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Das gewicht der tierschändungen
Ich
lebe in dunklen zeiten, und die aussicht auf licht ist
weit weg.
Gestern ist wieder einmal das gesamte gewicht der
schändung an tieren über mir zusammengebrochen. Wie kann
man jemals damit fertig werden? Das bewusstsein welche
verbrechen in jeder minute auf der ganzen erde passieren
pocht in mir wie ein herz das viel zu gross für meinen
körper ist. Es zerreisst mich fast, nein es zerreisst
mich wirklich. Ich war kürzlich in einem tierpark, ich
hab gedacht es ist in ordnung dorthin zu gehen, denn es
gibt dort keine exotischen tiere, „nur“ rehe, schweine,
geissen und pferde.
Die
einzige art zoo in die ich gehen würde. Ich hab mich
eigentlich recht wohl gefühlt, die gehege sind wirklich
gross, zum teil ganze waldteile, die tiere sind zahm,
das zeugt von guter behandlung. Die rehe sind alle
friedlich am grasen, es hat auch hirsche mit stolzen
geweihen, sanften augen, wackelnde schwänzchen, frieden.
ich geh zu den wildschweinen, die ein begehbares gehege
im wald haben. Eins ist ganz vorn beim eingang, es
scheint keine angst vor den besuchern zu haben, die nah
vor ihm stehen und es beobachten. Eltern stehen dort mit
ihren kinder, denen sie etwas über die schweine
erzählen. viele „jöhhs“ ertönen, die kinder scheinen es
zu lieben, die eltern sind zufrieden das ihr so
gutgewählter ausflugsort auf bestätigung trifft. Das
schwein wühlt mit seiner nase im dreck, sucht
leckerbissen, ist in seinem element. Eine wohltat für
mein herz, ein solches wesen in absoluter zufriedenheit
zu sehen, dass ich sonst meist in verbindung mit qualen
und leid sehe. Viele leute stehen im halbkreis daneben,
ich knie mich in der nähe hin und halte dem wildschwein
meine hand entgegen, es schaut mir direkt in die augen,
ich schmelze fast. Dann kommt es und lässt sich kraulen,
und was mich so erstaunt ist, dass es nicht ein einziges
mal seine augen von mir abwendet. Dann erschrickt es
durch irgendeine bewegung eines anderen besuchers, rennt
ein paar schritte weg und fängt wieder zu graben an.
Zufrieden geh ich in die richtung des parkeigenen
restaurants um mir einen Kaffee zu gönnen. Dann der
schock: an der wand beim eingang hängt ein schild mit
der aufschrift: „herbstzeit ist wildzeit“ darunter die
speisekarten: hirschpfeffer, rehschnitzel, wildschwein
an rotweinsauce... meine gedanken sprudeln: sind das
tiere von hier? Könnte es sein, dass mein wildschwein
von vorher morgen hier auf einem teller serviert wird?
ich dreh mich um und seh die leute an den tischen mit
tellern vor sich.. es dreht sich der ganze raum..absurd!
ich warte fast darauf das ein kameramann rein kommt und
sagt: war nur ne verarschung, haha! So absurd kommt es
mir vor. Mütter und väter gehen hier spazieren und
zeigen ihren kindern die härzigen säuli und rehli, „und
wenn ihr ganz lieb seid, gehen wir nachher auch noch
eins essen“ oder wie läuft das? Sind sie es sich
überhaupt bewusst? Wie kann man sich erst an den tieren
erfreuen und sie nachher auf dem teller zerstückelt vor
sich haben?
Ist
das nicht eine rechnung die nicht aufgeht, oder bin ich
es, die schlecht in mathematik ist?
Ich
hasse einmal mehr jeden der fleisch isst. Aber wie kann
ich je mit sowas umgehen? Wie muss ich meinen eltern,
einigen meiner langjährigen freunden die auch fleisch
essen gegenübertreten? Sie sind alle schänder, sie sind
mörder des 3. grades. Des dritten grades, weil sie nicht
selbst töten, weil sie nicht zum metzger gehen und sagen
„töte eine sau für mich, ich will sie fressen“ (das wäre
mord 2. grades) sondern weil sie ein steril abgepacktes
stück fleisch im laden holen. „ich ess nur wenig fleisch,
und dann erst noch bio und nur aus der schweiz aus
artgerechter haltung“ toll, gratuliere! Wie ist es
möglich dass gewisse menschen so blöd, egoistisch und
blind sind? Es kann doch gar nicht sein, ich bin
bestimmt kein besserer mensch als sie, und auch nicht
intelligenter? An was liegt es also dass sie es nicht
sehen? Was ist bei menschen wie mir anders? Könnte man
doch einfach ihre stirn berühren und sagen :“i release
you from the spell“.sie wären ja alle dankbar, aber es
geht nicht. Die ganze welt stinkt. Es sind dunkle zeiten,
schändungen überall und das gewicht wird von menschen
wie mir - einer minderheit - getragen. Ich habe im
internet bei einer livecam der schlachtung einer sau
zugesehen, die erst mit einer eisenzange betäubt wurde.
Nachdem sie in den käfig geprügelt wurde, unter schreien
fixiert und die zange angesetzt, habe ich in ihre augen
sehen können. Es waren augen wie die meines wildschweins,
aber voller panik und schmerz. Irgendwie konnte ich
darin auch unverständniss finden, einen fast fragenden
blick den ich in dem moment auf mich bezog, als ob es
nach jemand oder etwas suchen würde, dass ihm das alles
erklärt. Am liebsten wär ich zu dem schwein hingengangen,
noch schnell bevor der strom kommt. Ich hätte es schnell
noch gestreichelt und ihm in’s ohr geflüstert, dass
nicht alle so sind, und dass es nicht allein ist. und
ich hätte mich entschuldigt für diese menschen, die es
sein leben lang diskriminiert, entwürdigt und gequält
haben.
Die
menschen belügen sich selbst, nennen dinge bei den
falschen namen. Bei einem selbstinserat habe ich heute
morgen folgendes gelesen: in meiner freizeit quäle und
töte ich gerne wehrlose tiere, ich mache das zum
vergnügen und zu meiner entspannung. Mein sohn macht
manchmal auch mit. Das ganze lief natürlich unter dem
synonym „angeln“..wer hätte sich auf dieses inserat
gemeldet? Wer hätte es gedruckt?
Ich
glaube nicht an gott (wie könnte ich, angesichts so
etwas) aber ich kann die geschichte über jesus
nachvollziehen, wie jesus sich fühlte, als er die schuld
der ganzen menschheit auf sich nahm, denn ein jeder der
so denkt wie ich macht genau das. Wir nehmen vor den
tieren die schuld der anderen auf uns. Wir versuchen
dinge zu reparieren die andere kaputt machen, und werden
dabei auch noch belächelt. Aber das kann niemandem was
anhaben der mit sich im reinen ist. Jeder der einen
vegi-witz macht weiss gar nicht worüber er eigentlich
scherzt. Ich bin jetzt 23, ich verzweifle fast an all
dem, ich bemühe mich so fest etwas zu tun, ich rede viel
mit leuten, einige liessen sich die augen öffnen, aber
die meisten sind hoffnungslos verloren. Jedes bild von
einem geschändeten tier, im versuchslabor, in der
metzgerei, im dunkeln stall, brennt sich in mir ein und
es gibt kein vergessen. Ich habe angst vor all den
jahren die mich noch erwarten (ich wünschte sie wären
schon zu ende, aber das ist feige), was ich noch alles
sehen muss, angst dass ich hass entwickeln werde, wenn
ich sehe dass nichts anderes genützt hat, der konflikt
in mir, wie ich mit bis jetzt geliebten menschen umgehen
soll. Bin ich nicht genau so schlecht wie sie, wenn ich
einfachheitshalber so tue als wäre nichts? Jemand der
schändet hat doch keinen respekt verdient, jemand der
die grundlegendsten regeln dieser erde nicht verstanden
hat. Ich stütze mich sehr fest auf die regel nach der
ich selbst lebe: man bekommt was man gibt. Ich hoffe
wirklich auf eine vergeltung, und sie kommt auch,
manchmal von der natur, aber meist frisst sie sich von
innen heraus. Die menschen sind verbittert, unzufrieden,
unglücklich, stumpf, fett, träge... Vor einer
abstumpfung hab ich keine angst, denn ich werde selber
dafür sorgen, dass der tag, an dem ich solche bilder
sehe und nicht mehr die selben schmerzen fühle auch mein
letzter sein wird. Niemand der fleisch isst, oder tiere
auf eine andere art schändet hat das recht sich an etwas
schönem auf der erde zu erfreuen, keine blume blüht für
ihn, und die sonne dreht ihr gesicht weg. Wie kann ich
meine nächsten mitmenschen nicht hassen? Narrenfreiheit
gibt es nicht!
Hier, speziell in der schweiz, wurde jeder schon mit dem
richtigen weg konfrontiert, und hatte die möglichkeit
darüber nachzudenken. Es gibt keine entschuldigungen.
Das verhältnis stimmt nicht, es geht nicht, dass soviel
leid für so wenig gaumenfreude eingetauscht wird. muss
ich alle hassen? Und mich selbst? Denn auch ich bin ein
problem, heute ist es gar nicht mehr möglich zu leben,
ohne dass jemand oder etwas darunter leiden muss. Ein
menschenleben bedeutet nicht mehr als das eines baums.
Wer tötet verliert das recht zu leben.
manuela ebikon, schweiz |