Arbeitskreis humaner

 

                    Tierschutz e.V.   (gegr.1991)

 
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Tiertransporte (Auszug aus "Aktuelle Probleme und Erfordernisse der Tierschutzpolitik" von Dr. E.Guhde)

Sämtliche bisherigen Transport-Verordnungen der EU einschließlich des neuesten niederländischen Vorschlags sind angesichts der täglich ablaufenden Greuel - durch zahlreiche Erfahrungsberichte mehrerer Tierschutzorganisationen belegt - völlig unzulänglich.

Mit dem Beitritt der neuen Staaten entfallen auch für die Tiertransporte zwischen diesen Staaten und der alten EU die früheren Kontrollen an den Ostgrenzen Deutschlands, Österreichs und Italiens, wodurch sich die Leiden, die die Transporte für die Schlachttiere mit sich bringen, vergrößern. Die Auflösung der früher bestehenden Grenzveterinär-Kontrollstellen ist besonders nachteilig, weil die aus Polen oder Tschechien kommenden Tiere bei der Einreise nach Deutschland bereits mehrere Stunden oder Tage unterwegs waren. Hinzu kommt der geplante Stellenabbau bei Polizei und Grenzveterinären, obwohl selbst bei gleichbleibendem Personalumfang die Kontrollintensität nicht beibehalten werden kann. Bezüglich der neuen Außengrenzen der EU ist noch ungeklärt, ob und wann an den zahlreichen neuen Übergangsstellen die erforderliche Infrastruktur vorhanden sein wird, um die notwendige Versorgung der Tiere sicherzustellen und um verletzten oder nicht mehr transportfähigen Tieren wirksam zu helfen. Erforderlich ist eine 24stündige Entladung aller Tiere an den Außengrenzen. Es darf nicht sein, dass die Einhaltung der Tierschutztransport-Richtlinie während des gesamten Transports künftig nicht mehr verlangt wird. Je größer also die EU, desto länger die unkontrollierten Tiertransporte selbst in den Binnengrenzen.

Zu erstreiten sind u.a.: Keine Tiertransporte in Länder außerhalb der EU, zumindest Wegfall aller Prämien für die Ausfuhr von Schlachtvieh aus der EU (entsprechend dem Beschluss des Verkehrsund Umweltausschusses des Europäischen Parlaments), Höchsttransportdauer zumindest für Schlachttiere von 8 Stunden (wobei die Transportzeit ab der Verladung des ersten Tieres bis zum Entladen des letzten Tieres zu rechnen ist); für Zucht- und Nutztiere müssen die Ruheintervalle außerhalb des LKW in amtlich überwachten Ruhestationen stattfinden. Anforderungs-Katalog für Tiertransportschiffe in bilateralen Verträgen mit Zielländern wie Ägypten und Libanon, nur Schlachttiertransporte, generelles Verbot der elektrischen Treibgeräte, geringere Ladedichten und Maximaltemperaturen als bisher, ausreichende Belüftungssysteme, frühester Transport von Ferkeln ab 4 Wochen, von Kälbern ab 2 Wochen, ausreichende, den Tierarten angepasste Tränkeeinrichtungen, präzise Bestimmungen für den Transport von Geflügel, Gefälle der Rampenanlagen maximal 20° (Wiss. Ausschuss für Tiergesundheit und Tierschutz), Ausbau der Kontrollen, Überprüfung der jeweiligen Verordnungen alle zwei Jahre.

Die Bundesregierung ist aktuell gefordert, dahingehend mit der EU-Kommission und den neuen Mitgliedstaaten nachdrücklich zu sprechen und zu verhandeln, darunter all jene Probleme tiergerecht zu behandeln, die sich aus der Erweiterung der EU ergeben wie Wegfall der Kontrollen auf der Ostbzw. Nord-Ost-Süd-Route, völlig ungenügende Versorgung der Tiere und Missachtung weiterer Bestimmungen.

Letztlich ist anzustreben, dass die Schlachttiere nahe an den Herkunftsorten geschlachtet werden und dass das Fleisch dann gekühlt oder gefroren transportiert wird.
Die aktuelle Situation ist durch den neuen Transport-Beschluss des EU-Ministerrats vom 22.12.2004 gekennzeichnet,  der aber  erforderlichen Tierschutzbestimmungen unberücksichtigt lässt wie Transportzeitenbegrenzungen, Besatzdichten u.a. In den nächsten vier Jahren ist nicht mit einer neuen Behandlung dieses Themas auf EU-Ebene zu rechnen.

 

 

Tiertransporte: Fragen und Antworten
Quelle: www.animalprotection.de

Text von: Animal`s Angels

Wie ist die Situation?
Trotz BSE, MKS und Schweinepest werden jedes Jahr alleine in Deutschland rund 450 Millionen Tiere geschlachtet. Alle Tiere werden mindestens einmal transportiert, nämlich zur Schlachtung, die meisten wurden aber bereits als Jungtiere ein- oder mehrmals befördert. Hinzu kommen die Tiere, die innerhalb Europas, aus Europa in Drittländer (z.B. in den Nahen Osten) und aus Drittländern (z.B. Australien) nach Europa transportiert werden.

Rund 100.000 Pferde kommen aus Osteuropa und enden in italienischen, französischen oder belgischen Schlachthäusern. Alleine Deutschland exportiert mehr als 5 Millionen Tiere im Jahr. Unterschieden werden „Zucht“-, „Mast“- und „Schlacht“-tiere. Im Normalfall werden „Zucht“-tiere besser behandelt, da sie wertvoller sind. Transportiert werden: Rinder und Kälber, Pferde, Esel, Schafe und Lämmer, Schweine und Ferkel, Kaninchen, Hühner, Puten, Enten, Gänse, Fische (auch Zierfische für das Aquarium), Meerestiere, Tiere, die für Tierversuche bestimmt sind, Zoo- und Zirkustiere, Hunde, Strauße, Exoten. Transportiert wird per Lkw, Bahn, Schiff und Flugzeug, in manchen Ländern per Pkw oder auf dem Fahrrad.

Warum werden lebende Tiere und nicht Kühlfleisch transportiert?
Fordert man beim Statistischen Bundesamt Zahlen über Transporte von Tieren an, muss man die Warennummer angeben und erhält dann Angaben in Stück oder Tonnen. Man muss also davon ausgehen, dass ein „Nutz“tier als reine Ware gehandelt wird, welche den Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage, günstigem Einkauf und gewinnbringendem Verkauf unterliegt.
Weitere Faktoren sind billige Aufzucht- und Mastmöglichkeiten, Ausfuhr aufgrund von Subventionen, Einfuhr aufgrund niedriger Zölle für bestimmte Tiere, strengere Haltungsbedingungen in einzelnen Staaten oder Besonderheiten bei der Schlachtung.

Zwar wird Kühlfleisch in großen Mengen transportiert, aber aus rein wirtschaftlichen und traditionellen Gründen wird es Lebendtransporte in absehbarer Zeitleider nicht ersetzen.
So wurden mit EU-Geldern Großschlachthöfe in strukturschwachen Gebieten errichtet. Um ihre Kapazitäten auszunutzen, locken sie mit niedrigen Preisen. Kleinere Schlachthöfe können nicht konkurrieren und schließen. Viele Konsumenten legen Wert auf Fleisch aus dem eigenen Land. Oft ist die Nachfrage größer als das Angebot, oder der Preis im eigenen Land ist „zu hoch“. Also werden Tiere dort eingekauft, wo sie billig sind, lebend importiert, geschlachtet und dann als heimisches Produkt vermarktet.
Um den Rindfleischmarkt in der EU zu „entlasten“, wird der Export von Rindfleisch und lebenden Rindern durch Exporterstattungen subventioniert. Mit 200 Euro pro Tier ist der Steuerzahler beteiligt. Aus religiösen und traditionellen Gründen hinsichtlich der Schlachtung wollen bestimmte Länder lebende Tiere. Allein 2002 hat Deutschland aus diesem Grund 103.636 Bullen auf die 6-8 Tage dauernde Schiffsreise übers Mittelmeer geschickt.
Pferde werden überwiegend lebend transportiert, weil in Importländern wie Frankreich und Italien eine breite Akzeptanz von Kühlfleisch fehlt.
Kälber werden von Deutschland nach Spanien transportiert, da in Spanien Haltungsformen zur Mast (White Veal) erlaubt sind, die in Deutschland mittlerweile verboten sind.

Wie muss man sich „Schlacht“tiertransporte vorstellen?
Tiertransporte stützen einen kompletten Wirtschaftszweig, der jährlich Neuerungen für Tierverladung und -transport herausbringt und Millionen Euro Umsatz macht. Je nach Tierart sind die Lkws unterschiedlich eingerichtet, was durch die Richtlinie zum Schutz von Tieren beim Transport vorgeschrieben wird, so dürfen Pferde nur einstöckig geladen werden, Schafe, Lämmer und Kälber bis zu dreistöckig. Animals’ Angels-Teams haben schon bis zu 1000 Lämmer und Schafe auf einem Lkw gezählt.

Welche Vorschriften gibt es?
Innerhalb der EU gilt die Richtlinie zum Schutz von Tieren beim Transport, die eine Transporthöchstdauer von 8 Stunden vorsieht. Die Transportzeit darf allerdings unter bestimmten Ausnahmen unendlich verlängert werden, z.B. beim Transport in Spezialfahrzeugen und unter Einhaltung von Pausen- und Versorgungsintervallen. Die Ausnahme ist in der Praxis jedoch zur Regel geworden.
Die EU-Mitgliedsstaaten und einige Beitrittskandidaten haben die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt, der Vollzug ist in den meisten Mitgliedsstaaten aber mangelhaft.
Aufgrund schockierender Berichte über Tiertransporte hat das EU-Parlament im November 2001 eine Begrenzung der Tiertransporte auf 8 Stunden oder 500 Kilometer gefordert. Die EU-Kommission lässt immer noch auf eine überarbeitete tiergerechtere Version der EU-Richtlinie warten. Zu einer zeitlichen Begrenzung von Tiertransporten wird es aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht kommen.
Die Subventionen für den Export von Rindern wurden mittlerweile gestrichen, jedoch sind Länder, die lebende Rinder aus religiösen oder rituellen Gründen einführen wollen (z.B. Libanon), ausgenommen.

Wie lange dauert eine solche Fahrt?
Die kürzeste Fahrt ist natürlich diejenige, die bis zum nächsten Schlachthof führt. Das ist im günstigsten Fall eine oder zwei Stunden und wird oft vom Bauern selbst übernommen. Meistens jedoch werden die Tiere an zentralen Umschlagplätzen oder Märkten von Händlern gekauft, die sie an in weit entfernte Schlachthöfe bringen oder bringen lassen. Solche Transporte dauern je nach Tierart und Herkunfts- und Bestimmungsland bis zu 8 Tagen (z.B. Pferde von Weißrussland bis Sardinien 6 Tage, Schafe von Spanien nach Griechenland 5 Tage, Kälber von Deutschland bis Spanien 30 Stunden, Bullen von Deutschland in den Libanon 8 Tage). Tiere, die per Schiff z.B. von Australien nach Ägypten transportiert werden, sind bis zu 3 Wochen unterwegs.

Werden die Tiere unterwegs versorgt?
Kontrollen staatlicher Stellen finden viel zu selten statt. Aus diesem Grund entladen und versorgen nur die verantwortungsbewussten Transporteure. Bei Langstreckentransporten sollten die Fahrzeuge mit Futter und Tränkesystem ausgestattet sein. Das Tränkesystem ist häufig vorhanden, aber bei vielen unserer Kontrollen zeigt sich, dass der Wassertank leer ist.