Arbeitskreis humaner

 

                    Tierschutz e.V.   (gegr.1991)

 
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Genmanipulation von Tieren und die Würde der Kreatur

Gentechnische Manipulation arbeitet weltweit daran, Erbgut und Eigenschaften von Tieren gezielt zu verändern. Mit Hilfe dieser Technik, neuerdings auch mit Klontechnik, werden für das Tierexperiment normierte Tiere produziert und in den Handel gebracht. Eine Variante unter vielen ist die Krebsmaus, in der vom Embryonalzustand an schwere Krankheiten verankert sind, um sie für Experimente »passend« zu machen. Die andere Ebene sind transgene und klonierte »Nutztiere«, wie Schafe, Schweine, Kühe, Kaninchen, Hühner, Truthähne und Fische, um diese »fit« für eine immer intensivere Massentierhaltung mit geringen betriebswirtschaftlichen Kosten zu machen.

Gentechnik will natürliches Leben an die »Sachzwänge« der technischen Zivilisation und der globalisierten Wirtschaft anpassen, sich von der biologischen Evolution freimachen. Leben und Lebewesen werden wie technische Gebilde als planbar, machbar und verfügbar angesehen.

Gentechnik bedeutet Fortführung und Erhöhung der Zahl der Tierversuche.

Allein durch das »Gen-Pharming« (den Versuch, aus tierischem »Material« Medikamentenrohstoffe zu gewinnen), findet eine Ausweitung der Versuche statt. Bei alldem handelt es sich nicht um eine bloße Fortführung bisheriger Züchtungen und Domestikationen mit anderen Mitteln: Vielmehr verändert die gentechnische Manipulation die Tiere derartig tiefgreifend, schnell und häufig unumkehrbar, dass daraus die schwerwiegendsten Probleme entstehen und zwar aus Methoden der Gentechnik und aus den Zielen, die damit verfolgt werden (können).

Warum Genmanipulation von Tieren?

Bezeichnend ist, dass schon 1987 im Enquete-Bericht des Bundestags »Chancen und Risiken der Gentechnik« das wirtschaftliche Wachstum als das wichtigste Beurteilungskriterium für die Anwendung der Gentechnik im nichtmenschlichen Lebensbereich angegeben wird.

Der Biochemiker Prof. Dr. Hans Günter Gassen schreibt in einem Lehrbuch für seine Studenten: »Wie mit einem Baukasten können wir durch Einfügen kleiner und großer DNA-Elemente Lebewesen verändern. Der entscheidende Vorteil der Gentechnik ist dabei der Zeitgewinn. Gentechnische Methoden sind unheimlich schnell. Ähnlich wie die Kernspaltung zur Atombombe, zu Kernkraftwerken geführt hat, wie durch die moderne Elektronik unsere Arbeitswelt verändert wird, wird durch die neue Biologie, besonders die Gentechnik, die Konstruktion von Lebewesen nach von uns geforderten Bedingungen beschleunigt.«

Kurzum: Arten, sogar Tierarten, sollen so umkonstruiert werden, dass sie sich im Sinn der Gentechniker und ihrer Auftraggeber dadurch »zweckmäßig« verhalten, dass sie biologisch und ökonomisch optimiert werden. Es geht um höhere Produktivität und entsprechende Gewinne, darum, dass  die  Tiere  unter  den Bedingungen  der industrialisierten  Tierausbeutung  besser  »funktionieren«, dass man mit ihnen noch rationeller verfahren kann. So wird hinsichtlich der Erzeugung erbgleicher Individuen durch Klonierung damit argumentiert, dass es eben rationeller sei, wenn ein Landwirt 70 oder 80 Kühe im Stall zu stehen hat, die alle gleich sind.

Bei der körperfremden Xenotransplantation wird das Ziel verfolgt, mit gentechnischen Methoden die Biologie des Tieres dem Menschen anzupassen, um die Organe für den Menschen verwendbar zu machen. Das Tier wird zum bloßen Organlieferanten, zum Ersatzteillage reduziert. Den Nachteil hat das Tier: Verletzungen seines Körpers, seiner Identität, seiner Integrität und seiner Würde.

Folgen für Wohlbefinden und Gesundheit der Tiere: Bereits der genannte Gentechnik-Bericht der Enquete-Kommission von 1987 wies darauf hin, dass einseitige Produktionssteigerungen in der Vergangenheit durch regelmäßige Gesundheitseinbußen der Tiere erkauft wurden und befürchtet, dass sich dieser Negativtrend durch die Nutzung gentechnisch veränderter Hochleistungsvarianten noch weiter fortsetzen könnte. Die bisherigen Erfahrungen haben dies bestätigt. Neben den erwarteten Effekten traten unerwartete pathologische Veränderungen auf, die zu »Schmerzen, Leiden oder Schäden« (§ 1 Tierschutzgesetz) führten und somit ein massiver Verstoß gegen diesesn Gesetz sind.

Das beginnt damit, dass aus Sicherheitsgründen alle gentechnisch veränderten Tiere in einer sterilen Umgebung in eigens dafür geplanten Versuchstieranlagen gehalten werden. Die dafür erforderlichen Filterschranken und Reinlufträume sind mit einer tiergerechten Umwelt nicht zu vereinbaren. Ohne hinreichend Raum für soziale Kontakte, ohne Sonne, natürlichen Boden und frische Luft müssen die Tiere ihr Dasein fristen.

In die Keimbahn von Schweinen wurde ein menschliches Wachstumshormon eingepflanzt. Sie sollten eine Art Superschwein werden, das besonders schnell wächst und besonders saftigen Schinken liefert. Erschaffen haben die Gentechniker einen rachitischen Krüppel, apathisch, fast blind, stark behaart und impotent, mit geschwächtem Immunsystem behaftet. Andere »Gen-Sschweine« mit menschlichen Wachstumshormonen litten an Gelenkdeformationen, Lungenentzündung, Magengeschwüren und Herzschwäche.

Das genetisch hergestellte Rinderwachstum rBST führte zu häufigeren Euterentzündungen. Ein Teil der genmanipulierten Mäuse hat Schwierigkeiten bei der Geburt wegen der Übergröße der Föten. Gleiches gilt bei transgengen Rindern(»large-calf-syndrom«).

Gendefekte Mäuse werden »produziert«, nur um an Krebs zu erkranken und zu sterben. Für ein Leben in Gesundheit haben sie keinerlei Chance – in ihrem Erbgut sind das Kranksein und der vorzeitige Tod vorprogrammiert.
Klonierte Tiere weisen oft Entwicklungsstörungen auf, altern und sterben früh.

Die Öffentlichkeit erfährt kaum etwas von den Abertausenden zu Tode experimentierter Tiere und Tier-Embryonen, die schon im Vorfeld zur Herstellung transgener »Modelle« auf der Strecke bleiben, denn die Erfolgszahl der Annahme fremder Gene liegt bei 1-2 %.

Die zu Höchstleistungen gezwungenen Tiere werden an den wirtschaftlichen und industriellen Bedarf zwangsangepasst. Die durch die Genmanipulation verursachten gesundheitlichen Schäden sind auch künftig unabsehbar und unkalkulierbar. Immer weitere transgene Tierversuche bringen neue Krankheitsbilder und Leiden mit sich.
Preisgabe der Ethik

»In den modernen Formen der Nutztierzucht wird überall dort gegen die Kreaturwürde verstoßen, wo aufgrund der Hochleistungsziele gegen die Gesundheit und das physiologische Gleichgewicht der Tiere verstoßen wird.« (Prof. Dr. Günter Altner)

Noch zusätzlich zur Intensiv-Massentierhaltung werden die Tiere zur Fließbandware  degradiert, zur frei manipulierbaren Biomasse: kreatürliche Würde, Integrität und Identität werden vernichtet. Auch die Klontechnik ist als Instrument der Programmierung und Normierung von Leben ein schwerwiegender Verstoß gegen die Würde der Kreatur und das Tierschutzrecht.

»Es scheint, dass unsere Gesellschaft sehr schnell und sehr gedankenlos ist, Nutztiere jetzt auch genetisch auf die Bedingungen der Stalltechnik zurechtzustutzen, anstatt endlich damit zu beginnen, die Haltungsbedingungen tiergerecht zu gestalten – ohne z. B. darüber nachzudenken, wie weit wir die fortgesetzte Spirale genetischer Auf-  und Umrüstungen eigentlich treiben können, wie weit wir diese Spirale treiben wollen. Es wird auch nicht darüber nachgedacht, wie wir damit umgehen wollen, dass sich die Tiere mehr und mehr von ihrer ursprünglichen Genausstattung entfernen und dadurch die Fähigkeit verlieren, ein Leben zu führen, das ihrer ursprünglichen Biologie entspricht.« (Uwe Nickel, Akademie für Tierschutz)

Bezeichnend ist auch, dass der gentechnisch hantierende Mensch auf die von ihm neu konstruierten Lebewesen Patentrechte wie auf technische Erfindungen mit der Begründung geltend macht, dass diese nicht natürlicherweise geworden sind,m vielmehr erst durch Menschen »hergestellt«, »gemacht« wurden. Die Patentierung offenbart sowohl die mechanistische wie die rein anthropozentrische Betrachtung und Behandlung des Lebens. Lebewesen werden wie Sachen und Erfindungen als Besitz behandelt. Ein eigenes Daseinsrecht, ein Recht auf Integrität und Identität der Arten wird nicht einmal für die höchsten Säuger erwogen.

Doch es gibt eine unveräußerliche Würde der nichtmenschlichen Kreatur. Die Wahrung der genetischen Integrität von Tieren ist eine einzuhaltende Grenze. Die Genpatentierung hingegen sanktioniert deren Missachtung und prämiert ihr Überschreiten; sie ist eine Art ökonomischer Treibsatz, der vor allem aus kommerziellen Motiven Eingriffe in die Evolution massiv verstärkt. Transgene Labortiere wie die Krebsmaus und die Alzheimer -Maus oder die SCID-Maus mit stark eingeschränktem Immunsystem finden längst kommerzielle Anwendung und werden weltweit millionenfach »verbraucht«. Ihre Erfinder kassieren entsprechende Lizenzgebühren aus den Patenten.

 »Da das rasche künstliche Fortschreiten im Wege gentechnischer Verfahren viele in der Evolution erlangte Eigenschaften der Tiere irreversibel zu zerstören geeignet erscheint, ist generell nicht abzusehen, was am Ende dieser Entwicklung steht. Neben dem drohenden Verlust der Vielfalt der Eigenschaften von Tieren muss auch die daraus resultierende allgemeine Gefahr einer gestörten Wechselwirkung des genetisch veränderten Tieres mit seiner Umwelt gesehen werden. Auch hier ist noch nicht abzusehen, wie ein derart destabilisiertes Tier sich auf die Herausforderungen seiner Umgebung einstellen kann. Zudem besteht die potentielle Gefahr einer für den menschlichen Nutzen optimierten Art darin, dass weniger brauchbare Arten womöglich nicht mehr gezüchtet werden und so vom Aussterben bedroht sind.« (Paul Bocklet)
Tiere werden in der Gentechnik beliebig verfügbares Rohmaterial; sie werden nicht mehr als individueller Ausdruck der Natur geachtet sondern als rein stoffliche Zusammensetzung.

Auf der Grundlage der Würde der Kreatur muss der Umkonstruktion von Arten, dem biotechnischen Reduktionismus widerstanden werden. Denn die »Produktion« kranker Tiere ist ein Bioverbrechen.

Dipl.-Pol. Dr. Edgar Guhde/PAKT e.V.

 

 

Die Stammzellen

Soll man, soll man nicht, darf man überhaupt, ethisch gesehen? Die Forschung an menschlichen Stammzellen verspricht Gutes, lässt aber auch Schlimmes befürchten (der gezüchtete Mensch!). In der letzten Ausgabe unseres Heftes schrieb ich (im Zusammenhang mit BSE und Verbrennungsanlagen): "Die Ethik wurde abgeschlachtet wie die Tiere selbst". Im Hinblick auf die Stammzellenforschung könnte man sagen, die Ethik liegt auf Eis, ähnlich wie die aus Amerika importierten menschlichen Stammzellen. Aber egal ob abgeschlachtet oder tiefgefroren, in beiden Fällen ist sie wirkungslos. Was natürlich nicht heißt, dass man über das, was nicht ist, auch nicht diskutieren kann, in einer den Bundestag beratenden Ethikkommission zum Beispiel.

Selbstverständlich hat jeder normale Mensch nach wie vor sein ganz persönliches Ethikverständnis, von Wissenschaftlern, die schnell ihre Menschenwürde verletzt sehen, wenn sie nicht dürfen wie sie wollen, über Sie und mich, bis hin zu unserem Bundespräsidenten, genauso wie jeder Mensch seine ganz persönliche Religion besitzt, sofern er überhaupt eine besitzt. In der Regel weicht diese Individualität mehr oder weniger von der Gesellschaftsnorm, also zu dem was durch die Allgemeinheit akzeptiert wird und sich schwarz auf weiß in unseren Gesetzen widerspiegelt, ab. Was mich und meine moralischen Grundsätze (einer handelt von Liebe, ein anderer von der Achtung allen Lebens) betrifft, so beträgt die Abweichung wohl einige Grade zu viel, um die "Bioethik-Diskussion" noch gelassen verfolgen zu können. Woran liegt es genau? An meinem undifferenzierten und universellen Ethikverständnis, ohne Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Dehnbarkeit? Vermutlich. Denn sind es nicht gerade die Eigenschaften eines Kaugummis, die den modernen Ethikbegriff prägen und ihn so "wertvoll" machen? Von der Bioethik bis zur Schlachthausethik, immer schön angepasst an die jeweilige Interessenlage, zeigt sich die Ethik dann auch in ihrer ganzen Vielfalt. Egal über was man also diskutiert, das Ergebnis lautet immer: "Ethisch vertretbar!" So gesehen dürfte es sich nur um eine Frage der Zeit handeln, bis die kommissarischen Ethikexperten die Zellhäufchen aus der Kälte in die begehrenden Hände deutscher Wissenschaftler befördern.

Natürlich wird man vorher wichtige Fragen geklärt (oder erklärt) haben. Wann ist der Mensch ein Mensch? Wann tritt die Menschenwürde hinein in die Zellen? Wichtige Fragen. Nicht jedermann, erst recht nicht jedefrau, wird die Auffassung der Kirche vertreten haben: Eine befruchtete Eizelle, ein paar Zellen beginnenden Lebens, ja, das ist ein Mensch. Seele? Gefühle? Fragezeichen!! Wir wissen, dass sich die Natur, dass sich Gott, um mal bei der Kirche zu bleiben, nicht an die kirchlichen Lehren der Sittlichkeit hält, sonst dürfte ein großer Teil dieser Zellknäuel nicht einfach auf profane Weise in den Toiletten verschwinden (schon 1989 berichtete das New Journal of Medicini, dass 31 Prozent der bereits eingenisteten Embryonen innerhalb der ersten drei Monate spontan abgehen). Wie ist das zu erklären, wenn es sich doch hierbei um Träger der Menschenwürde handelt? Tritt hier vielleicht ein Widerspruch zu Tage, ein weiterer Irrtum oder erweist sich Gott seinen Leuten gegenüber einfach nur als undankbar? "Lass die Spöttelei," sagt mir die innere Stimme, "die Kirche hat´s eh schon schwer genug." Allerdings. Nehmen wir den Tierversuch. Die Forschung an Tieren (ich rede hier nicht von Embryonen oder von Stammzellen) erregt hier (natürlich auch anderswo) keinen Widerstand. Obwohl sie hier nicht erst fragen müssten: Wann ist das Tier ein Tier, sondern wie sieht es aus mit dem Beseeltsein, mit den Gefühlen dieser ausgereiften Lebewesen? Sie könnten sogar nach Herzschlag, Atem und Gehirnfunktion fragen. Die Antworten sind kinderleicht, ihre Nichtbeachtung jedoch eine Tragödie.

Während also über die Würde menschlicher Stammzellen, in der Größe von Bruchteilen eines Millimeters, debattiert wird, wird in vielen anderen Bereichen in teuflischster Weise gegen die Grundprinzipien der Ethik verstoßen ("umweltethisch" und "sozialethisch" gesehen, aber auch "schlachthausethisch ", "jägerethisch", "hühnerproduktionsethisch" usw.).

Doch wie soll man jetzt die eingangs gestellte Frage beantworten? In Anbetracht der Verhältnisse - moralischer Überschuss da, moralische Leere dort - finde ich sie absurd und unzeitgemäß. Unsere Regierung, darunter kann man verstehen was man will, kramt den lieblosen Mantel der Ethik hervor und versucht ihn über das Volk zu stülpen, nicht jedoch, um zu schützen, sondern um darunter die Blicke von "Otto Normalbürger" besser vernebeln zu können. Was sonst soll das ganze Ethiktrara bedeuten? Und noch etwas: Ein Kaugummi wird auch nicht wertvoller, je weiter man ihn in die Länge zieht. Und pustet man ihn einmal zu einer Blase, so endet es in der Regel mit einem großen Knall!

Roland Dunkel / AK/20001