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Nationalpark
Hainich, Thüringen
Ein Urwald mitten in Deutschland? Leider NEIN!
Der Nationalpark soll
Weltnaturerbe werden. Auch jagdliche Belange
(Wildbestandsregulierung / Ansitzjagden / Bewegungsjagden) spielen
hierbei eine Rolle, obwohl es sich doch um einen "Urwald"
handeln soll......
So lautet § 15 des
Nationalparkgesetzes:
Die ordnungsgemäße Jagdausübung ist im Nationalpark zulässig. Der
Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt wird ermächtigt.
durch Rechtsverordnung die Ausübung der Jagd im Nationalpark unter
Beachtung des Schutzzwecks nach §3 zu regeln.
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Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten,
Umwelt und Naturschutz
Herrn
Minister Reinholz
Postfach 90 03 65
99106 Erfurt
den, 24.11.2009
Nationalparkplan Hainich
Sehr geehrter Herr Minister Reinholz!
Für den Freistaat
Thüringen bietet sich mit der Neugestaltung des
Nationalparks Hainich, verknüpft mit der Bewerbung bei
der UNESCO als Weltnaturerbe, eine hervorragende Chance,
um ein Stück Naturschutzgeschichte zu schreiben!
Naturschutz, der seinen
Namen wirklich verdient, bekommt seinen Platz im
Allgemeinen nur auf dem Papier – z.B. hält Bernd
Baumgart, Landschaftsplaner und Buchautor, Deutschland
in Sachen Naturschutz gar für ein Entwicklungsland!. Wie
gesagt, Thüringen bietet sich nun die Gelegenheit, um
wenigstens auf ca. 7.500 ha echten Naturschutz zu
betreiben und damit auch kräftig zu werben! Wir bitten
Sie sehr herzlich, Herr Minister Reinholz, machen Sie
Ihren Einfluss in diesem Sinne geltend. Der Nationalpark
Hainich könnte zu einem Aushängeschild für eine
vernünftige, innovative Naturschutzpolitik werden!
Der Weg dahin ist
relativ einfach. Voraussetzung ist lediglich, dass Sie
sich den Einflüssen jener Lobbyisten entziehen, die sich
gerne als Natur- und Artenschützer ausgeben, aber das
Gegenteil bewirken, nämlich der Jägerschaft. Gestatten
Sie einige Ausführungen hierzu: Als
Tierschutzorganisation sind wir natürlich bestrebt, auf
den Widersinn der Jagd, insbesondere der Hobbyjagd,
nicht nur hinzuweisen, sondern gegen bestehendes
anachronistisches Jagdrecht zu protestieren. Reformen
diesbezüglich sind längst überfällig. Dass diese auf
sich warten lassen, haben wir ausschließlich einer
starken, einflussreichen Jägerlobby zu verdanken.
Auch im Rahmen der
Neuorientierung des Nationalparks dürften
Jägerinteressen eine Rolle gespielt haben, wie sonst
lässt es sich erklären, dass im „Urwald mitten in
Deutschland“, Wildtierbestände mit der Waffe reguliert
werden sollen? Häufig ist im Planentwurf von „Urwald“
die Rede, von Natur Natur sein lassen – von Natur sich
selbst überlassen oder von der Sicherung der natürlichen
Entwicklung. Hehre und absolut unterstützenswerte Ziele,
die hier formuliert werden, gerade in einer Zeit der
Umweltzerstörung in nie da gewesenen Dimensionen.
Die Rede ist aber auch
von einem Wildtiermanagement. Das heißt im Klartext: Im
Nationalpark soll die Natur auch weiterhin von
Jägerinnen und Jägern reguliert und manipuliert werden!
Für uns ist das nicht nachvollziehbar. Ein Ökosystem
besteht nun einmal aus den Wechselwirkungen zwischen den
Pflanzen und Tieren. Und diese regelt die Natur von ganz
alleine! Das heißt, die Natur braucht uns schlichtweg
nicht. Wie also soll unter den Bedingungen der Jagd eine
Sukzession stattfinden? Im Brasilianischen Regenwald
werden auch keine Treib- und Drückjagden durchgeführt,
dennoch gibt es ihn noch! Der in diesem Zusammenhang
gerne von der Jägerschaft ins Feld geführte Verweis auf
die hierzulande fehlenden Beutegreifer ist unangebracht,
denn die Bestandsdichten von Wildtieren regeln sich –
auch in der modernen Kulturlandschaft - vielmehr
aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, sozialen
und physiologischen Faktoren.
Wissenschaftler weisen
heute daraufhin, dass sich die Wildtiere durch die Jagd
stärker vermehren als unter natürlichen Umständen.
Würden in einem Gebiet durch die Jagd, die ja vor allem
im Herbst und Winter stattfindet, viele Tiere getötet,
hätten die Verbliebenen ein besseres Futterangebot. So
sagt z.B. Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der die
Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung
München leitet: „Tiere, die gestärkt überleben, pflanzen
sich im Frühjahr zeitiger und zahlenmäßig stärker fort.“
(Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009). Und Norbert Happ, der
bekannteste deutsche Wildschweinkenner – selber Jäger –
prangert an: „Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht“.
Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine
seien die Jäger selbst verantwortlich: „Ungeordnete
Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit
unkoordiniertem Frischen und Rauschen und
unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich
der Jagdausübung anzulasten.“ (Jagdzeitung "Wild und
Hund", 23/2002).
Wir sehen, selbst
außerhalb eines Nationalparks würden Menschen und Tiere
von der „Jagdruhe“ profitieren. Warum aber in einem
Nationalpark jagen? Was ist im Nationalpark Hainich
anders als z.B. im Nationalpark Gran Paradiso, Italien.
Dort herrscht auf einer Fläche von 72.000 ha ein
konsequentes Jagdverbot. Der dortige Leiter, Bruno
Bassano zum Thema Jagd: „Das Ziel der Jäger ist, die
Zahl ihrer Opfer konstant hoch zu halten. Die Umwelt
würde sich selbst optimal erhalten mit einem inneren
Regelungsmechanismus, ohne dass der Mensch schießt. Ich
sehe für die Jagd wirklich keine andere Funktion, als
dass es ein Vergnügen ist. Die Jagd dient nur den
Jägern“
In den
Zielformulierungen zum neuen Nationalparkplan ist von
der Seuchengefahr die Rede. Danach stellt sie sogar
einen erheblichen Grund für jagdliche Eingriffe dar.
Nach unserem Wissensstand ist es aber vielmehr so, dass
Jägerinnen und Jäger in hohem Maße selbst verantwortlich
für die Ausbreitung von Seuchen sind (Beispiel
Schweinepest. Siehe Anlage).
Herr Minister Reinholz,
ein Gebiet, das ein Urwald sein soll, aber keiner ist,
weil es der Spaß- und Hobbyjagd Freiraum bietet, gleicht
eher einem Etikettenschwindel als einer unberührten
Natur und ist somit als Weltnaturerbe ungeeignet.
Wir würden uns über
eine Stellungnahme freuen, gerne auch zur
Veröffentlichung in unserem Mitgliedermagazin.
Mit freundlichen Grüßen
Roland Dunkel |
Deutsche
UNESCO-Kommission e.V., Bonn
Colmantstraße 15
53115 Bonn
den, 24.11.2009
„Nationalpark Hainich“
Bewerbung um die Anerkennung als Weltnaturerbe
Sehr geehrte Damen und Herren!
Über die Aufnahme in
die Welterbeliste des Nationalparks „Hainich“,
Thüringen, soll bald eine Entscheidung getroffen
werden.
Im Entwurf des
Nationalplanes genießt die „urwäldliche Entwicklung“
eine herausragende Bedeutung. Nicht von ungefähr kommt
die Titulierung „Urwald mitten in Deutschland“.
(Beispielhaft Auszüge hierzu: - „Im Nationalpark
Hainich bleibt die Natur sich selbst überlassen. Im
Sinne des Mottos „Urwald mitten in Deutschland“
unterliegen die vielfältigen Laubwald- und
Offenlandökosysteme der natürlichen Dynamik.“ – „Wir
tragen die zentrale Verantwortung für den Schutz und die
ungestörte Entwicklung des Nationalparks“.)
Jedoch ist an anderer
Stelle zu lesen: „ Zur Gewährleistung einer
natürlichen Waldentwicklung erfolgt eine
Wildbestandsregulierung gemäß einschlägiger rechtlicher
Grundlagen.“ Mit anderen Worten: Auch im
Nationalpark Hainich soll die Natur von Jägerinnen und
Jägern reguliert und manipuliert werden! Wir wissen
nicht, wie es zu dieser Groteske kommen konnte, wir
wissen nur, dass das „Hegen und Pflegen“ mit
Waffengewalt einem Krieg gegen die Natur gleichkommt und
in keinster Weise etwas mit einer urwäldlichen
Entwicklung zu tun haben kann!
Der Freistaat Thüringen
hat im Rahmen der Nationalpark-Neuausrichtung die
großartige Chance „ja“ zu einem zukunftsweisenden,
vernünftigen Nationalpark-Konzept zu sagen, in dem er
die Jagd auf dem gesamten Gebiet des Parks ruhen lässt.
Ihnen sehr geehrte Damen und Herren der Kommission,
bleibt es in Ihrer Entscheidungsfindung vorbehalten,
ebenfalls auf moderne, innovative, dem Zeitgeist
entsprechenden und vor allem auf wissenschaftliche
Argumente zu setzen.
Ein Gebiet, das ein
Urwald sein soll, aber keiner ist, weil es der Spaß- und
Hobbyjagd Freiraum bietet, gleicht eher einem
Etikettenschwindel als einer unberührten Natur. Unter
diesen Umständen ist der „Hainich“ als Weltnaturerbe
ungeeignet!
Von Herzen gönnen wir
dem Land Thüringen mit seinen landschaftlichen Reizen
wirtschaftlichen Aufschwung und regen Fremdenverkehr –
doch nur auf einer ehrlichen Basis!
Über eine Stellungnahme
würden wir uns freuen!
Mit freundlichen
Grüßen
Roland Dunkel
(Beigefügt ein
Schreiben an die Nationalparkverwaltung zur
Kenntnisnahme.) |
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Nationalpark Hainich
-
Verwaltung-
Bei der Marktkirche 9
99947 Bad Langensalza
den, 24.11.2009
Planungsentwurf
Nationalpark Hainich
Sehr geehrte Damen und Herren,
gestatten Sie einige
Anmerkungen und Fragen zum „Nationalparkplan Hainich“:
Als
Tierschutzorganisation sind wir natürlich bestrebt, auf
den Widersinn der Jagd, insbesondere der Hobbyjagd,
nicht nur hinzuweisen, sondern gegen bestehendes
anachronistisches Jagdrecht zu protestieren. Reformen
diesbezüglich sind längst überfällig. Dass diese auf
sich warten lassen, haben wir ausschließlich einer
starken, einflussreichen Jägerlobby zu verdanken.
Auch im Rahmen der
Neuorientierung des Nationalparks dürften
Jägerinteressen eine Rolle gespielt haben, wie sonst
lässt es sich erklären, dass im „Urwald mitten in
Deutschland“, Wildtierbestände mit der Waffe reguliert
werden sollen? Häufig ist im Planentwurf von „Urwald“
die Rede, von Natur Natur sein lassen – von Natur sich
selbst überlassen oder von der Sicherung der natürlichen
Entwicklung. Hehre und absolut unterstützenswerte Ziele,
die hier formuliert werden, gerade in einer Zeit der
Umweltzerstörung in nie da gewesenen Dimensionen.
Die Rede ist aber auch
von einem Wildtiermanagement (Was unterscheidet
eigentlich die Begrifflichkeit „Wildtiermanagement“ im
Nationalpark von der traditionellen Jagd? Tragen Jäger
neuerdings Anzug und Krawatte?). Für uns ist das nicht
nachvollziehbar. Ein Ökosystem besteht nun einmal aus
den Wechselwirkungen zwischen den Pflanzen und Tieren.
Und diese regelt die Natur von ganz alleine! Das heißt,
die Natur braucht uns schlichtweg nicht. Wie also soll
unter den Bedingungen der Jagd eine Sukzession
stattfinden? Im Brasilianischen Regenwald werden auch
keine Treib- und Drückjagden durchgeführt, dennoch gibt
es ihn noch! Der in diesem Zusammenhang gerne von der
Jägerschaft ins Feld geführte Verweis auf die
hierzulande fehlenden Beutegreifer ist unangebracht,
denn die Bestandsdichten von Wildtieren regeln sich –
auch in der modernen Kulturlandschaft - vielmehr
aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, sozialen
und physiologischen Faktoren.
Wissenschaftler weisen
heute daraufhin, dass sich die Wildtiere durch die Jagd
stärker vermehren als unter natürlichen Umständen.
Würden in einem Gebiet durch die Jagd, die ja vor allem
im Herbst und Winter stattfindet, viele Tiere getötet,
hätten die Verbliebenen ein besseres Futterangebot. So
sagt z.B. Prof. Dr. Josef H. Reichholf, der die
Abteilung Wirbeltiere der Zoologischen Staatssammlung
München leitet: „Tiere, die gestärkt überleben, pflanzen
sich im Frühjahr zeitiger und zahlenmäßig stärker fort.“
(Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009). Und Norbert Happ, der
bekannteste deutsche Wildschweinkenner – selber Jäger –
prangert an: „Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht“.
Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine
seien die Jäger selbst verantwortlich: „Ungeordnete
Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit
unkoordiniertem Frischen und Rauschen und
unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich
der Jagdausübung anzulasten.“ (Jagdzeitung "Wild und
Hund", 23/2002).
Wir sehen, selbst
außerhalb eines Nationalparks würden Menschen und Tiere
von der „Jagdruhe“ profitieren. Warum aber in einem
Nationalpark jagen? Was ist im Nationalpark Hainich
anders als z.B. im Nationalpark Gran Paradiso, Italien.
Dort herrscht auf einer Fläche von 72.000 ha ein
konsequentes Jagdverbot. Der dortige Leiter, Bruno
Bassano zum Thema Jagd: „Das Ziel der Jäger ist, die
Zahl ihrer Opfer konstant hoch zu halten. Die Umwelt
würde sich selbst optimal erhalten mit einem inneren
Regelungsmechanismus, ohne dass der Mensch schießt. Ich
sehe für die Jagd wirklich keine andere Funktion, als
dass es ein Vergnügen ist. Die Jagd dient nur den
Jägern“
In den
Zielformulierungen zum neuen Nationalparkplan ist von
der Seuchengefahr die Rede. Danach stellt sie sogar
einen erheblichen Grund für jagdliche Eingriffe dar. Uns
würde interessieren, auf welche Grundlagen diese
Formulierung basiert. Nach unserem Wissensstand ist es
vielmehr so, dass Jägerinnen und Jäger in hohem Maße
selbst verantwortlich für die Ausbreitung von Seuchen
sind (Beispiel Schweinepest. Siehe Anlage).
Weiter heißt es in den
Zielformulierungen: „Hierbei werden Jagdmethoden
bevorzugt, mit denen schnell, effektiv,
tierschutzgerecht ... eingegriffen wird.“ Welche
Methoden sind das genau? Und warum für den Besucher
unauffällig? Halten Sie das Jagen etwa für
geschäftsschädigend?
Keinesfalls wollen wir
Ihnen Schlechtes unterstellen. Aber die Frage nach dem
„Etikettenschwindel“ drängt sich auf. Dem ist leider
so. Sie haben allerdings die Möglichkeit dem
entgegenzuwirken und ein Zeichen zu setzen. Wagen Sie
doch den Schritt in die richtige Richtung, in dem Sie
die Jagd auf dem gesamten Gebiet des Nationalparks ruhen
lassen – den Menschen, der Natur und auch dem Ansehen
und Bekanntheitsgrad des Nationalparks Hainich zu
liebe!
Wir erwarten Ihre
Stellungnahme, gerne auch zur Veröffentlichung in
unserem Mitgliedermagazin.
(Schreiben ähnlichen
Wortlauts ergehen an die Deutsche UNESCO-Kommission und
an das Thüringische Ministerium für Landwirtschaft,
Forsten, Umwelt und Naturschutz.)
Mit freundlichen Grüßen
Roland Dunkel |
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