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Die Jagd
- eine
Jagdkritik von Roland Dunkel
Der Hunger hatte
Schuld, ein wenig auch die Neugierde. Von
beiden getrieben gelang es nämlich unseren
noch weit vor der Ära eines Homo erectus
lebenden Vorfahren, Knochenmark mit spitzen
Werkzeugen aus Tierknochen herauszukratzen,
die Raubtiere und Aasgeier nach ihrem
Fressen übrig gelassen hatten. Natürlich
waren die aufrecht gehenden Höhlenbewohner
infolge dieser grandiosen Entdeckung
bestrebt, das Töten nicht weiterhin den
Fleisch fressenden Tieren alleine zu
überlassen. Es galt, die Sache persönlich in
die Hand zu nehmen. Die Jagd begann!
In den Anfängen war das Jagen schwierig und
vor allen Dingen gefährlich (nicht immer
kehrten alle Jäger zu ihren Gemeinschaften
zurück). Doch mit zunehmender Gehirnmasse
wurden die Menschen schlauer, die Jagd
erfolgreicher. Als es dann auch noch gelang
das Feuer »zu hüten«, welches bei der
Zubereitung des Fleisches und somit für die
Verdaulichkeit desselben von großem Nutzen
war, hatte die Jagd endgültig eine
wichtige Rolle bei der Nahrungsbeschaffung
der Urmenschen übernommen. Auf ihren
Wanderschaften über Kontinente hinweg waren
sie nicht mehr nur auf Beeren, Früchte und
Wurzeln, Insekten, Eier und Aas angewiesen.
Ungefähr 2 Millionen Jahre sind vergangen,
seitdem zum ersten Mal eine Keule den
Schädel eines Tieres traf und Tierblut aus
dem Mund eines primitiven Jägers rann.
Gewaltig hat sich unsere Welt in dieser Zeit
verändert.
Heute sind die Urwälder größtenteils
gerodet. Die steinernen Speerspitzen liegen
in Museen und unseren Lebensraum nennen wir
Kulturlandschaft. Und dennoch, es wird
weiter gejagt. Unerbittlich, hinterhältig
und brutal. Tag für Tag. Alleine in
Deutschland, dem Land mit der höchsten
Hochsitzdichte, werden jährlich ca. fünf
Millionen Wildtiere getötet!
Mit dem Treiben in grauer Vorzeit hat das
nichts mehr zu tun. Doch was sind die Gründe
dafür, wo doch das Fleisch bequem und
günstig von der Fleischindustrie, das Leder
von der Lederindustrie und die Pelze von der
Pelzindustrie geliefert werden?
Was veranlasst moderne, inzwischen mit
großartigen Gehirnen ausgestattete Menschen,
wirklich noch mit Waffen in die Wälder zu
ziehen?
Die Jäger und Ihre Ehrfurcht vor dem Leben
»Das Leben als solches ist das geheimnisvoll Wertvolle,
dem ich in Gedanken und Tun Ehrfurcht zu erweisen habe.«
Dieser von Albert Schweitzer geprägte Grundsatz
ethischen Denkens und Handelns findet unter Jägern so
wenig Beachtung, wie das Wort zum Sonntag bei einem
Schwerverbrecher. Denn hätten sie auch nur ein wenig
Respekt vor anderen Lebensformen, müssten sie ihr
Handeln in Frage stellen. Ihre Flinten müssten sie
alsbald zu den Speeren stellen und kooperativ an
vernünftigen Konzepten für ein friedliches Nebeneinander
von Mensch und Tier arbeiten.
Das Einzige was Jäger jedoch in Frage stellen, sind
Menschen, die ihre »Ehrfurcht vor dem Leben« im Alltag
praktizieren. Und das Einzige woran sie arbeiten, ist
die Verschleierung ihrer speziellen Bedürfnisse.
Ihr Trieb
Der
Jagdtrieb wird von Jägerseite gerne als ein archaisches
Verhalten dargestellt, dem auszuweichen ihnen alles
andere als leicht fällt. Schließlich ist er ihnen ja
angeboren. Der Drang zum Jagen und Töten wird also auch
mit der Verwandtschaft zu den Räubern aus der
Tierwelt begründet.
Nun besitzen die Jäger aber den gleichen Stammbaum wie
alle anderen Menschen auf dieser Welt auch. Keiner unter
ihnen dürfte daran zweifeln. Doch wie kommt es, dass die
überwältigende Mehrheit der Menschen - hierzulande sind
es 99,6 % der Bevölkerung – ihren Jagdtrieb problemlos
in Grenzen halten kann?
Welche Faktoren spielen also wirklich die entscheidende
Rolle? Das Gute an den Jägern ist, dass man sie
alle über einen Kamm scheren kann. Auch wenn ihr
»Triebleben« auf unterschiedliche Charaktereigenschaften
basiert - Psychologen sprechen hier sogar von
psychischen Defekten! - vereint sie doch letztlich
alle das gleiche Ziel: Das Töten von wildlebenden
Tieren!
Als grundlegende Wesenszüge können die folgenden
genannt werden: Erhöhtes aggressives Verhalten,
Sadismus, Streben nach Macht, fehlender
Gerechtigkeitssinn, Unsicherheit und Frustration. Ein
weiteres, nicht minder bedeutsames Merkmal fügt Paul
Parin, Psychoanalytiker und selbst Jäger hinzu: »Die
wirkliche Jagd ist ohne vorsätzliche Tötung nicht zu
haben. Seit meinen ersten Jagdabenteuern weiß ich: Jagd
eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und
für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird.«
Wie
Kimme und Korn, sind für diesen leidenschaftlichen Jäger
Jagd und Sex untrennbar miteinander verbunden. So
berichtet er dann auch von einem »... wunderbaren
Samenerguss«. Natürlich erzählt nicht jeder unter den
sexuell Gesteuerten so ungeniert von seinen Erlebnissen.
Die Dunkelziffer dürfte daher auch recht hoch anzusetzen
sein.
Ihre Argumente
Jäger scheuen sich keineswegs, die Jagd als angewandten
Naturschutz darzustellen. »Luchs, Wolf und Bär gibt
es nicht mehr. Die Erhaltung des natürlichen
Gleichgewichts ist nun Jägersache!«
Sie machen es sich einfach, zu einfach. Denn als
zweibeinige Oberregulatoren haben die auf den Hochsitzen
lauernden und mitunter nach Alkohol riechenden
Ersatzwölfe mit echten Beutegreifern nichts zu tun. Es
handelt sich lediglich um einen von vielen Versuchen,
jägertypische Neigungen zu rechtfertigen. Alles andere
wäre eine ungeheuerliche Anmaßung. Genauso gut könnte
sich ein Hubschrauberpilot für eine Schwalbe halten.
Oder glauben die Jäger allen Ernstes, dass der Wolf mit
Zielfernrohr und Nachtsichtgerät nach geeigneten
Trophäen Ausschau hält?
Viele Argumente haben sich die Nimrode in ihrer Not
ausgedacht. An dieser Stelle ist es jedoch unmöglich die
komplexe Thematik erschöpfend darzustellen, so dass nur
auf Grundsätzliches und nur auf Weniges aus ihrer
antiquierten Erfindungskiste eingegangen werden kann.
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Jagdgesetzreform in
Sachsen - Die Traditionen werden fortgesetzt
- Protestschreiben des AK (pdf) |