Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.                                                                             gegründet: 1991    

      

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SACHSEN:

Jäger kassieren Prämien für abgeschnittene Fuchsohren!

Foto rechts: Nahe Meißen fand ein Mitglied des Ak auf einer Müllhalde zwei tote Füchse. Ihre Ohrspitzen waren abgetrennt.

      
 
SÄCHSISCHE STAATSKANZLEI 
Bürgerbüro
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Tel.: +49 (0)351.564.1370 | Fax: +49 (0)351.564.1025
walter.siegemund@sk.sachsen.de | www.sachsen.de
 
 
 
Abschussprämie für Füchse

Sehr geehrter Herr Dr. Siegemund,

zu Ihrem Standard-Rundschreiben an verschiedene Kritiker (z.B. am 24.02.an Ursula Schildt - s. untenstehend) zu der im Betreff näher benannten Sache, haben wir nur eine einzige Frage: Ihrem Schreibstill zufolge sind Sie offenbar auch eine Koryphäe des Jagdgeschehen? Ist dem so? Inhaber eines Jagdscheines den man heute im Schnelldurchgang erhecheln kann - und der dann leider oftmals  wie ein "Persilschein" gehandhabt wird?   "Wir Jäger sind begnadete Menschen" formulierte einst in überwältigend bescheidener Selbsteinschätzung Jagdautor Fritz von Forell. Und ähnlich selbstherrlich präsentieren Sie Ihre Weisheiten über die Notwendigkeit der Fuchsbejagung.

Putzig zu lesen Ihre anschauliche Schilderung der Füchse in der Stadt. Sie wundern sich und schließen scharfsinnig daraus, dass es zuviele Füchse gibt!?     Füchse entziehen sich logischerweise dem Jagdruck in Wald und Flur.  In  den Müllhalden der Städte die die "Dornen-Krone der Schöpfung" fabriziert, läßt es sich bequemer leben - sie beschreiben das sehr anschaulich. Gerade die von Ihnen mit Kopfprämien angeheizte Jagdgier treibt die Füchse in die Städte - was Sie nun wieder als "Beleg" für die "Fuchsplage" propagandistisch den unbedarften Bürgern als der Weisheit letzter Schluß mit freundlichen Worten um die Ohren geben. Schizophrener geht es wirklich nicht mehr.  Dass - wie von Ihnen sich selbst bestätigend - in anderen Bundesländern auch  "Fuchsprämien" ausgelobt werden, macht den Skandal nicht kleiner. Auch andere Länder nehmen für sich in Anspruch, reichlich mit Unverstand gesegnet zu sein.

Schlicht falsch ist die Annahme die Natur könne sich nicht selbst regulieren.  Alles andere Denken ist geistige Umweltverschmutzung. Sie sollten sich zu Ihrer Wissenserweiterung entsprechend aktuelle Literatur zu Gemüte führen. Eine ökologisch begründete Jagd besteht nicht. Die Evolution hat die Natur über Millionen Jahre hinweg befähigt, eigene Regelmechanismen für das Gleichgewicht in Tier- und Pflanzenwelt zu entwickeln. Der Wildbestand reguliert sich auch heute ohne große Beutegreifer wie Wölfe auf normale Populationsgrößen ein. Das zeigen Nationalparks - man muß der Natur nur die Zeit einräumen diese normalen Regulationsmechanismen aufzubauen.

Jagd ist nun mal ein ständiger, schwerer Eingriff in das Gleichgewicht der Natur - ein die Umwelt schädigendes, schlimmes Überbleibsel unbewältigter Neandertal-Mentalität, das Theodor Heuss als eine "Nebenform menschlicher Geisteskrankheit" bezeichnete. Der seinen Killerinstinkt mittlerweile beherrschende Normalbürger steht verständnislos wie einst der Altbundespräsident, vor dieser mit viel Brimborium verbrämten (Jagd-)Lust am Töten.

Freundliche Grüße
Ulrich Dittmann / 25.02.2010
Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.
E-Mail:
ulrich.dittmann-arbeitskreis-tierschutz@web.de
Internet: www.arbeitskreis-tierschutz.de


 

Unserem Schreiben vorausgegangene Stellungnahme des Bürgerbüros vom  24. 2. 2010 zu einem e-mail -Schreiben

Betreff: Ausrottung unserer Füchse

Sehr geehrte Frau Schildt,
  
Herr Ministerpräsident Tillich dankt Ihnen für Ihre Anfrage und hat das Bürgerbüro beauftragt, Ihnen zu antworten.
  
In den letzten Tagen häuften sich bei mir E-Mails zur Frage der Abschussprämie für Füchse. Interessanterweise kamen sie vorzugsweise nicht aus Sachsen, sondern fast ausschließlich aus den westlichen Bundesländern - wie auch Ihre Anfrage. Das zeigt, dass interessierte Kreise bei Leuten, die die sächsischen Verhältnisse nicht kennen, offenbar leichter eine Hype erzeugen können als bei Leuten, die Bescheid wissen. Ich freue mich, dass Sie - Im Gegensatz zu anderen Zuschriften, wo nur aus dem Bauch heraus geschimpft wird - eine Aufklärung anfordern. Ich will sie Ihnen gern geben.
  
Zunächst: Abschussprämien für Füchse haben in Deutschland (sowohl in der alten Bundesrepublik als auch in der DDR) eine lange Tradition, weil Jäger zwar durch das geschossene Wild mit dem so gewonnenen Wildbret Vorteile haben, durch geschossene Füchse oder Raubzeug nicht.  Z.B. legen Jäger mit den Innereien ausgebrochenen Wildes schon immer sogenannte Luderschächte an, mit denen Füchse und Raubzeug angelockt und geschossen werden können. Auch in westlichen Bundesländern gibt es eine Abschussprämie für Füchse, in Rheinland-Pfalz beträgt sie z.B. mit 40 € das Doppelte der sächsischen. Haben Sie dort schon nachgefragt?
  
Es ist nicht - wie Sie ungeprüft annehmen - eine Ausrottungsaktion.
Wie Sie möglicherweise wissen, haben Jäger die Aufgabe, den Wildbestand so zu regulieren, dass das biologische Gleichgewicht erhalten bleibt, nicht z.B. durch Wildschweine Saaten durchwühlt werden oder das überhand nehmende Schwarz-, Reh- und Rotwild den Jungforst durch Verbiss schädigt. (Übrigens war das schon früher so, ich erinnere nur an den Jägerchor aus dem "Freischütz", wo es heißt: "  ... den blutigen Wolf und den Eber zu fällen, der gierig die grünenden Saaten durchwühlt ...", wie Sie sicher wissen.). Da der Fuchs keine natürlichen Feinde hat, wie auch das Schwarz-, Rot- oder Rehwild  (früher waren die natürlichen Feinde Bären und Wölfe), wird der Bestand nicht natürlich reguliert.
  
Seit bei Füchsen z.B. in Sachsen (und auch im übrigen Deutschland) keine Tollwut - eine wesentliche Todesursache von Füchsen bisher - auftritt, hat der Bestand drastisch zugenommen. Mittlerweile ist der Fuchs sogar Bewohner der Großstädte. Mir begegnen z.B. auf meinem Arbeitsweg mit dem Rad in Dresden oft früh Füchse, die auch nicht - wie früher - sehr scheu sind. Neulich schaute sogar ein junger Fuchs durch unsere Verandatür ins Zimmer, und auch ein Altfuchs wollte sich partout nicht verjagen lassen. Immer wieder wird berichtet, dass Füchse Abfalltonnen und -haufen durchwühlen, auch auf meinem Arbeitsweg kann ich solche durchwühlten Abfalltonnen sehen.  Das ist übrigens nicht nur in Sachsen so. Der Fuchs jedoch ist der natürliche Feind des übrigen Niederwildes, wie Fasanen, Hasen, Kaninchen, Dachse oder bodenbrütende Vogelarten. Je mehr Füchse - desto mehr wird das Niederwild und damit das biologische Gleichgewicht geschädigt. Wollen Sie das?
  
Aus Tierschutzgründen und um des biologischen Gleichgewichts willen müssen Füchse also gezielt bejagt werden. Zudem wird dadurch die Gefahr durch den auch für Menschen gefährlichen und gelegentlich tödlichen Fuchsbandwurm verringert und das erneute Ausbrechen der Tollwut (es wandern auch Füchse aus anderen Ländern, die noch nicht tollwutfrei sind, ein) im Keim erstickt, ganz abgesehen von hygienischen Gründen bei durchwühlten Abfallbehältnissen. Durch die Abschussprämie wird der übergroße Bestand an Füchsen staatlich kontrolliert auf ein umweltverträgliches Maß, wie es schon vorher jahrhundertelang geherrscht hat, reduziert. Auch ganze Fuchskadaver werden abgegeben und können tierveterinärärztlich untersucht werden, selbst abgeschnittene Ohren (sie werden abgeschnitten, wenn der Fuchs tot ist, also keine Tierquälerei) können Auskunft über Krankheiten geben. Ein einziger Fall, bei dem einem überfahrenen Fuchs die Ohren abgeschnitten wurden wird gegenüber Hunderten waidgerecht getöteten Füchsen maßlos aufgebauscht und wahrheitswidrig als Alltäglichkeit berichtet.
 
Sie sind - so scheint es - einer Hysterie aufgesessen, die Unkenntnis über die tatsächlichen Verhältnisse ausnutzt. Ich traue Ihnen so viel gesunden Menschenverstand zu, bei besserer Kenntnis die Haltlosigkeit einer Ausrottunghysterie zu erkennen.
 
Mit freundlichem Gruß 
 
 
Dr. Walter Siegemund
Leiter Bürgerbüro