Arbeitskreis humaner

 

                    Tierschutz e.V.   (gegr.1991)

 
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Die Esel von Nouakchott

Erfahrungsbericht einer Mauretanien-Reise

Im Dezember fuhr ich zusammen mit dem Obmann von RespekTiere nach Mauretanien, Westafrika, um Einsicht in die Situation der dortigen »Arbeitstiere« zu erhalten. Anders als bei uns müssen in diesem Land besonders Esel und Pferde schwerste körperliche Arbeiten verrichten, um so ihren Teil zum Überleben ganzer Familien beizutragen. Der Lohn für ihre Mühen besteht aber nur allzu oft aus Schlägen und unzureichender »Nahrung«, die zu einem erheblichen Teil aus Karton besteht.

Ziel der Reise war die mauretanische Hauptstadt Nouakchott mit ihren ca. 700‘000 - 800‘000 Einwohnern. Demgegenüber stehen nach vorsichtigen Schätzungen rund 60‘000 Esel (offizielle Zahlen existieren nicht), von denen allein 40‘000 zum Transport von Wasser eingesetzt werden. Die anderen werden vor allem für schwerste Materialtransporte im Bauwesen benutzt. Da die Stadt zum überwiegenden Teil über keine Trinkwasserleitungen verfügt, schleppen die Tiere tagein tagaus ihre immense Last von den zahlreichen Wasserstellen zu den Haushalten. Dabei wird keine Rücksicht auf die Statur und Anatomie der Esel genommen. Die wegen ihres hohen Eigengewichtes selbst ohne Fracht kaum zu bewegenden einachsigen Wagen werden mit zwei Fässern (meist alte Ölfässer!) à 200 Liter Trinkwasser beladen – dazu kommt selbstverständlich dann auch noch das Gewicht des Fahrers!

Die extremen Temperaturen - selbst in der für Mauretanien kältesten Jahreszeit im Dezember und Januar klettert das Thermometer regelmässig über 30°C - scheinen den Tieren noch weniger zu schaffen zu machen, aber gegen die schweren, permanenten Stockschläge ihrer Besitzer, gibt es keine Deckungsmöglichkeiten. So sind die Rücken der armen Lasttiere sehr häufig mit blutigen und offenen Wunden übersät. Aber auch das billigst zusammengeflickte Zaumzeug aus völlig ungeeignetem Material, welches bei jedem Schritt scheuert, führt bei den Eseln unweigerlich zu schmerzhaften Wunden.

Viele Tiere werden von ihren Besitzern gekennzeichnet, um Verwechslungen oder Diebstahl vorzubeugen. So fehlt manchen ein halbes Ohr, anderen gleich zwei. Wiederum andere werden Markierungen ins Fleisch geschnitten, was dann sehr häufig zu Vereiterungen führt. Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass so manche dieser bedauernswerten Kreaturen überhaupt noch ihren Dienst tun können, ihre Körper überzogen von Spuren brutalster Misshandlungen. Trotzdem stemmen sie sich zwölf Stunden am Tag gegen das Gewicht ihrer Last und die schier erdrückende Hitze.

Scheinbar stoisch ertragen sie die Millionen von Fliegen, für welche ihre Verletzungen eine ideale Brutstätte darstellen. Nimmt man sich jedoch die Zeit und blickt in ihre Augen, wird die ganze Tragik der Prozedur allerdings im Bruchteil einer Sekunde offenbart – diese Geschöpfe sind gebrochen vom Leben und haben resigniert; jeglicher Glanz ist erloschen. Ihr einziger Hoffnungsschimmer scheint in der Tatsache zu bestehen, dass ihre Lebenserwartung wohl nur einige wenige Jahre betragen kann, obwohl behauptet wird, dass sie ein Durchschnittsalter von 15 Jahren erreichen.

Warum die Männer (Frauen dürfen die Gespanne nicht lenken) die ihnen auf Gedeih und Verderb Ausgelieferten so schlecht behandeln, lässt sich nur vermuten – schlieslich stellen diese ja in den meisten Fällen ihre einzige Einnahmequelle dar! Zudem verbietet die Staatsreligion, der Islam, eigentlich die Misshandlung sowohl von Mensch als auch von Tier. Und trotzdem kommen die schweren Knüppel wieder und wieder zum Einsatz, oft sogar nur zur Bekämpfung der beklemmenden Langeweile während des Transports; seit Jahrhunderten wurde das so gehandhabt...

Seit 2001 gibt es aber nun endlich jemanden, der sich diesen scheinbar unüberwindlichen Hindernissen mit allen Mitteln entgegensetzt. Die englische Organisation SPANA (http://www.spana.org) hat sich der Bekämpfung dieser Grausamkeiten verschrieben. Im Dienste dieser Organisation verrichtet ein Team von 10 Mänern die Arbeit an vorderster Front.
SPANA hat im allerärmsten Stadtviertel eine Basisstation mit »Hospital« aufgebaut, wo die Menschen ihre verletzten Tiere umsonst behandeln lassen können. Ausserdem gibt es eine mobile Station, ein für diese Einsätze extra eingerichter Jeep, der mit 2 Tierärzten und einigen Helfern bestückt während 2 Stunden pro Tag seine Arbeit direkt an den Wasserstellen verrichtet. Ganz wichtig: die Basisstation verfügt auch über einen Schulungsraum, wo zweimal wöchentlich immer wechselnde Schulklassen in Praxis und Theorie zur Tierliebe erzogen werden sollen!


Dank SPANA erhalten die Esel nun also erstmals kompetente medizinische Betreuung - bisher wurden ihre Wunden von den Besitzern allenfalls mit einer Mischung aus Öl und Teer »behandelt«, um so den Fliegenbefall zu verhindern. Jeder, der die kostenlose Hilfe in Anspruch nimmt, muss sich verpflichten, seine Tiere in Zukunft nicht mehr zu schlagen. Leider nicht immer mit Erfolg. Heute, nach fast fünf Jahren aufopfernder Arbeit, kann ein Fünftel der Stadt abgedeckt werden, berichtet uns der Leiter des Zentrums voll Stolz.

Die Arbeit dieser Männer ist völlig unverzichtbar - niemand anderen kümmert das Schicksal der Tiere - und trotzdem ist es zur Zeit immer noch nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. Mit einer besseren Auslastung der vorhanden oder allenfalls sogar einer zweiten mobilen Station könnten viel mehr Tiere betreut und verarztet werden. Auch eine zweite fixe Basisstation wäre sehr wünschenswert, da diese dann auch von Bewohnern in weit entfernten Stadtteilen genutzt werden könnte. Ganz wichtig wäre auch ein Transporter, mit dem schwer verletzte Tiere zur ärztlichen Erstversorgung und anschließender Nachversorgung in die Basisstation gebracht werden könnten. Diese und noch viel mehr Dinge würden so dringend benötigt!
Dieses Hilfsprojekt in Nouakchott ist nur ein Projekt von SPANA, die allein in Afrika, Dutzende ähnliche Projekte für Esel und Pferde finanzieren.

Zoo

Einen Zoo hat Nouakchott auch. Das ist das Schrecklichste, was man sich eigentlich vorstellen kann. Alle Tiere, zum Glück gibt es dort nicht viele, leben auf nacktem Beton, keinerlei Spiel- bzw. Beschäftigungsmöglichkeiten, zum Teil ganz allein. Selbst nachträglich beim Betrachten der Bilder treibt es einem die Tränen in die Augen.

Schächten

Da es sich bei Mauretanien um einen islamischen Staat handelt, werden dort alle Tiere geschächtet. So haben wir auch verschiedene Schafschächtstellen besucht. Innerhalb von 30 Minuten wird dort durch die routinierten Schlächter ein Schaf von einem fühlenden Lebewesen in einen Sack voll Fleischstücke verwandelt. Es war das erste mal, dass ich diese Schlachtmethode live miterlebt habe und ich kann nun aus erster Hand bestätigen, dass der Todeskampf nach dem Schächtschnitt ausnahmslos mehrere Minuten dauert.

An einem dieser Schlachtstellen durften wir fotografieren und filmen. Der Film wird so bald als möglich ins Netz gestellt werden - allerdings nur für starke Nerven. Weitere Fotos sind bereits jetzt unter http://www.respektiere.at abrufbar.

Verfasser: Peter Beck, Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.

Mehr Informationen: www.respektiere.at