Arbeitskreis humaner Tierschutz e.V.                                                                             gegründet: 1991    

      

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Nationalpark Hainich, Thüringen

Ein Urwald mitten in Deutschland? Leider NEIN!

 

Der Nationalpark soll Weltnaturerbe werden. Auch jagdliche Belange (Wildbestandsregulierung / Ansitzjagden / Bewegungsjagden) spielen hierbei eine Rolle, obwohl es sich doch um einen "Urwald" handeln soll......

So lautet § 15 des Nationalparkgesetzes:
Die ordnungsgemäße Jagdausübung ist im Nationalpark zulässig. Der Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt wird ermächtigt. durch Rechtsverordnung die Ausübung der Jagd im Nationalpark unter Beachtung des Schutzzwecks nach §3 zu regeln.

 

Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz
Herrn Minister Reinholz

Postfach 90 03 65
99106 Erfurt  

den, 24.11.2009

Nationalparkplan  Hainich 

Sehr geehrter Herr Minister Reinholz! 

Für den Freistaat Thüringen bietet sich mit der Neugestaltung des Nationalparks Hainich, verknüpft mit der Bewerbung bei der UNESCO als Weltnaturerbe, eine hervorragende Chance, um ein Stück Naturschutzgeschichte zu schreiben! 

Naturschutz, der seinen Namen wirklich verdient, bekommt seinen Platz im Allgemeinen nur auf dem Papier – z.B. hält Bernd Baumgart, Landschaftsplaner und Buchautor, Deutschland in Sachen Naturschutz gar für ein Entwicklungsland!. Wie gesagt, Thüringen bietet sich nun die Gelegenheit, um wenigstens auf ca. 7.500 ha echten Naturschutz zu betreiben und damit auch kräftig zu werben! Wir bitten Sie sehr herzlich, Herr Minister Reinholz, machen Sie Ihren Einfluss in diesem Sinne geltend. Der Nationalpark Hainich könnte zu einem Aushängeschild für eine vernünftige, innovative Naturschutzpolitik werden! 

Der Weg dahin ist relativ einfach. Voraussetzung ist lediglich, dass Sie sich den Einflüssen jener Lobbyisten entziehen, die sich gerne als Natur- und Artenschützer ausgeben, aber das Gegenteil bewirken, nämlich der Jägerschaft. Gestatten Sie einige Ausführungen hierzu: Als Tierschutzorganisation sind wir natürlich bestrebt, auf den Widersinn der Jagd, insbesondere der Hobbyjagd, nicht nur hinzuweisen, sondern gegen bestehendes anachronistisches Jagdrecht zu protestieren. Reformen diesbezüglich sind längst überfällig. Dass diese auf sich warten lassen, haben wir ausschließlich einer starken, einflussreichen Jägerlobby zu verdanken.

Auch im Rahmen der Neuorientierung des Nationalparks dürften Jägerinteressen eine Rolle gespielt haben, wie sonst lässt es sich erklären, dass im „Urwald mitten in  Deutschland“, Wildtierbestände mit der Waffe reguliert werden sollen?  Häufig ist im Planentwurf von  „Urwald“ die Rede, von Natur Natur sein lassen – von Natur sich selbst überlassen oder von der Sicherung der natürlichen Entwicklung. Hehre und absolut unterstützenswerte Ziele, die hier formuliert werden, gerade in einer Zeit der Umweltzerstörung in nie da gewesenen Dimensionen.

Die Rede ist aber auch  von einem Wildtiermanagement. Das heißt im Klartext: Im Nationalpark soll die Natur auch weiterhin von Jägerinnen und Jägern reguliert und manipuliert werden! Für uns ist das nicht nachvollziehbar. Ein Ökosystem besteht nun einmal aus den Wechselwirkungen zwischen den Pflanzen und Tieren. Und diese regelt die Natur von ganz alleine! Das heißt, die Natur braucht uns schlichtweg nicht. Wie also soll unter den Bedingungen der Jagd eine Sukzession stattfinden? Im Brasilianischen Regenwald werden auch keine Treib- und Drückjagden durchgeführt, dennoch gibt es ihn noch! Der in diesem Zusammenhang gerne von der Jägerschaft ins Feld geführte Verweis auf die hierzulande fehlenden Beutegreifer ist unangebracht, denn die Bestandsdichten von Wildtieren regeln sich – auch in der modernen Kulturlandschaft - vielmehr aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, sozialen und physiologischen Faktoren.  

Wissenschaftler weisen heute daraufhin, dass sich die Wildtiere durch die Jagd stärker vermehren als unter natürlichen Umständen. Würden in einem Gebiet durch die Jagd, die ja vor allem im Herbst und Winter stattfindet, viele Tiere getötet, hätten die Verbliebenen ein besseres Futterangebot. So sagt z.B. Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der die Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung München leitet: „Tiere, die gestärkt überleben, pflanzen sich im Frühjahr zeitiger und zahlenmäßig stärker fort.“ (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009). Und Norbert Happ, der bekannteste deutsche Wildschweinkenner – selber Jäger – prangert an: „Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht“. Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich: „Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten.“ (Jagdzeitung "Wild und Hund", 23/2002). 

Wir sehen, selbst außerhalb eines Nationalparks würden Menschen und Tiere von der „Jagdruhe“ profitieren. Warum aber in einem Nationalpark jagen? Was ist im Nationalpark Hainich anders als z.B. im Nationalpark Gran Paradiso, Italien. Dort herrscht auf einer Fläche von 72.000 ha ein konsequentes Jagdverbot. Der dortige Leiter, Bruno Bassano zum Thema Jagd: „Das Ziel der Jäger ist, die Zahl ihrer Opfer konstant hoch zu halten. Die Umwelt würde sich selbst optimal erhalten mit einem inneren Regelungsmechanismus, ohne dass der Mensch schießt. Ich sehe für die Jagd wirklich keine andere Funktion, als dass es ein Vergnügen ist. Die Jagd dient nur den Jägern“ 

In den Zielformulierungen zum neuen Nationalparkplan ist von der Seuchengefahr die Rede. Danach stellt sie sogar einen erheblichen Grund für jagdliche Eingriffe dar. Nach unserem Wissensstand ist es aber vielmehr so, dass Jägerinnen und Jäger in hohem Maße selbst verantwortlich für die Ausbreitung von Seuchen sind  (Beispiel Schweinepest. Siehe Anlage).  

Herr Minister Reinholz, ein Gebiet, das ein Urwald sein soll, aber keiner ist, weil es der Spaß- und Hobbyjagd Freiraum bietet, gleicht eher einem Etikettenschwindel als einer unberührten Natur und ist somit als Weltnaturerbe ungeeignet. 

Wir würden uns über eine Stellungnahme freuen, gerne auch zur Veröffentlichung in unserem Mitgliedermagazin.

Mit freundlichen Grüßen 

Roland Dunkel

 

Deutsche UNESCO-Kommission e.V., Bonn
Colmantstraße 15
53115 Bonn 

 

den, 24.11.2009

„Nationalpark Hainich“

Bewerbung um die Anerkennung als Weltnaturerbe 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Über die Aufnahme in die Welterbeliste des Nationalparks „Hainich“, Thüringen, soll bald eine Entscheidung getroffen werden. 

Im Entwurf des Nationalplanes genießt die „urwäldliche Entwicklung“ eine herausragende Bedeutung. Nicht von ungefähr kommt die Titulierung „Urwald mitten in Deutschland“. (Beispielhaft Auszüge hierzu: - „Im Nationalpark Hainich bleibt die Natur sich selbst überlassen. Im Sinne des Mottos „Urwald mitten in Deutschland“ unterliegen die vielfältigen Laubwald- und Offenlandökosysteme der natürlichen Dynamik.“ – „Wir tragen die zentrale Verantwortung für den Schutz und die ungestörte Entwicklung des Nationalparks“.)

Jedoch ist an anderer Stelle zu lesen: „ Zur Gewährleistung einer natürlichen Waldentwicklung erfolgt eine Wildbestandsregulierung gemäß einschlägiger rechtlicher Grundlagen.“  Mit anderen Worten: Auch im Nationalpark Hainich soll die Natur von Jägerinnen und Jägern reguliert und manipuliert werden! Wir wissen nicht, wie es zu dieser Groteske kommen konnte, wir wissen nur, dass das „Hegen und Pflegen“ mit Waffengewalt einem Krieg gegen die Natur gleichkommt und in keinster Weise etwas mit einer urwäldlichen Entwicklung zu tun haben kann! 

Der Freistaat Thüringen hat im Rahmen der Nationalpark-Neuausrichtung die großartige Chance „ja“ zu einem zukunftsweisenden, vernünftigen Nationalpark-Konzept zu sagen, in dem er die Jagd auf dem gesamten Gebiet des Parks ruhen lässt. Ihnen sehr geehrte Damen und Herren der Kommission, bleibt es in Ihrer Entscheidungsfindung vorbehalten, ebenfalls auf moderne, innovative, dem Zeitgeist entsprechenden und vor allem auf wissenschaftliche Argumente zu setzen. 

Ein Gebiet, das ein Urwald sein soll, aber keiner ist, weil es der Spaß- und Hobbyjagd Freiraum bietet, gleicht eher einem Etikettenschwindel als einer unberührten Natur. Unter diesen Umständen ist der „Hainich“ als Weltnaturerbe ungeeignet! 

Von Herzen gönnen wir dem Land Thüringen mit seinen landschaftlichen Reizen wirtschaftlichen Aufschwung und regen Fremdenverkehr – doch nur auf einer ehrlichen Basis! 

Über eine Stellungnahme würden wir uns freuen! 

Mit freundlichen Grüßen 

Roland Dunkel

(Beigefügt ein Schreiben an die Nationalparkverwaltung zur Kenntnisnahme.)

 

Nationalpark Hainich

- Verwaltung-

Bei der Marktkirche 9

99947 Bad Langensalza 

 

den, 24.11.2009

Planungsentwurf Nationalpark Hainich 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

gestatten Sie einige Anmerkungen und Fragen zum „Nationalparkplan Hainich“: 

Als Tierschutzorganisation sind wir natürlich bestrebt, auf den Widersinn der Jagd, insbesondere der Hobbyjagd, nicht nur hinzuweisen, sondern gegen bestehendes anachronistisches Jagdrecht zu protestieren. Reformen diesbezüglich sind längst überfällig. Dass diese auf sich warten lassen, haben wir ausschließlich einer starken, einflussreichen Jägerlobby zu verdanken.

Auch im Rahmen der Neuorientierung des Nationalparks dürften Jägerinteressen eine Rolle gespielt haben, wie sonst lässt es sich erklären, dass im „Urwald mitten in  Deutschland“, Wildtierbestände mit der Waffe reguliert werden sollen?  Häufig ist im Planentwurf von  „Urwald“ die Rede, von Natur Natur sein lassen – von Natur sich selbst überlassen oder von der Sicherung der natürlichen Entwicklung. Hehre und absolut unterstützenswerte Ziele, die hier formuliert werden, gerade in einer Zeit der Umweltzerstörung in nie da gewesenen Dimensionen.

Die Rede ist aber auch  von einem Wildtiermanagement (Was unterscheidet eigentlich die Begrifflichkeit „Wildtiermanagement“ im Nationalpark von der traditionellen Jagd? Tragen Jäger neuerdings Anzug und Krawatte?). Für uns ist das nicht nachvollziehbar. Ein Ökosystem besteht nun einmal aus den Wechselwirkungen zwischen den Pflanzen und Tieren. Und diese regelt die Natur von ganz alleine! Das heißt, die Natur braucht uns schlichtweg nicht. Wie also soll unter den Bedingungen der Jagd eine Sukzession stattfinden? Im Brasilianischen Regenwald werden auch keine Treib- und Drückjagden durchgeführt, dennoch gibt es ihn noch! Der in diesem Zusammenhang gerne von der Jägerschaft ins Feld geführte Verweis auf die hierzulande fehlenden Beutegreifer ist unangebracht, denn die Bestandsdichten von Wildtieren regeln sich – auch in der modernen Kulturlandschaft - vielmehr aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, sozialen und physiologischen Faktoren.  

Wissenschaftler weisen heute daraufhin, dass sich die Wildtiere durch die Jagd stärker vermehren als unter natürlichen Umständen. Würden in einem Gebiet durch die Jagd, die ja vor allem im Herbst und Winter stattfindet, viele Tiere getötet, hätten die Verbliebenen ein besseres Futterangebot. So sagt z.B. Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der die Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung München leitet: „Tiere, die gestärkt überleben, pflanzen sich im Frühjahr zeitiger und zahlenmäßig stärker fort.“ (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009). Und Norbert Happ, der bekannteste deutsche Wildschweinkenner – selber Jäger – prangert an: „Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht“. Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich: „Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten.“ (Jagdzeitung "Wild und Hund", 23/2002). 

Wir sehen, selbst außerhalb eines Nationalparks würden Menschen und Tiere von der „Jagdruhe“ profitieren. Warum aber in einem Nationalpark jagen? Was ist im Nationalpark Hainich anders als z.B. im Nationalpark Gran Paradiso, Italien. Dort herrscht auf einer Fläche von 72.000 ha ein konsequentes Jagdverbot. Der dortige Leiter, Bruno Bassano zum Thema Jagd: „Das Ziel der Jäger ist, die Zahl ihrer Opfer konstant hoch zu halten. Die Umwelt würde sich selbst optimal erhalten mit einem inneren Regelungsmechanismus, ohne dass der Mensch schießt. Ich sehe für die Jagd wirklich keine andere Funktion, als dass es ein Vergnügen ist. Die Jagd dient nur den Jägern“

In den Zielformulierungen zum neuen Nationalparkplan ist von der Seuchengefahr die Rede. Danach stellt sie sogar einen erheblichen Grund für jagdliche Eingriffe dar. Uns würde interessieren, auf welche Grundlagen diese Formulierung basiert. Nach unserem Wissensstand ist es vielmehr so, dass Jägerinnen und Jäger in hohem Maße selbst verantwortlich für die Ausbreitung von Seuchen sind  (Beispiel Schweinepest. Siehe Anlage).  

Weiter heißt es in den Zielformulierungen: „Hierbei werden Jagdmethoden bevorzugt, mit denen schnell, effektiv, tierschutzgerecht ... eingegriffen wird.“ Welche Methoden sind das genau? Und warum für den Besucher unauffällig? Halten Sie das Jagen etwa für geschäftsschädigend?   

Keinesfalls wollen wir Ihnen Schlechtes unterstellen. Aber die Frage nach dem „Etikettenschwindel“ drängt sich auf. Dem ist leider so.  Sie haben allerdings die Möglichkeit dem entgegenzuwirken und ein Zeichen zu setzen. Wagen Sie doch den Schritt in die richtige Richtung,  in dem Sie  die Jagd auf dem gesamten Gebiet des Nationalparks ruhen lassen – den Menschen, der Natur und auch dem Ansehen und  Bekanntheitsgrad des Nationalparks Hainich zu liebe!  

Wir erwarten Ihre Stellungnahme, gerne auch zur Veröffentlichung in unserem Mitgliedermagazin. 

(Schreiben ähnlichen Wortlauts ergehen an die Deutsche UNESCO-Kommission und an das Thüringische Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz.) 

Mit freundlichen Grüßen

Roland Dunkel