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| SACHSEN:
Jäger kassieren Prämien für abgeschnittene
Fuchsohren!
Foto rechts: Nahe Meißen fand ein Mitglied des Ak auf
einer Müllhalde zwei tote Füchse. Ihre Ohrspitzen waren
abgetrennt. |
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SÄCHSISCHE
STAATSKANZLEI
Bürgerbüro
Archivstraße 1 |
01097 Dresden |
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Fax: +49 (0)351.564.1025
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www.sachsen.de
Abschussprämie für Füchse
Sehr geehrter Herr
Dr. Siegemund,
zu
Ihrem Standard-Rundschreiben an verschiedene
Kritiker
(z.B. am
24.02.an Ursula Schildt - s. untenstehend)
zu der im Betreff näher benannten
Sache, haben wir nur eine einzige Frage:
Ihrem Schreibstill zufolge sind Sie offenbar
auch eine Koryphäe des Jagdgeschehen? Ist
dem so? Inhaber eines Jagdscheines den man
heute im Schnelldurchgang erhecheln kann -
und der dann leider oftmals wie ein
"Persilschein" gehandhabt wird? "Wir Jäger
sind begnadete Menschen" formulierte einst
in überwältigend bescheidener
Selbsteinschätzung Jagdautor Fritz von
Forell. Und ähnlich selbstherrlich
präsentieren Sie Ihre Weisheiten über die
Notwendigkeit der Fuchsbejagung.
Putzig zu lesen Ihre anschauliche
Schilderung der Füchse in der Stadt. Sie
wundern sich und schließen scharfsinnig
daraus, dass es zuviele Füchse gibt!?
Füchse entziehen sich logischerweise dem
Jagdruck in Wald und Flur. In den
Müllhalden der Städte die die "Dornen-Krone
der Schöpfung" fabriziert, läßt es sich
bequemer leben - sie beschreiben das sehr
anschaulich. Gerade die von Ihnen
mit Kopfprämien angeheizte Jagdgier treibt
die Füchse in die Städte - was Sie nun
wieder als "Beleg" für die
"Fuchsplage" propagandistisch den
unbedarften Bürgern als der Weisheit letzter
Schluß mit freundlichen Worten um die Ohren
geben. Schizophrener geht es wirklich nicht
mehr. Dass - wie von Ihnen sich selbst
bestätigend - in anderen Bundesländern
auch "Fuchsprämien" ausgelobt werden, macht
den Skandal nicht kleiner. Auch andere
Länder nehmen für sich in Anspruch,
reichlich mit Unverstand gesegnet zu sein.
Schlicht falsch ist die Annahme die Natur
könne sich nicht selbst regulieren. Alles
andere Denken ist geistige
Umweltverschmutzung. Sie sollten
sich zu Ihrer Wissenserweiterung
entsprechend aktuelle Literatur zu Gemüte
führen. Eine ökologisch begründete Jagd
besteht nicht. Die Evolution hat die Natur
über Millionen Jahre hinweg befähigt, eigene
Regelmechanismen für das Gleichgewicht in
Tier- und Pflanzenwelt zu entwickeln. Der
Wildbestand reguliert sich auch heute ohne
große Beutegreifer wie Wölfe auf normale
Populationsgrößen ein. Das zeigen
Nationalparks - man muß der Natur nur die
Zeit einräumen diese normalen
Regulationsmechanismen aufzubauen.
Jagd ist nun mal ein ständiger, schwerer
Eingriff in das Gleichgewicht der Natur -
ein die Umwelt schädigendes, schlimmes
Überbleibsel unbewältigter
Neandertal-Mentalität, das Theodor Heuss als
eine "Nebenform menschlicher
Geisteskrankheit" bezeichnete. Der seinen
Killerinstinkt mittlerweile beherrschende
Normalbürger steht verständnislos wie einst
der Altbundespräsident, vor dieser mit viel
Brimborium verbrämten (Jagd-)Lust am Töten.
Freundliche Grüße
Ulrich Dittmann / 25.02.2010
Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.
E-Mail:
ulrich.dittmann-arbeitskreis-tierschutz@web.de
Internet:
www.arbeitskreis-tierschutz.de
Unserem Schreiben vorausgegangene
Stellungnahme des Bürgerbüros vom 24.
2. 2010 zu einem e-mail -Schreiben
Betreff: Ausrottung unserer Füchse
Sehr geehrte Frau Schildt,
Herr Ministerpräsident Tillich
dankt Ihnen für Ihre Anfrage und
hat das Bürgerbüro beauftragt,
Ihnen zu antworten.
In den letzten Tagen häuften
sich bei mir E-Mails zur Frage
der Abschussprämie für Füchse.
Interessanterweise kamen sie
vorzugsweise nicht aus Sachsen,
sondern fast ausschließlich aus
den westlichen Bundesländern -
wie auch Ihre Anfrage. Das
zeigt, dass interessierte
Kreise bei Leuten, die die
sächsischen Verhältnisse nicht
kennen, offenbar leichter eine
Hype erzeugen können als bei
Leuten, die Bescheid wissen. Ich
freue mich, dass Sie - Im
Gegensatz zu anderen
Zuschriften, wo nur aus dem
Bauch heraus geschimpft wird -
eine Aufklärung anfordern. Ich
will sie Ihnen gern geben.
Zunächst: Abschussprämien für
Füchse haben in Deutschland
(sowohl in der alten
Bundesrepublik als auch in der
DDR) eine lange Tradition, weil
Jäger zwar durch das geschossene
Wild mit dem so gewonnenen
Wildbret Vorteile haben, durch
geschossene Füchse oder Raubzeug
nicht. Z.B. legen Jäger mit den
Innereien ausgebrochenen Wildes
schon immer sogenannte
Luderschächte an, mit denen
Füchse und Raubzeug angelockt
und geschossen werden
können. Auch in westlichen
Bundesländern gibt es eine
Abschussprämie für Füchse, in
Rheinland-Pfalz beträgt sie z.B.
mit 40 € das Doppelte der
sächsischen. Haben Sie dort
schon nachgefragt?
Es ist nicht - wie Sie ungeprüft
annehmen - eine
Ausrottungsaktion.
Wie Sie möglicherweise wissen,
haben Jäger die Aufgabe, den
Wildbestand so zu regulieren,
dass das biologische
Gleichgewicht erhalten bleibt,
nicht z.B. durch Wildschweine
Saaten durchwühlt werden oder
das überhand nehmende
Schwarz-, Reh- und Rotwild den
Jungforst durch Verbiss
schädigt. (Übrigens war das
schon früher so, ich erinnere
nur an den Jägerchor aus dem
"Freischütz", wo es heißt: "
... den blutigen Wolf und den
Eber zu fällen, der gierig die
grünenden Saaten durchwühlt
...", wie Sie sicher wissen.).
Da der Fuchs keine natürlichen
Feinde hat, wie auch das
Schwarz-, Rot- oder Rehwild
(früher waren die natürlichen
Feinde Bären und Wölfe), wird
der Bestand nicht natürlich
reguliert.
Seit bei Füchsen z.B. in Sachsen
(und auch im übrigen
Deutschland) keine Tollwut -
eine wesentliche Todesursache
von Füchsen bisher - auftritt,
hat der Bestand drastisch
zugenommen. Mittlerweile ist der
Fuchs sogar Bewohner der
Großstädte. Mir begegnen z.B.
auf meinem Arbeitsweg mit dem
Rad in Dresden oft früh Füchse,
die auch nicht - wie früher -
sehr scheu sind. Neulich schaute
sogar ein junger Fuchs durch
unsere Verandatür ins Zimmer,
und auch ein Altfuchs wollte
sich partout nicht verjagen
lassen. Immer wieder wird
berichtet, dass Füchse
Abfalltonnen und -haufen
durchwühlen, auch auf meinem
Arbeitsweg kann ich solche
durchwühlten Abfalltonnen sehen.
Das ist übrigens nicht nur in
Sachsen so. Der Fuchs jedoch ist
der natürliche Feind des übrigen
Niederwildes, wie Fasanen,
Hasen, Kaninchen, Dachse oder
bodenbrütende Vogelarten. Je
mehr Füchse - desto mehr wird
das Niederwild und damit das
biologische Gleichgewicht
geschädigt. Wollen Sie das?
Aus Tierschutzgründen und um des
biologischen Gleichgewichts
willen müssen Füchse also
gezielt bejagt werden. Zudem
wird dadurch die Gefahr durch
den auch für Menschen
gefährlichen und gelegentlich
tödlichen Fuchsbandwurm
verringert und das erneute
Ausbrechen der Tollwut (es
wandern auch Füchse aus anderen
Ländern, die noch nicht
tollwutfrei sind, ein) im Keim
erstickt, ganz abgesehen von
hygienischen Gründen bei
durchwühlten Abfallbehältnissen.
Durch die Abschussprämie wird
der übergroße Bestand an Füchsen
staatlich kontrolliert auf ein
umweltverträgliches Maß, wie es
schon vorher jahrhundertelang
geherrscht hat, reduziert. Auch
ganze Fuchskadaver werden
abgegeben und können
tierveterinärärztlich untersucht
werden, selbst abgeschnittene
Ohren (sie werden abgeschnitten,
wenn der Fuchs tot ist, also
keine Tierquälerei) können
Auskunft über Krankheiten geben.
Ein einziger Fall, bei dem einem
überfahrenen Fuchs die Ohren
abgeschnitten wurden wird
gegenüber Hunderten waidgerecht
getöteten Füchsen maßlos
aufgebauscht und wahrheitswidrig
als Alltäglichkeit berichtet.
Sie sind - so scheint es - einer
Hysterie aufgesessen, die
Unkenntnis über die
tatsächlichen Verhältnisse
ausnutzt. Ich traue Ihnen so
viel gesunden Menschenverstand
zu, bei besserer Kenntnis die
Haltlosigkeit einer
Ausrottunghysterie zu erkennen.
Mit freundlichem Gruß
Dr. Walter Siegemund
Leiter Bürgerbüro
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