Arbeitskreis humaner

 

                    Tierschutz e.V.   (gegr.1991)

 
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Das gewicht der tierschändungen

Ich lebe in dunklen zeiten, und die aussicht auf licht ist weit weg.

Gestern ist wieder einmal das gesamte gewicht der schändung an tieren über mir zusammengebrochen. Wie kann man jemals damit fertig werden? Das bewusstsein welche verbrechen in jeder minute auf der ganzen erde passieren pocht in mir wie ein herz das viel zu gross für meinen körper ist. Es zerreisst mich fast, nein es zerreisst mich wirklich. Ich war kürzlich in einem tierpark, ich hab gedacht es ist in ordnung dorthin zu gehen, denn es gibt dort keine exotischen tiere, „nur“ rehe, schweine, geissen und pferde.

Die einzige art zoo in die ich gehen würde. Ich hab mich eigentlich recht wohl gefühlt, die gehege sind wirklich gross, zum teil ganze waldteile, die tiere sind zahm, das zeugt von guter behandlung. Die rehe sind alle friedlich am grasen, es hat auch hirsche mit stolzen geweihen, sanften augen, wackelnde schwänzchen, frieden. ich geh zu den wildschweinen, die ein begehbares gehege im wald haben. Eins ist ganz vorn beim eingang, es scheint keine angst vor den besuchern zu haben, die nah vor ihm stehen und es beobachten. Eltern stehen dort mit ihren kinder, denen sie etwas über die schweine erzählen. viele „jöhhs“ ertönen, die kinder scheinen es zu lieben, die eltern sind zufrieden das ihr so gutgewählter ausflugsort auf bestätigung trifft. Das schwein wühlt mit seiner nase im dreck, sucht leckerbissen, ist in seinem element. Eine wohltat für mein herz, ein solches wesen in absoluter zufriedenheit zu sehen, dass ich sonst meist in verbindung mit qualen und leid sehe. Viele leute stehen im halbkreis daneben, ich knie mich in der nähe hin und halte dem wildschwein meine hand entgegen, es schaut mir direkt in die augen, ich schmelze fast. Dann kommt es und lässt sich kraulen, und was mich so erstaunt ist, dass es nicht ein einziges mal seine augen von mir abwendet. Dann erschrickt es durch irgendeine bewegung eines anderen besuchers, rennt ein paar schritte weg und fängt wieder zu graben an. Zufrieden geh ich in die richtung des parkeigenen restaurants um mir einen Kaffee zu gönnen. Dann der schock: an der wand beim eingang hängt ein schild mit der aufschrift: „herbstzeit ist wildzeit“ darunter die speisekarten: hirschpfeffer, rehschnitzel, wildschwein an rotweinsauce... meine gedanken sprudeln: sind das tiere von hier? Könnte es sein, dass mein wildschwein von vorher morgen hier auf einem teller serviert wird? ich dreh mich um und seh die leute an den tischen mit tellern vor sich.. es dreht sich der ganze raum..absurd! ich warte fast darauf das ein kameramann rein kommt und sagt: war nur ne verarschung, haha! So absurd kommt es mir vor. Mütter und väter gehen hier spazieren und zeigen ihren kindern die härzigen säuli und rehli, „und wenn ihr ganz lieb seid, gehen wir nachher auch noch eins essen“ oder wie läuft das? Sind sie es sich überhaupt bewusst? Wie kann man sich erst an den tieren erfreuen und sie nachher auf dem teller zerstückelt vor sich haben?

Ist das nicht eine rechnung die nicht aufgeht, oder bin ich es, die schlecht in mathematik ist?

Ich hasse einmal mehr jeden der fleisch isst. Aber wie kann ich je mit sowas umgehen? Wie muss ich meinen eltern, einigen meiner langjährigen freunden die auch fleisch essen gegenübertreten? Sie sind alle schänder, sie sind mörder des 3. grades. Des dritten grades, weil sie nicht selbst töten, weil sie nicht zum metzger gehen und sagen „töte eine sau für mich, ich will sie fressen“ (das wäre mord 2. grades) sondern weil sie ein steril abgepacktes stück fleisch im laden holen. „ich ess nur wenig fleisch, und dann erst noch bio und nur aus der schweiz aus artgerechter haltung“ toll, gratuliere! Wie ist es möglich dass gewisse menschen so blöd, egoistisch und blind sind? Es kann doch gar nicht sein, ich bin bestimmt kein besserer mensch als sie, und auch nicht intelligenter? An was liegt es also dass sie es nicht sehen? Was ist bei menschen wie mir anders? Könnte man doch einfach ihre stirn berühren und sagen :“i release you from the spell“.sie wären ja alle dankbar, aber es geht nicht. Die ganze welt stinkt. Es sind dunkle zeiten, schändungen überall und das gewicht wird von menschen wie mir - einer minderheit - getragen. Ich habe im internet bei einer livecam der schlachtung einer sau zugesehen, die erst mit einer eisenzange betäubt wurde. Nachdem sie in den käfig geprügelt wurde, unter schreien fixiert und die zange angesetzt, habe ich in ihre augen sehen können. Es waren augen wie die meines wildschweins, aber voller panik und schmerz. Irgendwie konnte ich darin auch unverständniss finden, einen fast fragenden blick den ich in dem moment auf mich bezog, als ob es nach jemand oder etwas suchen würde, dass ihm das alles erklärt. Am liebsten wär ich zu dem schwein hingengangen, noch schnell bevor der strom kommt. Ich hätte es schnell noch gestreichelt und ihm in’s ohr geflüstert, dass nicht alle so sind, und dass es nicht allein ist. und ich hätte mich entschuldigt für diese menschen, die es sein leben lang diskriminiert, entwürdigt und gequält haben.

Die menschen belügen sich selbst, nennen dinge bei den falschen namen. Bei einem selbstinserat habe ich heute morgen folgendes gelesen: in meiner freizeit quäle und töte ich gerne wehrlose tiere, ich mache das zum vergnügen und zu meiner entspannung. Mein sohn macht manchmal auch mit. Das ganze lief natürlich unter dem synonym „angeln“..wer hätte sich auf dieses inserat gemeldet? Wer hätte es gedruckt?

Ich glaube nicht an gott (wie könnte ich, angesichts so etwas) aber ich kann die geschichte über jesus nachvollziehen, wie jesus sich fühlte, als er die schuld der ganzen menschheit auf sich nahm, denn ein jeder der so denkt wie ich macht genau das. Wir nehmen vor den tieren die schuld der anderen auf uns. Wir versuchen dinge zu reparieren die andere kaputt machen, und werden dabei auch noch belächelt. Aber das kann niemandem was anhaben der mit sich im reinen ist. Jeder der einen vegi-witz macht weiss gar nicht worüber er eigentlich scherzt. Ich bin jetzt 23, ich verzweifle fast an all dem, ich bemühe mich so fest etwas zu tun, ich rede viel mit leuten, einige liessen sich die augen öffnen, aber die meisten sind hoffnungslos verloren. Jedes bild von einem geschändeten tier, im versuchslabor, in der metzgerei, im dunkeln stall, brennt sich in mir ein und es gibt kein vergessen. Ich habe angst vor all den jahren die mich noch erwarten (ich wünschte sie wären schon zu ende, aber das ist feige), was ich noch alles sehen muss, angst dass ich hass entwickeln werde, wenn ich sehe dass nichts anderes genützt hat, der konflikt in mir, wie ich mit bis jetzt geliebten menschen umgehen soll. Bin ich nicht genau so schlecht wie sie, wenn ich einfachheitshalber so tue als wäre nichts? Jemand der schändet hat doch keinen respekt verdient, jemand der die grundlegendsten regeln dieser erde nicht verstanden hat. Ich stütze mich sehr fest auf die regel nach der ich selbst lebe: man bekommt was man gibt. Ich hoffe wirklich auf eine vergeltung, und sie kommt auch, manchmal von der natur, aber meist frisst sie sich von innen heraus. Die menschen sind verbittert, unzufrieden, unglücklich, stumpf, fett, träge... Vor einer abstumpfung hab ich keine angst, denn ich werde selber dafür sorgen, dass der tag, an dem ich solche bilder sehe und nicht mehr die selben schmerzen fühle auch mein letzter sein wird. Niemand der fleisch isst, oder tiere auf eine andere art schändet hat das recht sich an etwas schönem auf der erde zu erfreuen, keine blume blüht für ihn, und die sonne dreht ihr gesicht weg. Wie kann ich meine nächsten mitmenschen nicht hassen? Narrenfreiheit gibt es nicht!

Hier, speziell in der schweiz, wurde jeder schon mit dem richtigen weg konfrontiert, und hatte die möglichkeit darüber nachzudenken. Es gibt keine entschuldigungen. Das verhältnis stimmt nicht, es geht nicht, dass soviel leid für so wenig gaumenfreude eingetauscht wird. muss ich alle hassen? Und mich selbst? Denn auch ich bin ein problem, heute ist es gar nicht mehr möglich zu leben, ohne dass jemand oder etwas darunter leiden muss. Ein menschenleben bedeutet nicht mehr als das eines baums. Wer tötet verliert das recht zu leben.

manuela ebikon, schweiz

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