Arbeitskreis humaner

 

                    Tierschutz e.V.   (gegr.1991)

 
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Ökologie - Umweltschutz - Mitwelt - Tierrechte

Abermillionen empfindender, leidensfähiger Tiere werden Tag für Tag ihrer Bewegungsfreiheit beraubt, aus Gewinn- und Genussgründen systematisch gequält und ausgebeutet – staatlich geduldet und gefördert, aber auch von der Mehrheit der Bevölkerung billigend oder gleichgültig hingenommen. Die Sprache muss erst noch erfunden werden, um die Qualen der »Nutz«- und Versuchstiere beschreiben zu können.
Selbst in der Umweltbewegung tritt nur eine Minderheit aktiv für die Bedürfnisse und Rechte dieser Tiere ein, obwohl der Tierschutz auch aus ökologischen Gründen erforderlich ist. Dieser Aspekt soll im Folgenden aufgewiesen werden, um auch daraus Rechte der Tiere abzuleiten.

Umweltschäden durch Tierhaltungen

Gegen die Intensiv-Massentierhaltung, eine der Abarten des Fließband-Industrialismus, sprechen u.a. folgende ökologische Gründe:
Anfall riesiger Mengen an Gülle, die mit Pharmaresten belastet ist und die im Übermaß auf zuwenig Nutzfläche ausgebracht wird. Folgen: Belastung der Bodenfunktionen und Schädigung von Grundwasser, Flüssen und Seen. Luftverschmutzung durch Ammoniak, das aus der Gülle ausgast, sich zum Teil in Salpetersäure umwandelt und den sauren Regen mitverursacht. Auch die Luftbelastung durch Stickstoff ist teilweise auf Gülle und Mist zurückzuführen.

Das bei der Massentierhaltung im Übermaß anfallende Methan, zweitwichtigstes Treibhausgas, vergrößert das Ozonloch und verändert das Klima mindestens ebenso wie das Kohlendioxid. Ein Drittel aller Methanemissionen in Deutschland (ca. 2 Mio t jährlich) wird ebenfalls durch die Massentierhaltung verursacht, weil die organischen Stoffe der Gülle fast vollständig zu Methan abgebaut werden. Zum Vergleich: Bei der Festmisthaltung, wie im Ökolandbau üblich, sind es gerade einmal 5 %.

Des weiteren wird Methan aus den Pansen der Wiederkäuer emittiert (eine Kuh sondert täglich 120-200 Liter Methan ab, das sind um die 80 Mio t. jährlich weltweit; weitere 35 Mio t werden auf tierische Exkremente in den Mastanlagen und fabrikartigen Viehhaltungen zurückgeführt).

Gleich mehrere Forschungsinstitute kamen zu dem Ergebnis, dass 40% der klimarelevanten Emissionen, die in der Viehwirtschaft entstehen, durch Verzicht auf die Fleisch- und Futtermittelproduktion eingespart werden könnten. Es sei möglich und notwendig, den Anteil der Massentierhaltung an den Treibhausgasen durch eine drastische Reduzierung der Viehbestände sowie durch die Koppelung von Tierhaltung und Pflanzenproduktion um die Hälfte zu vermindern.

Wenn die Zahl der Tiere konsequent an die Größe der Flächen gebunden werde, könnten z.B. die Exkremente ökologisch sinnvoll auf den eigenen Feldern verwendet werden. Dadurch ließen sich zugleich mineralische Dünger und die Energie für ihre Herstellung sparen. Auch der Nordsee zuliebe sollte – laut Umweltbundesamt – der Tierbestand um 50 % verringert werden.

Um viel Futtermittel anzubauen und um die Güllemassen auf gülleschluckenden Feldern unterzubringen, werden riesige Felder mit Monokulturen bepflanzt, besonders mit Mais, weil Mais eine der wenigen Nutzpflanzen ist, die große Güllemengen verkraften.

Futtergetreide ist selbst ein höchst energieaufwendiges Produkt. Intensivtierhaltung bedeutet Energieverschwendung durch Kunstdünger für Futterpflanzen, für die Vieh- und Fleischtransporte über Hunderte, ja Tausende von Kilometern, für die Kühlhäuser und Schlachtbetriebe, für die automatisierten Fütterungs- und Stallklimaanlagen. Dazu kommt ein hoher Wasserverbrauch für die Irrigation der Futterpflanzen und das Tränken.

Brandrodungen und Bodenerosionen in den tropischen und subtropischen Gebieten sind hauptsächlich durch die Massentierhaltungen verursacht. Viehweiden fallen der Erosion und Wüstenbildung zum Opfer. Ökologisch nicht dauerhafte Weidemethoden und Viehhaltungen sind somit auch eine der Ursachen des Artenschwundes. Die übergroße und ressourcenintensive Viehwirtschaft ist weder an die Ökosysteme angepasst noch anpassbar. (Einzelheiten dazu ausführlich in den Jahresberichten des World Watch Institute)

In seinem Buch »Das Imperium der Rinder« über Aufstieg und Fall der Viehzuchtkultur gibt Jeremy Rifkin einen eindrucksvollen Überblick und eine Bilanz der rücksichtslosen Angriffe auf die Ökosysteme der Erde durch die Viehzucht und deren Landverbrauch für Viehfutter. Er nennt die Viehzucht »eine der am meisten umweltzerstörenden Bedrohungen der modernen Zeit.«
Allein 1,3 Milliarden Rinder bevölkern heute die Erde. Sie grasen auf fast 25 % der gesamten Landmasse des Planeten, und die Getreidemenge, die sie zusätzlich verbrauchen, würde reichen, um einige hundert Millionen Menschen zu ernähren.
 
»Eine Zeitlang glaubten wir in Deutschland, das Umweltproblem der Rinderhaltung sei bloß ein Gülleproblem. Weit gefehlt. Wenn wir die Waldrodung für Weideflächen und Futtermittel einbeziehen, ist der Beitrag der Rinderhaltung zum Treibhauseffekt ähnlich groß wie der des gesamten Autoverkehrs. Die Verwandlung von Savannen in Wüsten, die Erosion in Berggebieten, der übermäßige Wasserbedarf der Rinder, der gigantische Energiebedarf der Mastviehhaltung sind einige weitere Gründe dafür, dass wir mit jedem Pfund Rindfleisch der Umwelt schwer zusetzen.« (Aus dem Vorwort von Ernst U. von Weizsäcker)

Ökologische Probleme wie die Folgen der immer wieder neu auftretenden Ölpest oder der Gewässerbelastungen sind schließlich auch unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes zu betrachten. Umweltschutz ist eine Voraussetzung für den Tierschutz u.a. deshalb, weil er über Naturschutz eng mit dem Artenschutz verbunden ist. Tier-, Natur- und Umweltschutz sind natürliche Verbündete. Der Biotopschutz im Rahmen des Natur- und Artenschutzes ist Lebensvoraussetzung für alle freilebenden Wildtiere. Naturschutz (als praktisch angewandte Ökologie) und Tierschutz gehören zusammen, im Einsatz für die Erhaltung der Lebensräume vieler Tiere durch den Verzicht auf Flussbegradigungen, Entwässerungen von Feuchtgebieten, Rodungen von Hecken und Feldgehölzen, weitere Rationalisierung der Land- und Forstwirtschaft, durch Verzicht auf Zersiedlung und Überbauung naturnaher Landschaften.

Fazit: Umweltzerstörungen wie Wasserverschmutzung oder Verlust kulturfähigen Landes werden in großem Umfang durch die massenhafte Haltung und intensive Ausbeutung  von Tieren verursacht. Tierschutz und Schutz der Erde gehören also zusammen.

Der Vegetarismus gehört dazu: Der heutige Fleisch- und Fettverbrauch verursacht die Massentierhaltung und ist nicht nur mitschuldig an der Tierquälerei sondern auch an  den ökologischen Folgen und Begleitumständen. Ohne den Konsum tierischer Produkte wäre eine weit weniger intensive, eine natürlichere Landwirtschaft vorhanden.

Anthropozentrismus,  Speziesismus, Tierrechte

Ökologisches Denken und Handeln bedeutet zunächst, den kollektiv-egoistischen, überheblichen Anthropozentrismus zu überwinden, aus dem sich der absolute Vorrang und die Ausbeutungsermächtigung gegenüber allen anderen Lebewesen ableitet. Selbst im Begriff »Umwelt« steckt noch der »anthropozentrische Mittelpunktswahn« (Hoimar von Ditfurth): Im Zentrum der Mensch und um ihn herum zugriffsbereit die »Umwelt« – also auch die Tiere. Ökologisches Bewusstsein und Mitweltethik als Bewältigungsvoraussetzung des Mittelpunktwahns bedeuten folglich, auch überzeugt zu sein, dass ein jedes Wesen der lebendigen Welt, unabhängig von den menschlichen Zwecken, ein eigenständiges Recht hat, sich zu entfalten, wie es im Rahmen des Gesamten sinnvoll ist.

Tiere nicht nur in ihrem Nutzen für den Menschen zu sehen sondern in ihrer (nicht immer erkennbaren) Funktion im komplexen Geflecht des Naturhaushalts und somit auch in ihrem Eigenwert heißt, Ökologie und Tierschutz als zusammengehörig zu begreifen. Daraus folgen Pflichten gegenüber den Tieren sowohl in Bezug auf ihre Arterhaltung wie in Bezug auf ihr artgemäßes Wohlergehen, soweit sie in menschlicher Obhut sind.

Artenvielfalt und Artenschutz (Ökologie) und individuelle Entfaltung (Tierschutz) treffen hier zusammen. Tierrrechtsethik kann sich nur in ständiger, konfrontativer Auseinander- setzung mit dem Anthropozentrismus entwickeln. Auch darin zeigt sich die Parallele zum Anliegen der politischen Ökologie.

Der sich in der Tierausbeutung zeigende Anthropozentrismus wird auch als »Speziesismus« bezeichnet. Gemeint ist die Ansicht, die Angehörigen der Spezies homo sapiens seien den Angehörigen aller anderen Arten gegenüber allein deshalb höherwertig, weil sie zu dieser Spezies gehören. So ist Speziesismus eine Art Rassismus gegenüber den Tieren.

Ausbeuterische Rechte aus der Zugehörigkeit zu einer Spezies abzuleiten, ist nach den Maßstäben der Gerechtigkeit und der Menschenwürde ebenso widersinnig wie deren Ableitung aus der Zugehörigkeit zu einer Rasse, einer Nation, einem Geschlecht oder einer Religion.
Rassismus als Menschenausbeutung und –abwertung und letztlich Massenmord vollzieht sich aber auch gegenüber Tieren als Speziesismus, als Rassismus auf der Ebene der Art. Die Opfer sind andere, doch die Denkweisen und Mechanismen der praktischen Durchführung sind die gleichen. Die »Minderwertigen« werden von denen, die sich »höherwertig« wähnen, zu Objekten erklärt und der Ausbeutung, Misshandlung und Vernichtung preisgegeben.

»Legebatterien«, Mastfabriken, Pelztier«farmen«, Versuchslabors sind Konzentrationslager für Tiere, weil sie in ihnen massenhaft auch auf industrielle Art nach ihrer Entrechtung verwertet und vernichtet werden. Wer Gewalt gegen Menschen verurteilt, aber Gewalt gegen Tiere duldet oder fördert, praktiziert somit eine Variante des Rassismus.

Demgegenüber steht die artübergreifende Dimension der Gerechtigkeit, die Anerkennung, dass die vom Menschen gejagten, gefangenen, pseudowissenschaftlich missbrauchten, gegessenen, auf die verschiedensten Arten ausgenutzten Tiere ihr eigenes Leben haben, ungeachtet der Nützlichkeit für die Menschen. Die Zuerkennung von Rechten soll daher zum Ausdruck bringen, dass die Tiere nicht länger als bloße Objekte zu betrachten sind, der Beliebigkeit menschlicher Verfügung ausgesetzt. »Die Gründe, gesetzlich zugunsten der Kinder einzugreifen, treffen nicht weniger zwingend auf diese unglücklichen Sklaven zu: die Tiere« erkannte schon der Philosoph John  Stuart Mill (1806-1873).
In den USA hat Prof. Tom Regan eine »Philosophie der Tierrechte« veröffentlicht, in der er mit zehn Gründen darlegt, weshalb die Ethik unseres Umgangs mit den Tieren dieselben fundamentalen moralischen Grundsätze anerkennen muss, die für die Menschen gelten, und dass Tiere nicht dazu da sind, uns zu dienen, so wenig wie Frauen dazu da sind, die Männer zu bedienen, Schwarze nicht dazu da sind, Weißen zu dienen usw.

Regan begründet auch, warum die Philosophie der Tierrechte umweltgerecht ist: »Die Umweltzerstörung, einschließlich Treibhauseffekt, Wasserverschmutzung, Verlust kulturfähigen Landes oder des Mutterbodens wird in großem Umfang durch die Ausbeutung der Tiere verursacht. Das gleiche trifft zu auf eine Vielzahl weiterer Umweltprobleme, auf den sauren Regen und die Meeresverschmutzung, die Luftverschmutzung und die Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Bei alldem ist der Schutz der betroffenen Tiere (die die ersten sind, die unter diesen Umweltschäden leiden und zugrunde gehen) zugleich der Schutz der Erde.« Regan zitiert John Wynne-Tyson: »Wenn wir nicht einen tiefempfundenen Sinn entwickeln für die Verwandtschaft zwischen unserer eigenen Art und jenen Mitgeschöpfen, die mit uns die Sonne und den Schatten des Lebens auf diesem gequälten Planeten teilen, gibt es keine Hoffnung für die Umwelt, keine Hoffnung für uns selbst.«                    

Eintreten für die Rechte der Tiere ist immer auch Kritik an der Industrie- und Konsumgesellschaft und schon deshalb Teil der ökologischen Bewegung, die sich ja gegen die rigorose Ausbeutung der Natur wendet. Hier geht es um die Ausbeutung der Tiere, denen die fehlende rationale Reflexion über den Schmerz nicht Leid erspart sondern vergrößert, weil ihnen Trost, Hoffnung und Zuversicht fehlen.

Leonardo da Vinci muss einmal recht bekommen mit seinem Ausspruch, es werde die Zeit kommen, in der das Verbrechen am Tier ebenso geahndet wird wie das Verbrechen am Menschen.

Verfasser: Dipl.-Pol. Dr. Edgar Guhde/PAKT e.V.

 

 

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