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Die Esel von Nouakchott
Erfahrungsbericht einer
Mauretanien-Reise
Im Dezember
fuhr ich zusammen mit dem Obmann von RespekTiere nach Mauretanien, Westafrika,
um Einsicht in die Situation der dortigen »Arbeitstiere« zu erhalten. Anders als
bei uns müssen in diesem Land besonders Esel und Pferde schwerste körperliche
Arbeiten verrichten, um so ihren Teil zum Überleben ganzer Familien beizutragen.
Der Lohn für ihre Mühen besteht aber nur allzu oft aus Schlägen und
unzureichender »Nahrung«, die zu einem erheblichen Teil aus Karton besteht.
Ziel der
Reise war die mauretanische Hauptstadt Nouakchott mit ihren ca. 700‘000 -
800‘000 Einwohnern. Demgegenüber stehen nach vorsichtigen Schätzungen rund
60‘000 Esel (offizielle Zahlen existieren nicht), von denen allein 40‘000 zum
Transport von Wasser eingesetzt werden. Die anderen werden vor allem für
schwerste Materialtransporte im Bauwesen benutzt. Da die Stadt zum überwiegenden
Teil über keine Trinkwasserleitungen verfügt, schleppen die Tiere tagein tagaus
ihre immense Last von den zahlreichen Wasserstellen zu den Haushalten. Dabei
wird keine Rücksicht auf die Statur und Anatomie der Esel genommen. Die wegen
ihres hohen Eigengewichtes selbst ohne Fracht kaum zu bewegenden einachsigen
Wagen werden mit zwei Fässern (meist alte Ölfässer!) à 200 Liter Trinkwasser
beladen – dazu kommt selbstverständlich dann auch noch das Gewicht des Fahrers!
Die extremen Temperaturen - selbst in der für Mauretanien kältesten Jahreszeit
im Dezember und Januar klettert das Thermometer regelmässig über 30°C -
scheinen den Tieren noch weniger zu schaffen zu machen, aber gegen die schweren,
permanenten Stockschläge ihrer Besitzer, gibt es keine
Deckungsmöglichkeiten. So sind die Rücken der armen Lasttiere sehr häufig mit
blutigen und offenen Wunden übersät. Aber auch das billigst zusammengeflickte
Zaumzeug aus völlig ungeeignetem Material, welches bei jedem Schritt scheuert,
führt bei den Eseln unweigerlich zu schmerzhaften Wunden.

Viele
Tiere werden von ihren Besitzern gekennzeichnet, um Verwechslungen oder
Diebstahl vorzubeugen. So fehlt manchen ein halbes Ohr, anderen gleich zwei.
Wiederum andere werden Markierungen ins Fleisch geschnitten, was dann sehr
häufig zu Vereiterungen führt. Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass so
manche dieser bedauernswerten Kreaturen überhaupt noch ihren Dienst tun können,
ihre Körper überzogen von Spuren brutalster Misshandlungen. Trotzdem stemmen sie
sich zwölf Stunden am Tag gegen das Gewicht ihrer Last und die schier
erdrückende Hitze.
Scheinbar
stoisch ertragen sie die Millionen von Fliegen, für welche ihre Verletzungen
eine ideale Brutstätte darstellen. Nimmt man sich jedoch die Zeit und blickt in
ihre Augen, wird die ganze Tragik der Prozedur allerdings im Bruchteil einer
Sekunde offenbart – diese Geschöpfe sind gebrochen vom Leben und haben
resigniert; jeglicher Glanz ist erloschen. Ihr einziger Hoffnungsschimmer
scheint in der Tatsache zu bestehen, dass ihre Lebenserwartung wohl nur einige
wenige Jahre betragen kann, obwohl behauptet wird, dass sie ein
Durchschnittsalter von 15 Jahren erreichen.
Warum die Männer (Frauen dürfen die Gespanne nicht lenken) die ihnen auf Gedeih
und Verderb Ausgelieferten so schlecht behandeln, lässt sich nur vermuten –
schlieslich stellen diese ja in den meisten Fällen ihre einzige Einnahmequelle
dar! Zudem verbietet die Staatsreligion, der Islam, eigentlich die Misshandlung
sowohl von Mensch als auch von Tier. Und trotzdem kommen die schweren Knüppel
wieder und wieder zum Einsatz, oft sogar nur zur Bekämpfung der beklemmenden
Langeweile während des Transports; seit Jahrhunderten wurde das so gehandhabt...
Seit 2001 gibt es aber nun endlich jemanden, der sich diesen scheinbar
unüberwindlichen Hindernissen mit allen Mitteln entgegensetzt. Die englische
Organisation SPANA (http://www.spana.org) hat sich der Bekämpfung dieser
Grausamkeiten verschrieben. Im Dienste dieser Organisation verrichtet ein Team
von 10 Mänern die Arbeit an vorderster Front.
SPANA hat im allerärmsten Stadtviertel eine Basisstation mit »Hospital«
aufgebaut, wo die Menschen ihre verletzten Tiere umsonst behandeln lassen
können. Ausserdem gibt es eine mobile Station, ein für diese Einsätze extra
eingerichter Jeep, der mit 2 Tierärzten und einigen Helfern bestückt während 2
Stunden pro Tag seine Arbeit direkt an den Wasserstellen verrichtet. Ganz
wichtig: die Basisstation verfügt auch über einen Schulungsraum, wo zweimal
wöchentlich immer wechselnde Schulklassen in Praxis und Theorie zur Tierliebe
erzogen werden sollen!

Dank SPANA erhalten die Esel nun also erstmals kompetente medizinische
Betreuung - bisher wurden ihre Wunden von den Besitzern allenfalls mit einer
Mischung aus Öl und Teer »behandelt«, um so den Fliegenbefall zu verhindern.
Jeder, der die kostenlose Hilfe in Anspruch nimmt, muss sich verpflichten, seine
Tiere in Zukunft nicht mehr zu schlagen. Leider nicht immer mit Erfolg. Heute,
nach fast fünf Jahren aufopfernder Arbeit, kann ein Fünftel der Stadt abgedeckt
werden, berichtet uns der Leiter des Zentrums voll Stolz.
Die Arbeit
dieser Männer ist völlig unverzichtbar - niemand anderen kümmert das Schicksal
der Tiere - und trotzdem ist es zur Zeit immer noch nur der sprichwörtliche
Tropfen auf dem heißen Stein. Mit einer besseren Auslastung der vorhanden oder
allenfalls sogar einer zweiten mobilen Station könnten viel mehr Tiere betreut
und verarztet werden. Auch eine zweite fixe Basisstation wäre sehr
wünschenswert, da diese dann auch von Bewohnern in weit entfernten Stadtteilen
genutzt werden könnte. Ganz wichtig wäre auch ein Transporter, mit dem schwer
verletzte Tiere zur ärztlichen Erstversorgung und anschließender Nachversorgung
in die Basisstation gebracht werden könnten. Diese und noch viel mehr Dinge
würden so dringend benötigt!
Dieses Hilfsprojekt in Nouakchott ist nur ein Projekt von SPANA, die allein in
Afrika, Dutzende ähnliche Projekte für Esel und Pferde finanzieren.
Zoo
Einen Zoo hat
Nouakchott auch. Das ist das Schrecklichste, was man sich eigentlich vorstellen
kann. Alle Tiere, zum Glück gibt es dort nicht viele, leben auf nacktem Beton,
keinerlei Spiel- bzw. Beschäftigungsmöglichkeiten, zum Teil ganz allein. Selbst
nachträglich beim Betrachten der Bilder treibt es einem die Tränen in die Augen.
Schächten
Da es sich
bei Mauretanien um einen islamischen Staat handelt, werden dort alle Tiere
geschächtet. So haben wir auch verschiedene Schafschächtstellen besucht.
Innerhalb von 30 Minuten wird dort durch die routinierten Schlächter ein Schaf
von einem fühlenden Lebewesen in einen Sack voll Fleischstücke verwandelt. Es
war das erste mal, dass ich diese Schlachtmethode live miterlebt habe und ich
kann nun aus erster Hand bestätigen, dass der Todeskampf nach dem Schächtschnitt
ausnahmslos mehrere Minuten dauert.
An einem dieser Schlachtstellen durften wir fotografieren und filmen. Der Film
wird so bald als möglich ins Netz gestellt werden - allerdings nur für starke
Nerven. Weitere Fotos sind bereits jetzt unter http://www.respektiere.at
abrufbar.
Verfasser: Peter Beck, Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.
Mehr Informationen:
www.respektiere.at |