Arbeitskreis humaner

 

                    Tierschutz e.V.   (gegr.1991)

 
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Von Blinden und einem imaginären Etwas

In den Augen der meisten Menschen, und das sind ja immerhin so an die sieben Milliarden, gelten die Tiere als untergeordnete Wesen. Ein wesentlicher Grund dafür ist zweifellos die alles überragende Intelligenz des Menschen. Ein anderer ist die weit verbreitete These, Tiere seien seelenlose Geschöpfe. Doch das ist zweifellos arrogant, weil noch nicht einmal ein Einziger unter den sieben Milliarden etwas Verbindliches über seine eigene Seele sagen kann. Tatsache ist allerdings, dass die Tiere, im Vergleich zu den Menschen, vollkommen unreligiös sind.

Den Menschen gleich gestellte Fähigkeiten, wie fühlen, riechen, hören oder sehen, nutzen den Tieren da wenig. Um an die Stufe des Menschen heranreichen zu können, bräuchten sie schon Hände und zwar solche, die sie falten könnten! Diese fromme Fähigkeit besitzen aber nur die Menschen. So wird der Mensch, umgekehrt betrachtet, niemals die unteren Stufen der Tiere erreichen. Auch dann nicht, wenn er nicht sprechen, nicht hören, nicht sehen, oder alles zusammen nicht kann. Auf einer Ebene begegnen sich Mensch und Tier höchstens einmal in Zeichentrickfilmen oder in anderen Produkten der Phantasie zur Unterhaltung der Kinder. Apropos Kinder: Auch Kleinkinder, oder Neugeborene sind keinesfalls schlechter gestellt als ihre Mütter und Väter, obwohl ihr Denkvermögen im Vergleich zu bestimmten Tieren eher bescheiden ausfällt. Auch in Glaubensangelegenheiten werden sie sich nicht sonderlich von den Tieren unterscheiden.

Wie gesagt, so sehen das die meisten Menschen. Das erhebt sie zum Maß aller Dinge, das ist auch der Stoff aus dem sie ihre Schöpfungskrone gebastelt haben! Aber, wie wertvoll ist dieses imaginäre Etwas wirklich? Lassen Sie sich zunächst einmal auf eine kleine Reise entführen! Aber erschrecken Sie nicht, denn auch hier handelt sich nur um ein Produkt der Phantasie:

Stellen Sie sich vor, der ganze Erdball würde von einer unheimlichen Epidemie überzogen und die gesamte Menschheit würde daran erblinden. Das, was die Menschen von den Tieren also nicht unterscheidet, nämlich das Augenlicht, würde eines nach dem anderen von diesem Virus erfasst und ausgelöscht. Schon nach kurzer Zeit würde in sieben Milliarden Köpfen Chaos herrschen. Mit knurrenden Mägen würden die Menschen auf den Straßen umherirren. Kriechend, um nicht zu stolpern, oder sich an den Häuserwänden entlang tastend, wären sie auf der Suche nach Lebensmitteln. Die Menschen würden die Vorratslager finden und sie würden sie plündern. Die Starken unter ihnen wären natürlich im Vorteil. Auf ihrer weiteren Suche nach Essbarem würden sie auch vor fremden Eigentum in fremden Wohnungen nicht zurückschrecken. Vielleicht würde es ein paar Tage dauern, vielleicht einige Wochen, aber nach und nach brächen die Versorgungssysteme zusammen. Aus Steckdosen käme kein Strom, aus Wasserhähnen kein Wasser mehr. Die Menschen müssten ihre Notdurft dann im Freien verrichten. Um sich reinigen und sich von den eigen Fäkalien befreien zu können, würden sie auf Regen hoffen. Hoffen, nicht beten! Denn der Hunger würde die Religion der Menschen längst aufgefressen haben. Diejenigen aber, die jauchzend um sich fuchteln, wenn erste Regentropfen ihre Lumpen benässen, die sie noch auf ihren stinkenden Körpern tragen, würden nicht mehr denken und handeln wie das normalerweise Menschen tun. So wie die alte materielle Welt in die Dunkelheit verschwand, würde auch die alte geistige Welt verschwinden, nur langsamer. Sie würde verzehrt werden von Leiden und Qualen, von Verwesungsgerüchen und neuen Epidemien. Und irgendwann, so die Endstation der kleinen Reise, stünde die ganze Schöpfung wieder einmal ohne eine Krone da!

Womit wir wieder bei diesem fragwürdigen Begriff »Schöpfungskrone« angelangt wären. Kaum bricht ein kleiner, eigentlich unbedeutender Zacken heraus, fällt sie auch schon in sich zusammen und mit ihr das ganze wackelige Throngestell und Machtgefüge. Das ist die Geschichte! Aber ist sie wirklich nur reine Phantasie? Nein, leider nicht ganz! Auch wenn es diesen Virus nicht gibt, so mangelt es doch erheblich an gesunden Sichtweisen. Manchmal fehlt es an Weitsicht, manchmal an Vorsicht, oft an Rücksicht und Einsicht. So sind die Symptome dieser Mangelerscheinungen denen der Phantasiegeschichte sehr ähnlich. Sie reichen vom Plündern der Vorratskammern durch die Starken, bis hin zu den Religionen deren Botschaften ebenfalls aufgefressen wurden; aufgefressen vom »MachtEuchDieErdeUntertan«– und Wachstumswahnsinn.

Sicher, die Erde ist kein Paradies. Aber muss sie denn gleich als Schlachtfeld der Schöpfung um die Sonne kreisen? Oder als riesiges Versuchslabor? Obwohl darin unsere Umweltsünden zu stinken beginnen und sich auch immer wieder neue Seuchen auf den Weg machen, schreitet bereits die ökonomisch viel versprechende Genmanipulation immer schneller voran. Doch wie sagte schon Schiller so trefflich: »Nichts führt zum Guten, was nicht natürlich ist!« Welch eine Aussicht!

Verfasser: Roland Dunkel