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Warum wir Tiere nicht essen sollen |
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Es gibt viele Gründe, warum wir
Tiere nicht essen sollen. Der wichtigste ist
wohl, daß es dafür auch nicht die geringste
Notwendigkeit gibt. Mehr noch: Fleisch zu essen
ist nicht nur nicht notwendig, sondern sogar
ausgesprochen schädlich - und zwar nicht nur (naheliegenderweise!)
für die betroffenen Tiere, sondern auch für die
Menschen.
Stichwort HUNGER: Fleisch
zu essen bedeutet gegenüber einer vegetarischen oder
veganen Ernährungsweise eine ungeheure Verschwendung der
Nahrungsressourcen unseres Planeten: Die Tiere, deren
Fleisch oder Produkte wir essen, benötigen ca. 90
Prozent des Futters, das wir ihnen geben, zur
Aufrechterhaltung ihres eigenen Stoffwechsels. Das
bedeutet: Wenn wir selbst Pflanzen essen würden, anstatt
sie an Tiere zu verfüttern, um dann diese Tiere zu
essen, könnten wir zehnmal soviele Menschen ernähren!
Über diesen fatalen Beitrag zum
globalen Hungerproblem hinausgehend, fördert
unser Fleischessen auch die regionale
Verelendung in der dritten Welt. Dort steht
nämlich in vielen Ländern die
landwirtschaftliche Nutzfläche nicht für die
Versorgung der einheimischen Bevölkerung zur
Verfügung, weil darauf Futtermittel für die
überseeische Fleischproduktion, also für unseren
Fleischkonsum, angebaut werden.
Stichwort UMWELTZERSTÖRUNG: Weil
die Fleischproduktion eine so ineffiziente Art
der Nahrungsmittelproduktion ist, muß aus den
Böden das Letzte herausgeholt werden. Dies
geschieht mit massivem Chemieeinsatz - mit
Kunstdüngern und sogenannten
Pflanzenschutzmitteln. Diese verseuchen das
Grundwasser und haben verheerende Auswirkungen
auf die menschliche Gesundheit. |

Redebeiträge auf
Demonstrationen gegen den Fleischverzehr
Wozu Tierrechts-philosophie? |
Unsere ERDE - ein 12 Minuten Video
zum Thema "Warum vegan - was hat das mit der Erde
zu tun?"
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Um die großen Mengen an Fleisch
zu erzeugen, die heute konsumiert werden, bedarf
es vieler Tiere. Viele Tiere bedeuten viele
Exkremente. Damit sind wir bei der Gülle. Dieses
flüssige Gemisch aus Harn und Kot hat
katastrophale ökologische Folgen - unter
anderem, wiederum: die Verseuchung des
Grundwassers.
Die Gewinnung von Land für die
Rinderzucht ist eine der Hauptursachen für die
Zerstörung des tropischen Regenwaldes. Die
Regenwaldzerstörung führt ihrerseits unter
anderem zu Flut- und Dürrekatastrophen und
forciert den Treibhauseffekt.
Die negativen ökologischen
Auswirkungen der Fleischproduktion sind immens
und kaum übersehbar. Eine weitere Folge der
Fleischerzeugung ist zum Beispiel die enorme
Energie- und Wasserverschwendung. Die
angeführten Stichworte sollen lediglich dazu
anregen, sich hinsichtlich der verheerenden
Konsequenzen des Fleischessens für unsere Umwelt
einmal näher zu informieren.
Dritter Punkt zum Thema
Schädlichkeit von Fleisch für den Menschen:
KRANKHEIT. Fleisch macht krank - und zwar nicht
nur jenes Fleisch, das unter den Bedingungen
irgendeines "Fleischskandals" produziert wurde,
sondern Fleisch an sich. Hinsichtlich der
gesundheitlichen Risiken des Fleischessens
bedarf es heute Gott sei Dank keiner langen
Aufklärungsarbeit mehr. Während man früher,
einer archaisch-kannibalischen
Primitiv-Psychologie folgend, Fleisch mit Kraft
und Gesundheit identifizierte - "Fleisch ist ein
Stück Lebenskraft" ist ein Relikt dieser
Steinzeitlogik -, weiß heute jedes Kind, daß man
umso gesünder lebt, je WENIGER Fleisch man ißt.
Ethik
In Unkenntnis oder trotz der
angeführten Fakten glauben manche Menschen noch
immer, daß das Töten von Tieren für menschliche
Ernährungszwecke ein schwieriges moralisches
Problem sei. Dabei ist genau das Gegenteil der
Fall: Die Frage nach der Zulässigkeit des
Fleischessens bedarf überhaupt keiner besonderen
ethischen Theorien oder Überlegungen. Vielmehr
handelt es sich hier um einen ganz banalen
Interessenkonflikt und um eine daraus
resultierende ebenso banale Güterabwägung.
Dabei geht es auf seiten der
Tiere um lebenslanges, schwerstes Leiden, auf
seiten der Menschen um einen kurzen
Gaumenkitzel. Einzige und einfache Frage: Was
wiegt schwerer: das Interesse, lebenslanges,
schwerstes Leiden zu vermeiden, oder das
Interesse, einen kurzen Gaumenkitzel zu haben?
Das InteressenUNGLEICHGEWICHT
gegen das Fleischessen könnte deutlicher und
dramatischer überhaupt nicht ausfallen - ganz zu
schweigen von den angeführten negativen Folgen
des Fleischessens für Mensch und Umwelt, die
ebenfalls gegen das Fleischessen sprechen! Keine
Ethische Theorie auf der Welt kann bei
Berücksichtigung dieser Fakten das Fleischessen
rechtfertigen. Konsequenterweise laufen auch
alle Rechtfertigungsversuche auf die mehr oder
weniger gelungene Verleugnung oder
Verschleierung dieser Fakten hinaus.
Fleischessen ist, wie gesagt,
alles andere als ein kompliziertes ethisches
Problem. Angesichts des spektakulären
Interessenungleichgewichts, das hier vorliegt,
ist es im Grunde sogar fraglich, ob man
überhaupt von einem ETHISCHEN Problem sprechen
kann. Denn dies zu tun, suggeriert, daß wir es
mit einem mehr oder weniger diffizilen Für und
Wider zu tun haben, was, wie gezeigt, ja in
keiner Weise zutrifft. In anderen Bereichen
kämen wir jedenfalls nicht im Traum auf die
Idee, von einem ethischen Problem zu sprechen,
wenn das Interessenübergewicht auf einer Seite
dermaßen eindeutig und eklatant ist.
Stellen wir uns etwa jemanden
vor, der eine ganze Stadt in Flammen aufgehen
lassen möchte, um das schöne Feuer bewundern zu
können. Wer wollte die Frage, ob die
Verwirklichung dieses Wunsches zulässig sei, als
"ethisches Problem" bezeichnen? Oder: Jemand
möchte einem anderen "zum Spaß" den Kopf
abschneiden - ein "ethisches Problem"?
Dilemma
Zurück zum spektakulären
Interessenungleichgewicht beim Fleischessen:
lebenslanges Leiden gegenüber kurzem
Gaumenkitzel. In dieser prekären Situation gibt
es für diejenigen, die den nächsten Braten vor
dem Zugriff ihres Gewissens retten wollen, nur
zwei Möglichkeiten: Sie können versuchen, den
Wert, das moralische Gewicht des eigenen
Gaumenkitzels zu vergrößern oder das Leiden der
Tiere zu verkleinern.
Der erste Weg wird selten
beschritten. Wer dem eigenen geschmacklichen
Interesse am Fleisch nämlich einen derart
exorbitanten Stellenwert beimißt, daß es das
immense Leiden der Tiere übertrifft, der gerät
in eine schwierige und unangenehme Situation.
Erstens bricht damit die Argumentationslinie mit
der geistigen und moralischen "Höherwertigkeit"
des Menschen, die die (Aus-)Nutzung der Tiere
rechtfertigen soll, zusammen. Zweitens zeichnet
derjenige, der seiner Freßlust solch
gigantisches Gewicht verleiht, ein Bild von
sich, das auffallende Ähnlichkeit mit
Vorstellungen hat, die wir üblicherweise nur mit
Tieren, zumal mit Schweinen in Verbindung
bringen: keinerlei "höhere" Interessen, sondern
nur primitive, "schweinische" Bedürfnisse und
Triebe. "Feinschmeckerei ist das Laster der
Seelen, die sonst keinerlei Gehalt haben", hatte
schon Rousseau treffend bemerkt.
Die erste Möglichkeit, das
eklatante Interessenungleichgewicht beim
Fleischessen zu beseitigen, besteht also, wie
gesagt, darin, die eigene Freßlust unendlich zu
vergrößern. Da diese Strategie, wie gezeigt,
recht unerfreuliche und wenig schmeichelhafte
"Nebenwirkungen" hat, besinnt man sich in der
Regel des zweiten Fluchtweges aus dem
moralischen Dilemma: Man versucht das Leiden der
Tiere wegzuphantasieren.
"Man könnte die Tiere doch auch
leidensfrei aufzuziehen und töten!" lautet der
reflexartig vorgebrachte stereotype Einwand
derer, die um den ungetrübten Verzehr ihrer
nächsten Mahlzeit bangen. Nur: Was hat die
Möglichkeit hier mit der Wirklichkeit zu tun?
Zunächst gar nichts. Was immer nämlich auch die
theoretischen Möglichkeiten einer leidensfreien
Fleischproduktion sein mögen - Tatsache ist, daß
das Fleisch, das wir heute überall zu kaufen
bekommen, von Tieren stammt, die gelitten haben!
Bio
Und was ist mit Fleisch aus
sogenannter "biologischer" Tierzucht? Wäre nicht
das eine Lösung? Wohl kaum:
-
Das Motiv,
"biologische" Tierzucht zu
betreiben, ist ja kein ethisches,
sondern ein ökonomisches: das Füllen
der Marktlücke in bezug auf
"gesundes", "natürliches", eben
"biologisches" Fleisch.
-
Die Menschen, die
diese Tierzucht betreiben, sind zu
einem Großteil dieselben, die früher
"normale" Tierzucht betrieben haben,
oder, schlimmer noch, noch immer
betreiben. Das heißt: Hier wird oft
von denselben Personen
"biologisches" UND "normales"
Fleisch produziert. Wir haben es mit
Menschen zu tun, die entweder auf
"biologische" Tierzucht
"umgesattelt" haben oder die
"biologische" und "normale"
Tierzucht parallel betreiben. Was
dies hinsichtlich der Einstellung
gegenüber den Tieren bedeutet, liegt
auf der Hand. Um ein Bild zu
gebrauchen: Wir haben es hier mit
Folterknechten zu tun, die sich zu
Kindergärtnern umschulen ließen und
die womöglich jetzt beide Berufe
gleichzeitig ausüben!
-
Schließlich der
vielleicht wichtigste Grund, warum
die "biologische" Fleischproduktion
niemals eine leidensfreie
Fleischproduktion sein kann: Auch
hier müssen die Tiere, bevor ihr
Fleisch auf unseren Teller kommen
kann, GESCHLACHTET werden. Und die
"biologische" Tierzucht
unterscheidet sich, wie schon der
Name sagt, von der "üblichen"
Tierzucht vor allem in bezug auf die
Aufzucht, nicht in bezug auf die
Schlachtung!
Das ist auch nur konsequent, geht
es doch bei der "biologischen" Tierzucht, wie
gesagt, nicht darum, die Tiere glücklich zu
machen - dafür gäbe es vielleicht bessere
Methoden, als sie umzubringen -, sondern darum,
die Menschen mit "gutem" Fleisch zu versorgen.
Und hierbei spielt die Aufzucht nun einmal eine
wichtigere Rolle als die Schlachtung. Die
Schlachtung ist auch bei der "biologischen"
Tierzucht alles andere als biologisch - ganz
abgesehen davon, daß "biologische Schlachtung"
schon von den Begriffen her absoluter Unsinn
ist!
Im Zusammenhang mit der
"biologischen" Tierzucht kommt oft der
merkwürdige, erstaunlicherweise aber tatsächlich
ernstgemeinte Hinweis, daß diese Tiere vor ihrem
Tod doch immerhin ein "glückliches Leben" gehabt
hätten. Ja und? Ist denn das ein Grund, sie
jetzt umzubringen? Das ist so, wie wenn sich ein
Mörder vor Gericht damit rechtfertigen würde,
bei der Auswahl seiner Opfer stets darauf zu
achten, daß sie wenigstens ein "glückliches
Leben" hatten!
Aus den angeführten Gründen ist
auch die beste "biologische" Fleischproduktion
meilenweit von einer leidensfreien
Fleischproduktion entfernt. Es gibt allerdings
noch einen schwerwiegenderen und prinzipielleren
Grund dafür, daß eine leidensfreie
Fleischproduktion nicht möglich ist: Der Mensch
ist nicht schlecht genug, um eine solche
Fleischproduktion verwirklichen zu können.
In Wirklichkeit ist es nämlich
nicht so, daß die heute übliche grausame
Behandlung der Tiere den Gipfel seelischer
Roheit und moralischer Niedertracht markiert.
Vielmehr bedeutete die "humane" Aufzucht und
Tötung von Tieren für menschliche
Ernährungszwecke in gewisser Weise sogar eine
noch größere Barbarei und Gemeinheit.
Schizophrenie
Nehmen wir an – ein reines
Gedankenexperiment! -, wir würden alle
finanziellen, technischen und organisatorischen
Voraussetzungen für eine leidensfreie Aufzucht
und Tötung von Tieren schaffen: kleine Betriebe,
die den Tieren optimale, artgerechte
Lebensbedingungen bieten, modernste technische
Ausstattung, die einen raschen, überraschenden
und schmerzfreien Tod garantiert, kompetentes
und gut bezahltes Personal, das ausreichend Zeit
für die Betreuung der Tiere hat, usw.
Eine solche "ideale"
Fleischproduktion würde nur mit menschlichen
Monstern funktionieren! Denn EINERSEITS müßten
die Menschen, die mit den Tieren umgehen, diese
gut und liebevoll behandeln. ANDERERSEITS wüßten
sie aber, daß diese liebevolle Behandlung
ausschließlich auf das - völlig unnötige! -
Umbringen ihrer Schutzbefohlenen hinausläuft!
Gerade die theoretisch denkbare
Möglichkeit einer leidensfreien
Fleischproduktion führt uns die Absurdität der
Fleischproduktion AN SICH vor Augen - konkret:
die Absurdität des Tötens ohne Notwendigkeit.
Nirgends kommt diese psychologische und
moralische Perversion deutlicher zum Ausdruck
als in der eklatanten Diskrepanz zwischen der
liebevollen Pflege der Tiere einerseits und dem
eigentlichen und ausschließlichen Ziel dieser
Pflege andererseits.
Diese emotionale Schizophrenie
und dieser in seiner abgründigen Gemeinheit
nicht mehr zu überbietende Vertrauensbruch wären
die notwendige Voraussetzung für eine "humane"
Fleischproduktion. Man beachte die völlige
Deplaziertheit des Begriffs "human" in diesem
Zusammenhang - ein Ausdruck und Gradmesser für
den unauflöslichen Widerspruch, mit dem wir es
hier zu tun haben!
Um zu zeigen, welche emotionalen
Monster für eine leidensfreie Fleischproduktion
notwendig wären, seien einige Handlungen bzw.
Situationen angeführt, die in ihrer
psychologischen und moralischen Abgründigkeit
mit einer solchen "humanen" Fleischproduktion
vergleichbar sind: Wir streicheln unserer Katze
liebevoll den Kopf - um ihr im nächsten
Augenblick den Hals umzudrehen. Oder: Ein Mann
umarmt zärtlich seine Frau - um ihr im nächsten
Moment ein Messer in den Rücken zu stoßen. Oder:
Wir ziehen unsere Kinder mit aller Liebe auf,
sorgen dafür, daß es ihnen an nichts fehlt und
daß sie eine sorgenfreie, glückliche Kindheit
haben - um sie bei einem bestimmten Gewicht ....
Es bleibt nur die bange
Alternative: eine "humane" Fleischproduktion mit
abgründiger Hinterhältigkeit oder eine
"traditionelle" Fleischproduktion mit roher
Gewalt - Hinterhältigkeit oder Gewalt gegenüber
leidensfähigen Lebewesen, die uns hilflos
ausgeliefert sind. Beides wird unser Menschsein,
unser Denken, Handeln und Fühlen, nicht
unberührt lassen.
© Helmut F. Kaplan www.tierrechte-kaplan.org |
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Das
80:20 - Gesetz
Vegetarische
Perfektion?
Dem italienischen
Wirtschaftswissenschaftler Pareto war es vor hundert Jahren beim
Erdäpfelernten aufgefallen: Um 80 % der Kartoffeln aus der Erde zu
bringen brauchte es eine Stunde, um alle, also auch die restlichen 20 %
herauszuklauben, zwei. Daraus wurde das so genannte Pareto-Gesetz:
80:20.
Mit anderen Worten, Perfektion kostet unverhältnismäßig viel. Sind Zeit
und sonstige Mittel knapp, empfiehlt es sich also nachzudenken: Ist es
sinnvoll, auf Vollendung zu beharren oder reicht es auch ein bisschen
schlampiger?
Entschiedene Vegetarier möchten nicht nur Fleisch meiden, auch
Nebenprodukte vom toten Tier wie Gelatine, Schweinefett etc. (und sofern
sie der veganen Richtung zugehören, auch vom lebenden Tier) sind ihnen
zuwider, mag auch ihr Anteil nur im Promillebereich liegen. Dem
entsprechend werden wir immer wieder nach rein (lakto-ovo)vegetarischen
oder rein veganen Produkten gefragt. Denn: kein Fleisch, das ist relativ
einfach. Doch darüber hinaus wird es schwierig und mühsam. Und bedarf
nahezu kriminalistischer Fähigkeiten.
Es ist kaum zu glauben, wie oft sich Geschlachtetes, wenn auch häufig
nur in Spuren, in manch unverfänglich scheinendem Produkt verbirgt, und
ist es auch nur, dass beim Brotbacken Schweinefett zum Blecheinreiben
verwendet wird.
Wir von der ÖVU bemühen uns redlich, bei der Industrie nachzuforschen,
wenn auch mit eher mäßigem Erfolg. Das erste Hindernis: Manchen der dort
Verantwortlichen ist nicht ganz klar, was vegetarisch überhaupt
bedeutet, von vegan ganz zu schweigen. Nun, dem lässt sich abhelfen. Das
zweite: Sie wissen natürlich, woraus ihr Produkt hauptsächlich besteht,
doch woraus die Zutaten sind, ist ihnen häufig nicht geläufig. Manche
Ingredienzien lassen sich sowohl aus Tierischem als auch aus anderen
Quellen herstellen. Und kommen von weit her. Aus den Rechnungsbelegen
selbst einer sehr kleinen vor kurzem aufgelassenen Grazer Seifenfabrik
beispielsweise war zu sehen, dass sie ihre Rohstoffe aus den
verschiedensten Ländern, aus England, aus Frankreich, Italien, den
Niederlanden, aus Deutschland bezog. Bestätigungen namentlich aus fernen
Ländern sind oft das Papier nicht wert, auf dem sie stehen.
Die Vertreterin eines großen Konzerns klagte, dass es selbst für ihr
marktmächtiges Großunternehmen schwierig wenn nicht gar unmöglich sei,
sicherzustellen, dass das importierte Lanolin (Wollfett) von lebenden
und nicht von toten Tieren stamme. Nun gibt es nicht nur ehrliche Leute,
und im harten Geschäftsleben ist Wahrhaftigkeit besonders schwierig.
Von einer renommierten großen Schokoladewarenfabrik erhielten wir
unlängst die Nachricht, dass sie Vegetariern leider nicht dienen könne.
Alle ihre Produkte enthielten zumindest Gelatine. Ein anderes
Schoko-Unternehmen bestätigte uns dagegen die vegetarische Eignung
seiner Produkte. Kommt das wirklich ohne Gelatine aus?
Nun lässt sich einwenden, dass es ja Deklarationspflichten gibt, sicher,
nur muss nicht überall und alles deklariert werden, und vor allem nicht,
ob die Beigabe tierischen oder anderen Ursprungs ist. Und nachprüfen?
Wir hatten einmal wegen Schweinefett in Broten die staatliche
Lebensmitteluntersuchungsanstalt kontaktiert, es war eine Fülle von
Telefongesprächen mit magerem Ergebnis; ganz abgesehen dass die Kosten
solcher Untersuchungen für Normalmenschen schwer zu verkraften wären.
Tatsache ist, dass Milliarden von Tieren umgebracht werden. Tatsache
ist, dass sie nicht zur Gänze aufgegessen werden, um so weniger, je mehr
der Wohlstand zunimmt. Wer nagt heute hierzulande noch Hühnerzehen ab,
wer isst noch Rindertalg? Selbst mindere Fleischsorten sind wenig
gefragt. Alles, was übrig bleibt, will irgendwie verwertet werden,
drängt auf den Markt, besticht durch Billigkeit und wird verwendet, wer
kennt das nicht von den Futtermittelskandalen. Und wenn schon nicht als
Nahrungsmittelzusatz für Mensch oder Tier oder für die
Kosmetikindustrie, dann vielleicht als Schmiermittel für die Maschinen
oder als Heizmaterial für Industrieöfen.
Übrigens, ist Brot, wenn der Backofen mit Tiermehl, sprich Leichenteilen
geheizt wurde, noch vegetarisch?
Hier taucht eine Frage auf: Warum ist jemand Vegetarier? Was wollen wir
Vegetarier?
Einen in sich geschlossenen Kreis von Menschen, die beschlossen haben,
am vegetarischen Gedanken moralisch sich emporzuranken, wie es Christian
Morgenstern so hübsch formuliert hat; einen Kreis mit strikten
Lebensregeln, der - von der Außenwelt mehr oder weniger mild belächelt,
wie es einst die der Lebensreform verschriebenen Vegetarier hundert
Jahre lang waren - in seiner Welt glücklich ist, sozusagen eine Sekte,
in der die Frage, ob Soja-Joghurt vegetarisch und welche politische
Meinung korrekt ist, hohen Stellenwert besitzt?
Oder als Esoteriker das triste Jammertal der Welt verlassen und befreit
vom erdwärts ziehenden Ballast tierischer Nahrung lichten himmlischen,
nirwanischen Höhen entgegenschweben? Oder, oder etc. etc.
Oder schlicht ein
bisschen Tierquälerei mindern helfen?
Ist letzteres der
Zweck der vegetarischen / veganen Übung, wäre zu bedenken: Mit drei
Fleischessern, die ihren Fleischkonsum halbieren, ist diesem Zweck mehr
gedient als mit einem Vegetarier. Mit zwei Menschen, die
Lakto-Ovo-Vegetarier werden, mehr als mit einem Veganer (Ovo-lakto-Vegetarismus
bedeutet bei mäßigem Milch- und Eigenuss immerhin Reduzierung des durch
Tiernutzung verursachten Tierleids um ca. 80 bis 90 Prozent).
Seit gut eineinhalb Jahrhunderten wird für den Vegetarismus in der
strengen (vegan) und der milderen Form (lakto und/oder-ovo) geworben.
Das Ergebnis ist betrüblich. Wenn es hoch kommt, wahrscheinlich sind die
Zahlen sogar erheblich niedriger, sind vielleicht 4 oder 5 Prozent der
Bevölkerung (Lacto-ovo)-Vegetarier (der Ernährungsbericht 1998 spricht
noch von 2 %) und 4 oder 5 Promille Veganer. (Wenn überhaupt. Vor
etlichen Monaten bin ich durch die Wiener Mariahilfer Straße
geschlendert von Schuhgeschäft zu Schuhgeschäft und habe das Personal
mit der Frage nach lederfreien Qualitäts-Straßenschuhen genervt. Nach
der Reaktion der Angestellten zu schließen, war ich der erste, der ihnen
je diese Frage stellte. Nur dank meiner »Vegetarian Shoes« konnte ich
sie wenigstens überzeugen, dass es so was gibt. (Dabei hatten wir den
Zentralen der führenden Schuhfirmen wiederholt den lederfreien Schuh ans
Herz gelegt). Wenn es tatsächlich in Wien und Umgebung 10.000 überzeugte
Veganer gibt, von den angeblich 100.000 L-O-Vegetariern (sie könnten
sich ja auch für das Lederverbot erwärmen) ganz zu schweigen, dürfte die
Frage doch nicht Erstaunen hervorrufen.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich bewundere Menschen,
die konsequent sind, die um ihrer Überzeugung willen Unbill und
Missgunst auf sich nehmen. Ich bewundere Menschen, die sich dem Kampf
gegen qualvolle Tierversuche verschrieben haben und folgerichtig im
Krankheitsfall die Einnahme tierversuchter Arzneimittel der
Pharmaindustrie, und das sind alle, verweigern. Ich bewundere eine mir
bekannte Dame, die die Zecken schont, die an ihrem Busen Gefallen
finden, und mit ihrem Blut nährt. Doch wie viele werden ihr folgen?
Es ist sicher wertvoll - und wir tun es als Vegetarierorganisation -
immer wieder den rein vegetarischen/veganen Charakter von Produkten zu
hinterfragen. Es wäre schön, wenn es alle Vegetarier täten. Und sie
sollten sich nicht fürchten als Spinner abgetan zu werden. Unsere ganze
Wirtschaft lebt ja überspitzt formuliert davon, dass es genug Spinner
gibt, die hart arbeiten, um sich Produkte kaufen zu können, die sie
eigentlich gar nicht brauchen.
Dennoch, alles Hinterfragen wird nichts bringen außer ein bisschen
Bewusstseinsbildung, wenn es nicht viele tun. Ein paar Außenseiter sind
für unsere industrielle Wirtschaft uninteressant. Und mehr werden es nur
tun, wenn es viel mehr, wenn auch vorerst nur laxe Vegetarier gibt. Denn
die Intensivierung des Vegetarismus ist ein Entwicklungsprozess.
Es erhebt sich die Frage, wenn uns der Tierschutz am Herzen liegt,
sollten wir die knappe Zeit und die beschränkten Mittel, die uns zur
Verfügung stehen, nicht besser dazu verwenden, Fleischesser zu
überzeugen, weniger oder gar kein Fleisch zu essen, als nachzuforschen -
ähnlich einstiger Ahnenpasszeiten - ob das Soja-Joghurt wirklich eine
vegetarische Großmutter hat? Und wäre es nicht besser zu schauen, dass
man es im Lebensmittelmarkt bekommt, und nicht nur Milch-Joghurt?
Es ist verständlich: wer in einem total verschmutzten Haus lebt, möchte
sich wenigstens ein Zimmer rein und wohnlich einrichten. Will er aber
das ganze Haus wohnlich gestalten, bringt es wenig, im Zimmer 27 einen
Fenstergriff auf Hochglanz zu polieren. Da ist es besser, zuerst den
groben Schutt anzugehen.
Wir können es auch von der anderen Seite betrachten.
Fleischnebenprodukte in den Waren, Tiermehl als Heizmaterial gibt es
nur, weil so viel davon anfällt. Und so viel fällt nur an, weil so viele
Menschen Fleisch essen wollen. Das (Tierschutz/rechts-) Problem ist das
200-Gramm-Schnitzel, nicht das eine Gramm Gelatine oder das
Backblechfett. Mit Radikalforderungen - du darfst keine Schokolade
essen, es könnte Gelatine drinnen sein oder eine nicht koschere
E-Nummern-Zutat - bekehren wir - fürchte ich - nur wenige zum
Vegetarismus.
Einst vor hundert Jahren in Galizien ließ sich ein Offizier vom
Gemeindediener am Sabbat die Synagoge zeigen. Zum Abschied sagte er:
»Ich würde Ihnen ja gern ein Trinkgeld geben, aber Sie dürfen ja am
Sabbat kein Geld annehmen. Meinte der Synagogendiener: Gott, der
Gerechte, wäre schon froh, täten die Menschen am Sabbat nichts
Schlimmeres, als Trinkgeld nehmen.«
Dr. Erwin
Laupert |
Informationen zum Europäischen Vegetarismus-Label
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