Herde auf der Weide gehalten und vermehren sich dort nach Lust und Laune. In der Anfangszeit passierten ihm Fehler, die er in einer 24seitigen Broschüre über seine Tierhaltung auch nicht verschweigt.

Die Tötung darf seit kurzem auf der Weide mittels Gewehrschuss aus dem den Tieren vertrauten Traktor beim liegenden Rind erfolgen, so dass einerseits die Betäubung des Tieres gleich eintritt und es schmerzlos stirbt und andererseits die anderen Tiere nicht verstört werden.

URIA® Wildrinder - Neue Wege in der Tierhaltung

Ernst Hermann Maier

Vorwort

S
eit vielen tausend Jahren hält die Menschheit sogenannte Nutztiere. Freie Wildtiere sind von Menschen gefangen, domestiziert und zu den verschiedensten Zwecken genutzt worden.

Leider müssen wir bei eingehender Betrachtung aber feststellen, dass diese Tiere in den allermeisten Fällen missbraucht worden sind und bis zum heutigen Tage missbraucht werden.

Die Liste dieses Missbrauchs ist lang.

Es würde den Rahmen des Vorworts sprengen, wollte man alle Schandtaten aufzählen, welche der Mensch an seinen Mitgeschöpfen begangen hat.

Neben so extremen Fällen wie z. B. Pferde, Elefanten und Delphine zu Kriegszwecken einzusetzen, Affen in den Weltraum zu schießen sowie bei allen möglichen Versuchen Tiere aller Art grausam zu misshandeln, ist die ganz normale Nutztierhaltung in fast allen Fällen nichts anderes als schlichtweg Sklaverei.

Unterschiedlich sind lediglich die jeweiligen Haftbedingungen der Tiere. Es gibt neben ausgesprochen sadistischen Varianten so gut wie alle Formen bis hin zu einigermaßen humaner Tiersklaverei.

Als Sklavenhaltung müssen wir eine Tierhaltung bezeichnen, wenn der Mensch aus Eigennutz und egoistischen Motiven die elementarsten Grundgefühle der ihm anvertrauten Tiere willkürlich missachtet.

Der Mensch, als sogenannte Krone der Schöpfung, hat sich gegenüber seinen Mitgeschöpfen den ihm anvertrauten Tieren, unermessliche Schuld aufgeladen.

Fast immer sind die Aktivitäten der Menschen gegenüber den Tieren ausschließlich von Eigennutz bestimmt gewesen.

Erst in jüngster Zeit mehren sich die Bemühungen, Nutztieren ein artgemäßes Dasein zu ermöglichen. Über diese Entwicklung besteht Grund zur Freude.

Ehe wir uns aber näher damit befassen, gilt es abzuklären, was wir unter dem Begriff „artgemäß“ zu verstehen haben.

Dazu müssen wir uns vergegenwärtigen, wie die Tiere ursprünglich als Wildform gelebt und wie sie sich verhalten haben. Welches die elementarsten Grundgefühle der Tiere sind, die nicht verletzt werden dürfen, damit sie wieder normale Verhaltensweisen entwickeln können und nicht mehr verhaltensgestört sein müssen.

Dazu gilt es zu überlegen, in wieweit es möglich ist, den Tieren die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Am Beispiel einer sich inzwischen entwickelten Rinderhaltungsform, welche wir in Anlehnung an den leider ausgestorbenen Urvater unserer heutigen Haus und Nutzrinder, dem Auerochsen oder Ur mit dem Namen „URIA“ bezeichnet haben, wollen wir verdeutlichen, wie dies möglich ist.

Es soll auch aufgezeigt werden, welche Verhaltensweisen und Fähigkeiten Rinder innerhalb eines vierzehnjährigen Langzeitversuches wieder entwickelt haben, als ihnen entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten gewährt wurden.


Und dann beschreibt Ernst Hermann Maier seine Wege und Irrwege seit seiner Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof. Er schildert alles so lebendig, dass man am liebsten ein ganzes Buch darüber lesen möchte: Wie er als Kleinkind aus dem Hühnertrog einen Brei aus frisch geschrotetem Getreide, Milch und Wasser aß oder als älteres Kind mit Vorliebe zu den Pferden in die Futterkrippe stieg.

Er berichtet, wie die Stallkühe bereits früher an einer Kette gehalten wurden: Nur sonntags durften sie nach dem Füttern und vor dem Kirchgang eine Weile im Dorf an viel zu kurzen Stricken herumgeführt werden. Die „losgelassenen Kettensklaven“ verhielten sich dabei äußerst tollpatschig. Wenn sie zu schnell vorwärts stürmten oder Bocksprünge machten, schlug ihr Führer nach Kräften auf Nase und Hörner. Als Junge machte er dabei die Erfahrung, dass es besser sei, statt des Prügels ein längeres Seil zu benützen. Dies war das erste Mal, dass er feststellen konnte, wie man mit Rindern besser zurecht kommt, wenn man ihnen weniger Gewalt antut und dafür ein kleines Stückchen Freiheit einräumt.....

Viktoria

Viktoria wurde am 29.03.1983 bei uns auf der Weide geboren.

Nachdem wir die Jungtiere nicht mehr von den Müttern trennen konnten und sie auch nicht unbedingt wegen Platzmangels verkaufen mussten, wurde unsere Tierzahl größer. Diese Entwicklung kam uns nicht ungelegen.....

Der Monat Mai des Jahres 1984 war kühl, und der Graswuchs geriet ins Stocken. Unsere Tiere hatten sich in der Freiheit vermehrt, die Weidefläche wurde knapp und wir bekamen Probleme. Die Rinder wollten weiden und waren nicht mehr bereit, Heu zu fressen, statt dessen drückten sie laufend die vorhandenen Stacheldrahtzäune um oder sprangen einfach darüber hinweg, um das Gras anderer Bauern zu verzehren.

Dies gab natürlich Ärger und wir mussten Abhilfe schaffen.

Ein Kollege im ca. 20 km entfernten Dorf Laufen suchte Rinder für seine Weide und so verkauften wir ihm 6 Tiere, darunter auch Viktoria.

Drei Monate später, an einem Sonntagabend, war ich mit meiner Familie auf der Heimfahrt mit dem Auto. Ich habe die Angewohnheit, stets bei der Weide vorbeizufahren und nach den Tieren zu sehen. Als wir in die Nähe unserer Weide kamen, sahen wir zu unserem Erstaunen einen Polizisten mit Sprechfunkgerät und schussbereiter Maschinenpistole herumlaufen.

Ich fragte: „Was ist denn hier los?“ Er erklärte: „Im Balinger Schlachthof ist ein Stück Vieh ausgerissen und soeben in dieses Tal hinuntergelaufen. Mein Kollege ist ihm nach und wird es gleich erschießen.“ Ich sagte aufgeregt: „Bitte funken Sie Ihrem Kollegen, er darf da unten auf keinen Fall schießen, dort sind unsere Rinder, nicht dass er ein falsches erschießt. Ich gehe gleich hinunter und sehe nach, wo sich das Tier befindet.“

Der Beamte tat mir den Gefallen und ich begab mich ins Tal hinunter zu unseren Tieren. Inmitten der Herde fand ich ein ganz nassgeschwitztes Rind, welches ein Strickhalfter um den Kopf hatte und das Strickende auf dem Boden nachzog.

Es war Viktoria!

Später erfuhr ich, dass der Kollege in Laufen krank wurde und die Rinder einem Viehhändler verkauft hatte, welcher sie in den Schlachthof brachte. Dort riss sich Viktoria los, rannte aus der Stadt hinaus, überquerte zweimal eine stark befahrene Bundesstraße und eine Bahnlinie. Suchte in einer Weide im 4 km entfernten Nachbarort Engstlatt kurz Schutz, floh dort wieder, kehrte zielstrebig auf die Heimatweide zurück und versteckte sich in der Herde.

Ich brachte es nicht übers Herz, dieses kluge und treue Tier erneut seinen Häschern auszuliefern und habe es vom Viehhändler zurückgekauft.

Auf Grund der Erfahrungen mit Viktoria und Alex (Anm. der Red.: Das ist eine weitere Tiergeschichte) werden bei uns keine Tiere mehr lebend verkauft, von der Weide abtransportiert und der Willkür anderer Menschen ausgeliefert.....

Und so beschreibt Ernst Hermann Maier noch weitere erschütternde Tierschicksale, wie das von Anna und ihrem fröhlichen, zutraulichen  Kälbchen  Aline. Die Geschichte trug sich zwei Jahre vorher zu.

Als man glaubte, dass Aline ohne ihre Mutter zurecht kommen würde, wurde diese an einen Schlachter verkauft. Aline stand dabei und musste zusehen, wie ihre Mutter fortgenommen wurde und nicht mehr zurückkam. Seit jener Zeit war Aline verhaltensgestört, ließ sich nicht mehr streicheln, nicht einmal mehr berühren und zeigte tiefe Trauer. Erst nach Jahren ist ihr Zustand besser geworden; ein Ausdruck von Gram ist dennoch verblieben. Seitdem wird bei Ernst Hermann Maier niemals mehr eine Mutterkuh geschlachtet, solange das Jungtier noch nicht geschlechtsreif ist.

Millionen von Kälbchen werden jedoch bereits ganz klein von ihren Müttern getrennt es sind alles traurige Einzelschicksale! Jede einzelne Kuh ruft und trauert um ihr Kälbchen wie auch umgekehrt.

Auch hierzu hat Ernst Hermann Maier erschütternde Tierschicksale aber auch solche mit gutem Ausgang festgehalten. Es ist ihm ein großes Anliegen, dass die Menschen mehr über die Gefühle von Tieren erfahren und darüber nachdenken, was sie den Tieren antun

Quelle: www.tierrechte.de

 

Milchwirtschaft

Modernes Kuhleben

"Milch"-Kühe werden nur noch zur Milchproduktion gehalten. Reproduktion und Laktation sind daher auf das effizienteste durchrationalisiert. Denn jeder Tag, an dem eine Kuh keine Milch gibt, ist ein unnötiger Kuhtag, ein unnötiger Kostenfaktor, denn so ein Tier muss fressen, ca. 50 kg Futter täglich. Eigentlich ist sie keine Kuh mehr, welch altmodischer Begriff aus ferner Zeit, sondern eine Produktionseinheit. Das Leben dieser Produktionseinheit verläuft heute im Schnitt so:

Geben wir ihr, aus alter Sentimentalität einmal einen Namen, z.B. Helene.

Ihre Geschlechtsreife tritt im Alter von 7 - 8 Monaten ein. Helenes erste Besamung findet im Alter von etwa 15 Monaten statt, der Trend geht zu immer früheren Besamungen. Ausschlaggebend dafür ist ihr Lebendgewicht von etwa 400 kg. Anschließend ist Helene etwa neun Monate trächtig. Ungefähr mit 24 Monaten kalbt sie das erste Mal. Das Kälbchen - Anni wird ihr sofort genommen; es darf nicht einmal an ihrem Euter saugen. Die erste Kolostralmilch1 erhält es aus dem Nuckeleimer. Anni wird zukünftig über sog. Milchaustauscher ernährt. Würde sie nämlich die Milch der eigenen Mutter aus ihrem Euter sauen, würde sie möglicherweise krank, bekäme Durchfälle und Infektionen. Denn ihre Verdauungsorgane sind auf den hohen angezüchteten Milchfettgehalt ihrer Muttermilch nicht eingerichtet. Deshalb kann sie nur mit einer entfetteten Milch ernährt werden. Und wenn sie am Euter saugte, müsste man Angst haben, dass Mutter und Tochter sich Infektionen zuzögen, und Helene würde für die von ihr erwartete Milchleistung zu wenig Futter fressen. Zudem bräuchte sie länger bis sie wieder brünstig würde, was ihre Anschlussbesamung verzögern würde. Solch kostenträchtige Risiken werden von vornherein ausgeschaltet, indem Anni unnatürlicherweise nicht ihre Muttermilch erhält. Aber auch die Molkerei bekommt von der Kolostralmilch nichts ab, denn die erste Milch, die Helene 5 Tage lang nach dem Kalben gibt, darf nicht an die Molkerei abgegeben werden, weil sie zum menschlichen Genuß (Hormone!) ungeeignet ist. Endlich, am 6. Tag nach dem Kalben darf Helenes Milch für den menschlichen Verzehr genutzt werden. So beginnt Helene nach etwa 24 Lebensmonaten ihre Milchproduktion für uns Menschen.

Ca. 310 Tage gibt sie Milch, dann ist eine durchschnittliche Laktationsperiode heutzutage zu Ende. Wäre Helene nicht bald nach ihrer ersten Geburt wieder besamt worden, dann stünde sie nach Ende der Laktation ohne wirtschaftlichen Nutzen im Stall herum, was selbstverständlich nicht sein darf. Deshalb wird sie nach einer Wartezeit von 6 bis 8 Wochen, auf Annis Geburt folgend, erneut besamt. Bei Helene gelingt die neue Befruchtung, was bedeutet, dass sie während der weiteren Zeit ihrer Laktation gleichzeitig schwanger ist. Während ihr Körper "Milch gibt", entwickelt sich in ihm gleichzeitig ein neuer Embryo zum Kalb. Das 2. Kälbchen wächst innerhalb weiterer 9 Monate in ihrem Körper heran. Ca. 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin für das 2. Kälbchen, genannt Hubert, wird Helene vor der Geburt "trockengestellt", so der Fachausdruck, was i.d.R. medikamentös (Antibiotika oder Hormone) geschieht. Denn diese Milch, die sie bis kurz vor der Niederkunft geben würde, wäre ebenso wenig wie die Kolostralmilch für den menschlichen Verzehr geeignet. Deshalb kann man auf diese letzte Milch vor der Geburt leicht verzichten. Nachdem Hubert, Helenes 2. Kalb zur Welt gekommen ist, beginnt der Kreislauf von Neuem. Helene ist jetzt etwa 36 Monate alt. Erneut wird ihr das Kalb genommen, ab dem 6. Tag produziert sie wieder Milch für uns, darf 6 - 8 Wochen frei von Schwangerschaft sein um dann erneut besamt zu werden; sie gibt wieder Milch während sie gleichzeitig trächtig ist, wird vor dem Abkalbungstermin wieder mit Medikamenten trockengestellt, kalbt erneut und ein neuer Zyklus beginnt. Mit der 3. Laktation hat Helene ihren Milchlieferungszenit erreicht und schon überschritten. Ihre Kräfte lassen nach. Schwangerschaft und gleichzeitige Laktation, Trockenstand, Geburt, während der Laktation erneute Besamung und Schwangerschaft. Eine solche Nutzung hält kein Tier auf Dauer aus. So beginnt die Milchleistung meist schon in der 4. Laktationsperiode abzunehmen. Und nach der 5. Laktation wird sie unökonomisch So kommt Helene, die den Stress von insgesamt 6 Schwangerschaften und Geburten, 5 Laktationsperioden mit 5 parallelen Schwangerschaften überlebt hat, mit ca. 7 Jahren ins Schlachthaus. Helene war nach heutigen Maßstäben eine gute Kuh, ihr Leben hat sich für den Erzeuger mehr als gelohnt im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen. Sie kommen ihre Erzeuger nämlich teuer zu stehen, wenn ihre Körper zu wenig Milch gegeben haben oder sie in den Befruchtungsstreik getreten sind. Sie mussten früher ins Schlachthaus als Helene, weil eine neue Anschlussbefruchtung sich nicht gelohnt hätte oder gescheitert war. Und das hat die Kosten für ihre Aufzucht als Milchkuh im Verhältnis zu ihrer späteren Milchleistung, sprich Ausbeute, erheblich erhöht. Da war Helene eine richtige Musterschülerin.

Ihre per se befruchtungsschwachen Kolleginnen findet man am häufigsten in den großen Betrieben, die auf extreme Milchleistung durch Hochleistungskühe setzen. Ihr, im Verhältnis zu Helene, kurzes Leben machen sie durch eine höhere Milchleistung wett. Hier tragen sie keine Namen mehr, sondern sind die Nummern auf ihren Ohrmarken: 17007 DE 72- 092. Sie sehen den Schlachthof meist schon nach 2 Laktationen, wenn die Anschlussbefruchtung nicht mehr glückt, andernfalls sind sie nach der 3. Laktation völlig ausgelaugt. Auf 8000 - 10.000 kg Milch pro Laktation muss eine solche Kuh schon kommen, was bedeutet, dass sie in den Wochen ihrer Hauptmilchleistung 45 bis 50 kg Milch täglich geben muss. Eine Kuh, die während ihrer ersten Laktation keine 7000 kg erreicht, wird anschließend ebenfalls gleich ins Schlachthaus geführt. Eine weitere Laktation wäre nicht "sinnvoll", ihre geschätzte Milchleistung läge zu niedrig. In manchen Betrieben werden 17007 und ihre Kolleginnen sogar dreimal am Tag gemolken - üblich sind zweimal - und geben durchschnittlich 35 - 45 Liter Milch täglich. Apropos "melken", auch das ist ein sentimentaler Begriff, "Milchentzug" heißt das heute. In anderen EU Staaten, z. B. Schweden, Finnland, Dänemark, Niederlande und Großbritannien, sowie in den USA, Kanada, Japan2 und Israel sind weitaus höhere Mengen, 50 Liter und mehr täglicher Milchentzug auf dem Zenit einer Laktation keine Seltenheit. Um diese Milchmengen zu produzieren und wenigstens einmal gleichzeitig schwanger zu sein, müssen 17007 und ihre Kolleginnen eine schier unglaubliche Stoffwechselleistung erbringen. Um einen Liter Milch zu produzieren, fließen über 500 Liter Blut durch das Euter! Sie haben richtig gelesen: Riesige Milchmengen führen zu riesigen Stoffwechselumsätzen in den Körpern der Tiere. Das entsprechende Kraftfutter kann ihnen keine Futtermittelindustrie und auch nicht das ausgeklügelste Futtermanagement zur Verfügung stellen. Die notwendigen Nährstoffe müssen sie ihrem eigenen Körper entziehen. Genau darin liegt dann der Profit der Milcherzeuger. Sie sagen dazu, die Kapitalkosten pro Kuh ändern sich ab einem bestimmten Haltungsniveau nicht mehr oder der Erhaltungsaufwand je Kuh bleibt gleich oder die Futtereffektivität steigt mit zunehmender Milchleistung. Im Klartext: Eine Kuh die in 2 Laktationen 20.000 kg Milch gibt, ist profitabler als eine Kuh, die dafür 4 Laktationen benötigt. Das bedeutet, dass die Körper von 17007 und ihrer Kolleginnen mehr und mehr auslaugen. Sie leiden an Pansenübersäuerungen, Stoffwechselstörungen, magern ab und Kalzium wird aus ihren Knochen heraus geschwemmt. Gegen Ende ihres nur kurzen 4- bis 5-jährigen Lebens brechen sie meistens schon häufig zusammen. Zum Schluss bewegen sie sich kaum noch, weil sie sich sonst alle Knochen brechen würden. Nachdem 17007 endlich von ihrem Leben erlöst und ihr Fleisch von den Knochen entfernt ist, sehen die Metzger im Schlachthof, was sie häufig sehen und woran sie sich schon lange gewöhnt haben, die Knochen einer Kuh, die zum Brechen porös sind.

1Kolostral- oder Biestmilch wird die Milch der ersten 5 Tage nach der Kalbung genannt.  2Japan, traditionell kein Milchland, nähert sich in seinen städtischen Zentren westlicher Lebens- und Ernährungsweise teilweise an. Daher gibt es in Japan mittlerweile eine beachtliche, industrielle Milchproduktion. Allerdings nähern sich seit Endes des 2. Weltkriegs die Erkrankungsarten und -raten denen der westlichen Welt an. Der durchschnittliche japanische Milchverbrauch liegt jedoch weit unter dem westlicher Industriestaaten.

Quelle: www.milchlos.de

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