Arbeitskreis humaner

 

                    Tierschutz e.V.   (gegr.1991)

 
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Mit dem Herbst beginnt die Igelzeit

Im Herbst, erinnert durch die vielen Medienberichte, richten viele Leute ihre Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf die Igel, die als Kulturfolger in unserem Lebensraum zu finden sind. Dabei sehen sie schwerpunktmäßig die Grammzahl der Tiere als Maßstab für die Hilfsbedürftigkeit. Das ist falsch. Wir haben von Ende Mai bis in den September hinein je nach klimatischer Lage, Wurfzeit. Kein Tier wird mit 600 g geboren. Das heißt – dass ein Tier auch nicht nach Kalendermonat aufgenommen werden muss, sondern diese in den Köpfen spukende Grammangabe ist nur relevant, wenn Igel nach Frosteinbruch noch mit einem Körpergewicht von um die 500 g. draußen herumlaufen.

Diese Igel haben nicht die nötigen Fettreserven für den Winterschlaf. Dies immer wieder beschriebene Untergewicht ist meist krankheitsbedingt und behandlungsbedürftig, wenn die Überwinterung gelingen soll. Unabhängig vom Gewicht und Jahreszeit kann ein Igel krank oder verletzt sein. Das erfordert sofortige sachkundige Hilfe in einer Igelstation oder beim Tierarzt. Lt. Tierschutzgesetz ist es nur erlaubt, diese bes. geschützten Tiere ins Haus zu nehmen, bis sie in der Lage sind, sich draußen selbst zu erhalten. Dazu bedarf es Sachkunde. Wichtiger als die Grammzahlen im Kopf zu haben, ist es einen gesunden von einem kranken Igel zu unterscheiden. Gesunde Igel sind nachtaktive Insektenfresser (keine Nager, keine Äpfelchenfresser!) Ihre Körperform ist tropfenförmig, vorne spitz, hinten rund. Sie haben halbkugelförmige knopfartig hervorstehende schwarze Augen. Die Nase ist feucht, manchmal tropft sie. Gesunde Igel rennen auffallend schnell weg, wenn man ihnen zu nahe kommt, oder sie rollen sich zu einer festen Kugel zusammen und erst wieder aus, wenn die Gefahr vorbei ist. Die Stacheln werden kreuz und quer aufgestellt. Die Körpertemperatur ist warm. Der Kot gesunder Igel ist ein festes dunkles Würstchen. Kranke und damit hilfsbedürftige Igel werden meist am Tag und ohne Deckung liegend gefunden. Ihre Körperform ist walzenförmig, oft ist ein Halsansatz zu sehen (Nackenfalte) Die Augen werden nur schlitzförmig oder gar nicht geöffnet. Die Nase ist trocken. Die Körpertemperatur kann sehr kühl sein. Die kranken Igel rollen sich kaum ein, schnell wieder aus. Der Gang ist häufig wackelig, oder die Tiere liegen und stehen nicht auf, wirken zahm und zutraulich. Die Stacheln werden kaum oder gar nicht aufgestellt. Der Kot ist weich bis flüssig, grünschleimig, gelegentlich mit Blutbeimengungen. Häufig versammeln sich viele Fliegen um kranke und verletzte Tiere, sie legen ihre Eier darauf ab. Aus denen schlüpfen bald die Maden, die den Igel fressen. Verletzte und kranke Igel brauchen ganzjährig unverzügliche und sachkundige Hilfe. Unterkunft und Nahrung hilft hier nicht. Achtung: Wer ein krankes Tier anfasst, sollte darauf achten, dass er sich nicht infiziert. (Eitererreger, Salmonellen etc.) Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife schützt meist ausreichend. Igel brauchen zunächst im Haus eine Unterkunft von ca. 1,5 qm Größe, die mit Zeitungen ausgelegt ist – kein Heu, kein Laub, kein Katzenstreu. Sie brauchen ein Schlafhaus mit einem Schlupfloch von ca. 10 x 10 cm Größe, das auch mit Zeitungen und etwas Knüllpapier ausgelegt ist. Die Reinigung und das Auswechseln der Zeitungen ist täglich mindestens 1x erforderlich. Ebenso brauchen sie 2 standfeste Gefäße für Wasser und Futter (glasierte Blumenuntersetzer aus Ton). Das Futter sollte so bemessen sein, dass pro Woche eine Gewichtszunahme von 50 g bis zu einem Gesamtgewicht von ca. 800g erfolgt. (Pflegeprotokoll führen!) Als Futter ist geeignet: Katzenfutter mit einigen Tropfen Maiskeimöl und etwas Kleie. Es ist sonst zu fettarm und ballaststoffarm, was weiche übel riechende Stühle verursacht. Gekochtes Hühnerfleisch, grob zerkleinert mit etwas Kleie, Hühnerflügel und Hälse können mit Knochen gereicht werden, das dient der Zahnpflege. Rührei, mit wenigen Tropfen Öl in der Pfanne gestockt ist auch geeignet oder Rinderhack – in der Pfanne angebraten mit Öl und Kleie gemischt. Igel lieben Abwechslung, die auch wegen der Nährstoffversorgung erforderlich ist. Bitte keine Nüsse. Obst, Rosinen u. was man sonst so hört, geben. Gesunde Tiere mit einem Gewicht von ca. 800 g kann man in einem kalten Raum zum Winterschlaf veranlassen.

Ein Wort zum Schluß:
Igelstationen sind sind nicht flächendeckend vorhanden. Bei Bedarf vermittelt pro Igel in der Nähe eine geeignete Station in Wohnortnähe Igelstationen sind in der Regel Privatinitiativen und keine institutionellen Abgabestellen für Igel. Die Kapazität in Privathäusern ist begrenzt, sowohl vom Raumangebot, wie auch der möglichen Arbeits- aber auch finanziellen Belastung her. Gerade im Herbst werden diese Stationen weit über ihre Möglichkeiten oft frequentiert. Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt Verantwortung. Igelstationen freuen sich über Finder, die ihr gesund gepflegtes Tier nach entsprechender Beratung selbst über den Winter bringen und sich an den entstehenden Kosten angemessen und nach persönlicher Möglichkeit beteiligen.
(Igelstationen haben keine Gebührenordnung aber alljährlich im Herbst hohe Kosten zu tragen - nicht nur für Futter. Auch Medikamente und Tierarztgebühren belasten das private Budget.)
Alle wichtigen Informationen sind auch unter www.pro-Igel.de im Internet abrufbar und auszudrucken.

Karin Oehl
im Aug. 2009