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So ernten heutige Pelzträger nur noch - mehr oder minder zurückhaltend
artikuliert - mitleidige, oder auch erboste Anmerkungen ob ihrer
altertümlichen Bekleidungsgewohnheiten nach "Neandertal-Manier"
und erfreulicherweise nicht mehr die bewundernden Blicke, wie eigentlich
erhofft!
Die Zeiten haben sich eben geändert: Man raubt heute nicht mehr
mit dem Knüppel in der behaarten Hand, Frauen aus dem Rudel des
Nachbarclans, frisst das Fleisch nicht mehr roh, oder ist auf den
Verzehr von Würmern, Spinnen und Käfern angewiesen - ebenso wenig wie
auf die vom Körper des Tieres abgeschabten Haut- und Fellteile.
Nur Ewiggestrige, die die Zeit verschlafen haben, schleppen neben ihrem
eigenen Korpus, wie Steinzeitmenschen gekleidet, auch noch
umgehängt die Leichenteile von Tieren, durch die von Atomstrom hell
erleuchteten, modernen Einkaufsstraßen.
Freilebende "Pelz"tierarten werden hauptsächlich in Fallen
gefangen, bei dem die Tiere grauenvolle Verletzungen erleiden.
Zertrümmerte Glieder, offene Knochenbrüche, aufgeplatzte Leiber. Bei
dem Versuch sich aus den Stahlklammern zu befreien, versuchen die
Gefangenen in ihrer Verzweiflung sich selbst die Pfoten abzubeißen, um -
nicht überlebensfähig - dann manchmal auf drei Beinen verkrüppelt zu
entkommen bis irgendwann ein gnädiger Tod sie erlöst.
Viele Tiere verbluten oder erfrieren auch einfach vor dem Eintreffen der
Fallensteller, da bei der Größe der Reviere die Fallen in der Praxis oft
nur in größeren Zeitabständen kontrolliert werden. Auf jeden
"gelungenen" Zielfang kommen zusätzlich systembedingt noch unzählige,
sogenannte "Beifänge", andere Tiere, die so "nebenbei" unter unsäglichen
Qualen ihr Leben aushauchen und dann als "Abfall" entsorgt werden.
Zucht-"Pelz"tieren
in Menschenhand, wie beispielsweise Fuchs und Nerz,
ergeht es fast noch schlimmer. Sie vegetieren ihr kurzes Leben lang,
ähnlich wie die berüchtigten KZ-Hühner, in kleinen Drahtkäfigen.
Aufgrund der Enge und erzwungenen Bewegungsmangels und
Beschäftigungslosigkeit, leiden die Tiere an Verhaltensstörungen,
beißen sich gegenseitig die Extremitäten ab, mutieren und verstümmeln
sich selbst.
Auf den Drahtböden scheuern sie sich die Füße blutig, sie erkranken
mangels Hygiene an Virusinfektionen, leiden an Stoffwechselerkrankungen
und Entzündungen. Aber sie brauchen ja nicht allzulange leben - nur bis
zur "Ernte" (Branchenjargon).
Dann werden sie langsam vergast, oder ein Stromstoß, oft aus
schwachen Autobatterien, beendet furchtbar und schrecklich ihr kurzes,
qualvolles Leben, für eine degenerierte
Möchte-Gern-Schicki-Micki-Gesellschaft, die ihnen buchstäblich das Feil
über die Ohren zieht, um sich die Skalpe selbst umzuhängen.
Die Fellindustrie, in der Öffentlichkeitsarbeit vom Deutschen Pelz
Institut (DPI) vertreten, sieht das natürlich alles ganz anders. Mit
teuren, gesteuerten Anzeigenkampagnen soll das angeschlagene
Image und die zynische Geschäftemacherei mit dem Tierelend,
äusserlich aufpoliert und kaschiert werden. Unliebsame, hartnäckige
Kritiker werden auch schon einmal mit Einschaltung der Staatsgewalt und
der Gerichtsbarkeit bedroht. So zerrt C&A, Tierrechtler in
kostenaufwendigen (unüblichen) Einzelverfahren wegen "Hausfriedensbruch"
vor den Kadi, weil sie sich im vergangenen Jahr zur Weihnachtszeit in
der C&A - Fellabteilung angekettet, Informationsschriften verteilt und
so mit viel Zivilcourage gegen den Verkauf von Pelzen protestiert
hatten. (Mittlerweile hat dieser Bekleidungsindustrieriese seinen
bundesweiten Ausstieg aus dem Pelzgeschäft bekanntgegeben!)
Zu früheren Zeiten mag Felle tragen seine Berechtigung gehabt haben -
heute ist es ein ungeheuerlicher, die Schöpfung verhöhnender,
skandalöser Anachronismus - und zudem überflüssig wie ein Kropf. Wir
können uns heute im Zeitalter modernster Fertigungstechniken, chic, warm
und modisch kleiden - absolut ohne barbarische Tierschinderei. Die
Fellbranche reagiert natürlich sehr allergisch auf entsprechende
synthetische Konkurrenzprodukte.
Webpelz, so das gebetsmühlenartig vorgebrachte Standardargument
sei "... Umweltfrevel und schlimme Energieverschwendung, da aus Erdöl
gewonnen. 'Natur'pelze hingegen seien nachwachsende Rohstoffe und
ökologisch einwandfrei." Aber auch das stimmt nicht. Ing. Gregory Smith
(Michigan, USA) stellte bei akribischen Berechnungen fest, dass zur
Gesamtproduktion eines Kunstpelzmantels 30 316 Kilokalorien Energie
nötig sind, ein "echter" Pelz aber 2007382 Kilokalorien benötige - also
das 66-fache!
Alles in allem klingt so das Aufjaulen der gebeutelten Pelzbranche
ähnlich, wie das Klagen der Kriegsindustrie, die lauthals das Elend der
Rüstungsarbeiter bejammert. Doch der Fortschritt und ein Umdenken im
Verhalten des Menschen zum Mitgeschöpf Tier, lässt sich auf Dauer nicht
aufhalten. Auch das gerade von der DPI gerne - weil angsterzeugend - bis
zum Überdruss strapazierte "Argument" der Arbeitslosigkeit, greift
nicht. Gerade in der Modebranche bestehen - nach entsprechender
Umorientierung - vielfältige Möglichkeiten, u.a. pelz- und lederähnliche
Materialien zu verarbeiten.
Viele andere Handwerks- und Industriebetriebe haben sich im Laufe der
Zeit umgestellt und modernisiert. In den meisten Bereichen sehr
erfolgreich - warum sollte dies nicht ebenso bei den (bisher)
pelzverarbeitenden Unternehmen von statten gehen!?
Natürlich gehört etwas Mut dazu, ausgetretene Pfade zu verlassen und
neue Wege zu beschreiten - aber das kann von der Pelzindustrie erwartet
werden.
Ansonsten gilt auch hier "... wer zu spät kommt, den bestraft das
Leben".
Ulrich Dittmann, Nov.2001 |